Angesichts der derzeitigen Spannungen zwischen den USA und Europa möchte ich aus dem Gedächtnis einmal einen historischen Vergleich ziehen. So gut ich es kann.
Gehen wir zunächst zurück in die 1970er-Jahre.
1976 wurde der liberale Demokrat Jimmy Carter zum US-Präsidenten gewählt. Carter versprach seinem Volk, er werde es nicht belügen. Das war eine Reaktion auf den verlorenen Vietnam-Krieg und den Rücktritt des Republikaners Richard Nixon im Jahr 1974 infolge des Watergate-Skandals. Zwischen 1974 und 1976 folgte die kurze Amtszeit von Gerald Ford, der zuvor Vizepräsident unter Nixon gewesen war. Einmal las ich eines der vielen Bücher des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD), in welchem dieser bekannte, von den vier US-Präsidenten, die er erlebt habe, habe er sich mit Gerald Ford am Besten verstanden. Doch Ford verlor die Wahl 1976, weil die US-Wähler von den Republikanern die Nase voll hatten.
In die Amtszeit von Jimmy Carter (1977 bis 1981) fiel der Friedensschluss zwischen Israel und Ägypten. Doch trotzdem wurde er 1980 nicht wiedergewählt. Der Grund dafür war hauptsächlich der Umsturz im Iran 1979 und die Ereignisse rund um die US-Botschaft. Carter galt als zu „weich“ und innen- wie außenpolitisch als gescheitert. Gegen den ehemaligen Schauspieler Ronald Reagan hatte er keine Chance. Auch Helmut Schmidt ließ im Nachhinein kein gutes Haar an Carter, auch ihm war der Demokrat zu „weich“.
Carters Nachfolger Ronald Reagan regierte von 1981 bis 1989. Seine Amtszeit markiert meiner Meinung nach die erste große Zäsur in der Nachkriegsgeschichte zwischen den USA und Europa. Militärisch (Stichwort „SDI“) und wirtschaftlich (Stichwort „Reaganomics“) legte er die Grundlagen für die politischen Positionen und den heutigen Zustand der US-Republikaner. Er wurde mit einer überwältigenden Mehrheit wiedergewählt. Lediglich Washington D. C. und Minnesota stimmten 1984 für den Demokraten Walter Mondale, der damals übrigens – auch das war ein Novum in der US-Geschichte – mit einer Frau als Vizepräsidentschaftskandidatin antrat. Aber das ist nur eine Fußnote.
Vom „Kalten Krieger“ wandelte sich Reagans Politik dann allerdings in Richtung Versöhnung, als 1985 Michail Gorbatschow sowjetischer Staats- und Parteichef wurde. Dieser setzte auf Abrüstung und Entspannung. Das registrierte man auch in Washington. Als zwischen 1989 und 1991 die „Wende“ in Osteuropa einsetzte, war allerdings schon Reagans Vize George H. W. Bush US-Präsident geworden.
An dieser Stelle möchte ich einen Zeitsprung zur Präsidentschaft von George W. Bush Junior machen, der die USA von 2001 bis 2009 regierte.
Meiner Meinung nach machte darin der Wandel der US-Republikaner hin zum Autoritarismus den zweiten, großen Schritt nach Ronald Reagan. Die Europäer erinnern sich noch an die Worte von Bushs Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der die kritischen Stimmen aus Europa zum zweiten Irakkrieg in den 2000er-Jahren als Stimmen aus „Old Europe“ abtat. Und die Deutschen erinnern sich an die Worte des damaligen deutschen Außenministers Fischer (Grüne), der Rumsfeld zum Irakkrieg auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Worte „Excuse me, I am not convinced“ entgegen schleuderte. Bereits hier deutete sich ein riesiger Bruch der Nachkriegsordnung an, der sich unter Donald Trump heute finalisiert.
Der Demokrat Barack Obama, der 2009 bis 2017 zwischen George W. Bush und Donald Trump regierte, war dagegen in Deutschland und Europa sehr populär. Nicht nur, weil er liberal und der erste schwarze US-Präsident war. Sondern, weil man in Europa glaubte, das Verhältnis zu den USA habe sich nun dauerhaft wieder normalisiert.
Was ein Irrtum war.