18.2.22

Heimat – Was ist das?

Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, wurde in den Dritten Programmen die Serie „Heimat“ von Edgar Reitz wiederholt.

Gedreht und erstausgestrahlt wurde sie Anfang der 1980-er Jahre. Ich fand das „Panorama aus der Provinz“ faszinierend. Wie sich Menschen und Landschaften im Hunsrück im Laufe der Jahrzehnte entwickeln und verändern. Die Nachfolgeserien „Die zweite Heimat“ etc. habe ich dann schon nicht mehr so verfolgt.

Heute spielt das Thema Heimat in meinem Gedanken eine große Rolle. Wo gehöre ich hin? Der Engländer sagt, „home is where the heart is“. Heimat kann sein, wo die Familie ist, kann auf dem Land, in der Stadt oder in der Einsamkeit sein. Oder da, wo man schon immer war, oder wo man gerne sein will.

Ich bin mit vier Jahren aus dem Rheinland ins Ruhrgebiet gezogen. Mit zehn Jahren ging es dann nach Hessen, zwei Jahre später wieder zurück an die Ruhr. Meine Familie wohnt im Rheinland und in Norddeutschland, einige auch verstreut quer durch die Republik.

Rechte und Linke definieren Heimat unterschiedlich. In den USA wurde, so weit ich mich erinnere, nach 2001 ein Heimatschutzministerium eingerichtet. Auch ein deutsches Ministerium trägt – zumindest war das bisher so – unter anderem den Titel „Heimat“. Viele Linke halten nichts von dem Begriff, weil er exkludiere und ausgrenze. Das kann sein, muss aber nicht.

Die Corona-Pandemie zwingt uns, den Begriff neu zu denken. Während die Elite früher die ganze Welt bereiste und auf die provinziellen Heimatbezogenen herabschaute, wird das wohl in Zukunft so nicht mehr gelten. Denn wer reist, belastet auch die Umwelt, daher wird das mittlerweile kritischer gesehen.

Fühle ich mich da, wo ich bin, zu Hause? Ich weiß es nicht.

Kann ich mir vorstellen, woanders zu leben? Ja. Oder?

15.2.22

Mal Sport: Die 50+1-Regelung in der Bundesliga – wird sie fallen?

Seit gefühlt fünfzig Jahren heißt der Deutsche Meister am Ende einer Bundesligasaison Bayern München.

Die Liga ist langweilig geworden.

Ich habe unser Magenta-Sport-Abo daher zum September gekündigt. Ist einfach nicht mehr so spannend.

Jetzt die Frage: Wie könnte sich das ändern?

Nun gibt es in der Bundesliga bei den einzelnen Vereinen, darauf hat man sich, so weit ich weiß geeinigt, die 50+1-Regelung.

Diese besagt, soweit ich weiß, dass bei einem Einstieg eines auswärtigen Kapitalgebers der Verein 50 Prozent Anteil plus eine Aktie behält. Behalten muss.

Vor allem die Fans haben darauf gedrängt. Um Traditionen zu bewahren.

In England, Spanien, Frankreich gibt es bekannterweise diese Regelung nicht. Gerade auf der Insel haben sich reiche Scheichs, Russen und Amerikaner eingekauft. Sie bringen mächtig Geld mit. Den Fans dort ist es recht. Gut, ein Bier im Stadion gibt es nicht mehr für ein paar Pfund. Da muss man schon mehr hinblättern.

Aber immerhin ist die Liga spannend. Ein unwahrscheinlicher Meister wie der Underdog Leicester City vor einigen Jahren, das wäre bei uns momentan kaum denkbar.  

Deswegen ist meine Vermutung: Auch in Deutschland werden Vereine und Fans bald sehen, dass die 50+1-Regelung so nicht haltbar ist. Das Interesse an der Liga lässt schon jetzt langsam nach. Corona tut ein Übriges.

Und die Tradition? Tja, es sind ja schon jetzt schon Konzerne wie Bayer, SAP und VW aktiv. Da wird man, so vermute ich, auch irgendwann akzeptieren, dass Geld aus dem Ausland kommt. GAZPROM ist ja schon länger beim Zweitligisten Schalke aktiv…

Meine Meinung.

8.2.22

Gedanken zu Corona

Letzte Woche war ich für vier Tage in der Eifel.

Nun ist die Eifel ohnehin sehr dünnbesiedelt. Aber dort hatte ich das Gefühl, ich sei teilweise der einzige Mensch.

Ich fuhr stundenlang über leere Landstraßen und wollte am Nürburgring die Motorsportausstellung besuchen. Parkhäuser und Gebäude waren völlig verlassen. Als ich am Empfang ankam, erklärte mir eine verständnislose Dame, außerhalb der Saison habe das Museum und auch der Ring unter der Woche geschlossen. Ich aß in einem ebenso menschenleeren Imbiss noch etwas, bevor ich wieder fuhr. Gespenstisch.

Corona wird der Grund dafür sein, dass unsere Gesellschaft nach dem Ende der Pandemie nicht mehr die alte sein wird. 

Was wird anders sein? Werden viele Arbeitnehmer ab dann nur noch von daheim arbeiten? Werden manche Arbeitnehmer ihre Kollegen gar nicht mehr zu Gesicht bekommen? Wird es ein Ausufern von Partys und Zusammenkünften geben, um zu feiern, dass das überhaupt wieder möglich sein wird?

Niemand weiß, was nach Ende der Pandemie passieren wird. Ob das Leben wieder in bekannte Bahnen zurück kehrt.

Lassen wir uns überraschen.

30.1.22

Songs of my life - Die Songs meines Lebens: TEIL 6: Boston – „More than a feeling“, 1976

Auch diesen Song lernte ich kennen, weil meine Eltern die Platte im Regal stehen hatte. Es geht um einen Typen, dessen Freundin Marianne hieß, und die sich von ihm getrennt hat („I see my Marianne walking away“).

Immer, wenn er diesen einen, alten Song („When I hear that old song they used to play“) im Radio hört, träumt er sich zurück zu ihr. Welcher Song es ist, bleibt unklar.

Der Titel ist einer der meistgespielten auf US-Classic-Rock-Stationen. Ein ähnliches Thema hat die 1986 erschienene Nummer „Amanda“ von Boston („I’m gonna tell you right away / I can’t wait another day / Amanda“).

 

LETZTE FOLGE - TO BE CONTINUED 

29.1.22

Mein Studium: TEIL 2

Die Studienbedingungen in Frankfurt waren…nun...schwierig. Frankfurt ist eine tolle, wenn auch sehr teure Stadt. Aber die Uni war -damals zumindest- zum Teil in einem baulich sehr verwahrlosten Zustand.

Ich habe den Großteil meines Studiums im Uniturm (offiziell: AfE-Turm) absolviert. Dieser wurde vor etwa zehn Jahren gesprengt, um einem neuen Hochhaus Platz zu machen. Die Sprengung wurde deutschlandweit im TV übertragen, vielleicht erinnert sich der eine oder andere.

Seit ´68 hatte man offenbar an diesem Turm (und leider auch an vielen anderen Gebäuden) nicht viel verändert. Gut, es gab natürlich W-LAN und reichlich Bibliotheken. Aber die Flure, Gänge und Seminarräume waren mit Parolen vollgeschmiert (ich erinnere mich z. B. an: „Randale, Bambule, Frankfurter Schule“), und dementsprechend verströmten viele Dozenten den Eindruck, als hätten sie hier auf Lehre auch keine große Lust.

Jedenfalls verstand ich manche Seminare gar nicht, andere wiederum waren auf Volkshochschulniveau, in wieder anderen erzählten die Dozenten vorwiegend Anekdötchen (das hatte ich aber auch im Ruhrgebiet so erlebt, wo man das „Dönekes erzählen“ nennt).

Ich kämpfte mich so von Semester zu Semester, immer mit der Tendenz, Seminare im Uni-Turm möglichst zu vermeiden. Mein Nebenfach Geschichte lernte ich jedoch im ehemaligen IG-Farben-Haus im schicken Westend, das, frisch saniert, kurz vor meinem Studienbeginn der Goethe-Uni übergeben worden war. An diesem Campus fühlte ich mich ausgesprochen wohl. Alles war neu und modern, wenn auch das, was ich dort lernte, Themen von früher waren.

Leider war das Studentenleben nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Im Wohnheim ging jeder so seines Weges. Die Bewohner kamen aus ganz Deutschland, viele auch mit Migrationshintergrund (darf man das noch so sagen? Ich hoffe.). Alle waren sehr nett, aber außer einem zweimal jährlich stattfindenden Flurkochen gab es eigentlich wenig Gemeinsamkeiten. Was ich sehr schade fand.

In meiner Freizeit fuhr ich oft die paar Bahnstationen zum Hauptbahnhof und Flughafen, und mietete mir einen Kleinwagen, oder stieg in den Zug. Dann fuhr ich die Städte in der Umgebung ab, die mich interessierten. Ich war in Mannheim, Heidelberg, Würzburg, Mainz und Marburg, wenn auch natürlich nur für ein paar Stunden. Leider fand sich kaum jemand, mit dem ich das hätte zusammen machen können.

Jedenfalls zog ich bald vom Studentenhochhaus in der Ginnheimer Landstraße um in ein Wohnheim in der Ludwig-Landmann-Straße. Im Hochhaus hatte ich ein 11-Quadratmeter-großes Zimmer gehabt, Nasszelle und Küche teilte ich mir mit einem Mitstudenten. Weil mir das zu klein war, erhielt ich ein 18-Quadratmeter-großes Zimmer, die Küche und Toiletten/Duschen teilte ich mir mit den Kommilitonen. Immerhin musste hier nicht geputzt werden, das übernahmen Reinigungsteams.

Irgendwann hatte ich, nach vielen Irrungen und Wirrungen, die ich hier nicht aufzählen will, dann alle Scheine zusammen. Zum Schreiben meiner Magisterarbeit wollte ich bei Dozent H. das Thema „Europapolitik der Regierung Schröder am Beispiel der Debatte um die EU-Verfassung“ bearbeiten. Das ging jedoch nicht, weil ich bei Dozent H. kein Seminar belegt hatte. Schließlich landete ich bei Professor S., einem Volkswirt, bei dem ich mich für das Thema „Arbeitsmarktvergleich Deutschland, Großbritannien, Niederlande in Bezug auf Deregulierung“ entschied.

To put a long story short… mit der Note für die Abschlussarbeit war ich nicht zufrieden. Am Ende erhielt ich ein „befriedigend“ als Gesamtnote. Im Januar 2008 dann war die „Herumstudiererei“ dann final beendet – gottseidank.