Es ist bereits länger her, da führte der konservative, CDU-nahe Berliner Historiker Paul Nolte in Bezug auf das TV-Programm der deutschen Privatsender das böse Wort "Unterschichtenfernsehen" ein.
Er meinte damit vor allem das Tagesprogramm von RTL, SAT.1, Pro Sieben, RTL2 und co. mit ihren billig produzierten Scripted-Reality-Serien, mit ihren Laiendarstellern und ihren Pseudo-Dokus.
Satiriker wie Harald Schmidt griffen den Begriff auf. Doch weil man in Deutschland niemanden diskriminieren wollte (was auch ich grundsätzlich für richtig halte), wurde die Diskussion schnell abgewürgt. Und der Begriff verschwand wieder.
Mehr als zehn Jahre später gibt es diese Formate immer noch. Und nicht nur das. Die Liste an Z-Promis, die der Boulevard in TV, Internet und Print feiert, wird immer länger.
Ich bin der Meinung, wir sollten offen diskutieren. Das Niveau in sozialen Medien (die es damals noch nicht gab) wie in den klassischen Medien wird immer schlechter. Die Zuspitzungen, die Provokationen, der Hass sorgen dafür, dass wir mittlerweile eine intellektuelle Unterschicht haben.
Diese "intellektuelle Unterschicht" ist nicht zu verwechseln mit der "finanziellen Unterschicht". Letztere kann für ihre meist prekäre Situation nichts.
Und, glaubt mir, wie oft ich in der finalen Phase meines Studiums meine Eltern um schnelle Überweisung von ein paar Euro bitten musste, weil ich mir nichts mehr zu essen kaufen konnte.
Ich weiß also, wovon ich rede.
Die intellektuelle Unterschicht ist mittlerweile das viel größere Problem als die finanzielle oder die TV-Unterschicht.
Deshalb bin ich auch dafür, dass Smartphones an Schulen bis zum 14. oder meinetwegen auch 16. Lebensjahr verboten werden sollen.
Deshalb bin ich dafür, die großen Monopol-Tech-Konzerne zu zerschlagen (was aber nur eine vernünftige US-Administration angehen könnte, die wir nicht haben).
Deshalb bin ich dafür, dass die demokratischen Parteien TikTok, Instagram und co. mit demokratischem Content fluten, statt mit "Scheiße" (Steve Bannon).
Deshalb bin ich für ein AfD-Verbot.
So. Das war das Wort zum (Wahl-) Sonntag hier bei mir in NRW.