22.9.22

BFBS Memories

Some fond memories about BFBS. One of my former favourite radio station.

Britisch Forces Radio used to broadcast via strong FM frequencies in the north west of Germany. And, of course, in Berlin. For the younger ones: Remember, this country once was occupied!

Unlike on AFN, the hosts aren‘t members of the army. The German studios were in Herford, I remember their phone numbers: 05221-81006 or 81007. The news first came from the BBC, later from commercial IRN.

In 2010, BFBS closed down in our region. As I read on the internet, in Berlin this had already been the case in 1994 when the Allied Forces went away.

As a pupil, I woke up to the Breakfast Show, which American and German radio call „morning show“.

When I wasn’t at school, I listened to „BFBS Gold“ with Dave Windsor. He played classic hits and oldies in the style of the old pirate stations. There was no other oldies station receiveable at that time.

In the earlier days, I remember they used to broadcast John Peel’s Radio 1 show. But that’s long ago.

Anyway, I remember shows like „Late Night with Arabella Seymour“, „The World Wide Rock Show with Cal Sutherland“, „Forces Finest“, „Connect“, „Sim’s Sunday Show“ and „The Late Glen Mansell“. The latter has sadly passed away. He did the late show on a workday. You could phone him and send him emails. Did quizzes and played requests. There’s nothing like that on nowadays radio, whether in Germany or Britain.

Some weekend before Christmas, BFBS used to do the charity show „Wireless for the blind“. People could donate for blind people and get their song request. This always went for days.

That’s what comes to my mind spontaneously when I think of BFBS.

Most of the British Forces have left Northrhine-Westphalia. So there’s no need for BFBS any more.

Today you can listen online to any station in any thinkable language. That‘s kind of nice, as well.

 

PS: When I was at school in England in 1999, I would surf the then BFBS website. A schoolmate from England came up to me and asked me: „BFBS? What does that stand for? Bl**dy F***ing Bullsh*t?“

18.9.22

Der moderne Narzissmus

Ein Phänomen des 21. Jahrhunderts ist der allgegenwärtige Narzissmus.

Der Narziss, der sich selbst über alle und alles andere stellt.

Ich gebe es zu: Ich beobachte an mir eine zunehmende Selbstbezogenheit, seitdem ich einen Gutteil des Tages vor dem PC, am Laptop oder am Smartphone hänge. Beobachte an mir, dass ich ungeduldig werde, wenn andere mir – meiner Meinung nach - nicht genügend Aufmerksamkeit schenken.

Das ist schlecht – und gut zugleich.

Instagramer, TikToker, YouTuber, Influencer, Twitterer, Podcaster und Blogger gab es bis vor wenigen Jahren nicht. Jeder kann Sender sein, passend zum YouTube-Motto „Broadcast Yourself!“. Jeder kann sich online nach Lust und Laune austoben. Sich selbst oder sein Lieblingsthema präsentieren.

Zumindest dort, wo es keine Zensur gibt.

„Früher“ gab es die Promis, die sich in den alltäglichen TV-Magazinen, Zeitungen und Zeitschriften selbst darstellten. Man konnte, als Bürger, einen Leserbrief an die Zeitung schicken, oder machte bei einem Offenen Kanal oder im Bürgerfunk mit. Machte mal ein Praktikum bei einem Medium.

Das war alles. Das Internet hat die alten Zustände pulverisiert.

In den klassischen Medien werden zumeist die Gefahren betont, die der Online-Narzissmus mit sich bringt. Da geht es um Rechtsradikale, die gegen Minderheiten hetzen. Um Querdenker, die Kriminalität im Darknet, Verschwörungstheoretiker, Fake-News-Produzenten aus aller Welt. Politiker, die ihre antidemokratischen und menschenfeindlichen Botschaften verbreiten, und auch noch gewählt werden. Und ähnlich zwielichtige Geschöpfe.

Das ist alles soweit richtig.

Jedoch hat der grenzenlose Narzissmus auch Vorteile. Kommunikation ist von jedem Ort der Welt aus möglich. Minderheiten können sich vernetzen, Communities bilden und eine Öffentlichkeit herstellen. Jeder kann sich über jedes denkbare Thema und in jeder denkbaren Sprache informieren. In diktatorisch regierten Ländern kann das Internet Freiheiten vermitteln, die offline nicht zu erreichen sind.

Zumindest dort, wo es keine Zensur gibt.

Auch das ist ein Teil des modernen, allgegenwärtigen Narzissmus. 

Dass wir uns auch ein Stück näherkommen.


NACHTRAG: Nachdem ich diesen Blogbeitrag geschrieben habe, habe ich überprüft, ob meine Webseite in Russland gesperrt ist. Sie war es zunächst nicht. 

Plötzlich dann aber doch. Schade. 

Lag es daran, dass ich diesen Beitrag geschrieben habe, oder dass ich es überprüft habe?

Ich weiß es nicht.

10.9.22

Die Renaissance der Nachfragestärkung

Deutschland steht vor einem heißen Herbst und einem brütend heißen Winter.

Strom wird extrem teuer. Gas droht, zu verknappen. Viele drohen, abzurutschen.

Da muss die Regierung gegensteuern. Sie tut das mit einem Maßnahmenpaket, das bisher keiner so recht durchschaut, und das bisher keiner so recht versteht. Aber immerhin, das Problem wird gesehen.

Das war in den letzten Jahren und Jahrzehnten oft nicht so.

Erstaunlich ist, dass Arbeitnehmer und -geber bisher eher an einem Strang ziehen. Das ist in Deutschland unüblich. Sonst gibt es unterschiedliche Auffassungen bei Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden über wirtschaftspolitische Maßnahmen.

Bereits das „9-Euro-Ticket“ im Sommer war eine klassische Maßnahme zur Nachfragestärkung. Die Leute sollten durch finanzielle Anreize dazu gebracht werden, das Auto stehen zu lassen.  Aus wirtschaftlichen und klimapolitischen Überlegungen heraus. Auch Menschen, die sonst nicht in der Lage gewesen wären, den ÖPNV zu nutzen, hat das geholfen. SPD und Grüne hatten das Ticket durchgedrückt. Die FDP war naturgemäß eher dagegen. Aber sie koalieren, und ein Folgeticket ist schon in Planung.

Auch die geplanten Energiezahlungen des Staates an Alleinstehende wie Familien sind im Prinzip ein Faktor der Nachfragebelebung. Auch, wenn sie eigentlich eine Notlage verhindern sollen. Auch, wenn noch nicht klar ist, ob sie nur an Geringverdiener und Bedürftige gehen sollen, oder auch an die Mittelschicht.

Unter Gerhard Schröder wurden die Steuern gesenkt und die Sozialleistungen eingeschränkt. Merkel hat dann nicht mehr viel verändert, weil die Konjunktur gut lief, und hat nur noch Einzelmaßnahmen beschlossen.

Seit Anfang des Jahres 2022 haben wir eine völlig neue Situation.

Dagegen erscheint der Streit zwischen Regierung und Opposition um den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken fast klein. Wir hatten mal 17 Atommeiler. Jetzt sind es noch drei. Ob das die erhoffte Energiesicherheit bringt, wenn man diese verbliebenen länger laufen lässt, das ist zu bezweifeln. Aber das ist nicht der Punkt.

Die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik muss in dieser Situation wieder aus dem Hut gezaubert werden. Hoffentlich schaffen die Deutschen, schaffen die Europäer und die westliche Welt es, diese bevorstehende Krise zu überwinden.

„TV Europe, Teil 5“: Das TV der Niederländer

Einen hab‘ ich noch. Unsere Nachbarn.

Es gibt drei öffentlich-rechtliche Sender. NPO („Nederlandse Publieke Omroep“) 1, 2 und 3.

Die Sender hießen auch mal einfach „Nederland 1“, „Nederland 2“ und "Nederland 3“.

Als DXer freute ich mich früher immer auf heiße Sommernächte und eisige Wintertage. Denn dann gab es Überreichweiten, und man konnte sie empfangen. Das Bild der Holländer war damals, zu Analogzeiten, schärfer und brillanter als das der deutschen Sender. Im Kabel waren alle drei Sender vertreten. Heute gibt es dort nur noch das 2. Programm.

Die Struktur der Sender ist, wie das Land, säulenartig. Es gibt KRO-NCRV (christlich), VPRO (progressiv), AVROTROS, BNNVARA (Unterhaltung), MAX (für Ältere), und so weiter. Das gilt für TV, wie fürs Radio.

Die Radiosender der Niederländer gingen immer, wie ich bereits schrieb. Vormittags, wenn mal keine Schule war, hörte ich „Arbeidsvitaminen“ auf 3FM. Die spielten Songs, die im deutschen Radio damals nicht (mehr) liefen. Nena, beispielsweise, war in den Neunzigern bei uns zwischenzeitig total abgemeldet – 3FM spielte die 80er-Klassiker „99 Luftballons“ und „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“. Die privaten Radiostationen basieren zum Teil immer noch auf den legendären Piratensendern der 1960-er und 1970er-Jahre. „Radio 538“ und „Radio Veronica“ stammen etwa vom damaligen Veronica-Spruch (heute würde man "Claim" sagen) „538 op volle kracht – Radio Veronica!“. „Skyradio“ gehörte tatsächlich mal zu Murdochs „Sky“.

Zurück zum TV.

Im Kabel und mittlerweile auch über Antenne (!) gibt es in Holland BBC One und BBC Two. ARD und ZDF sind ebenfalls überall im Kabel. RTL Nederland hat die Ableger RTL4, RTL5, RTL7 und RTL8. „Dazwischen“ sendet SBS6 („Scandinavian Broadcasting System“), das aber mittlerweile, glaube ich, nicht mehr Schibsted aus Schweden gehört. Natürlich zudem die üblichen US-Ableger wie Discovery Channel und MTV.

Zeitungsmäßig erscheinen alle großen Blätter, wie ich mal irgendwo las, in einer Art großen Art Einheitsverlag. So groß ist das Land nicht, aber es gibt das „NRC Handelsblad“ (wirtschaftsliberal), „Trouw“ (links), „De Volkskrant“ (links), „De Telegraaf“ (Boulevard), „Het Parool“ (stammt, glaub‘, noch aus Kriegszeiten), und wenn ich eins vergessen habe, mailt mir. Ganze Menge.

"TV Europe, Teil 4": Das TV der Franzosen

Und jetzt gehen wir nach Frankreich. Das habe ich aber nicht alles aus der "Süddeutschen"...;-).

Ich möchte nicht zu weit ins Politikwissenschaftliche abgleiten, aber ähnlich wie in Italien 1992 nach dem Korruptionsskandal "tangentopoli" ist auch die Parteienlandschaft in Frankreich - wenn auch später als dort - förmlich implodiert. Die klassischen Parteien, Konservative und Sozialisten, spielen praktisch keine Rolle mehr. Doch auch vorher hatte sich die Parteienlandschaft mehrfach umstrukturiert.

Zurück zu den Medien.

Das öffentlich-rechtliche "France Télévisions" sendet die landesweiten "France 2" und "France 3". Das Dritte wird regionalisiert. Kann man über Satellit sehr schön erkennen. Daneben gibt es noch Ableger wie "France 5" und natürlich "arte". Präsident Macron will die Rundfunkgebühren übrigens abschaffen. Deshalb sendeten die Öffentlichen neulich aus Protest nur ein Notprogramm.

Das erste Programm "TF1" war mal öffentlich-rechtlich, heute kommerziell. 1987 wurde es unter einer konservativen Regierung privatisiert. 

Das war eine Reaktion auf die Einführung kommerziellen Rundfunks unter dem Sozialisten Francois Mitterrand Anfang der 1980er. Der ließ neben TV-Sendern auch Radiostationen wie "NRJ" ("Nouvelle Radio Jeunesse") zu, die ihm politisch nahe standen. "NRJ" gibt es unter dem Namen "Energy" bekanntermaßen auch bei uns. Die großen Radiostationen sind in Ketten zusammen gefasst und senden landesweit.

Neben der bekannten Sportzeitung "L'Équipe" sind es die großen Zeitungen "Le Monde" (liberal) und "Le Figaro" (konservativ), die linke "Libération" sowie das Klatschblatt "Paris Match", welche hauptsächlich gelesen werden.

(NACHTRAG, 23.9.22: Ich habe den Privatsender "M6", sowie den Pay-TV-Sender "Canal+" vergessen. Dessen Nachrichten-Ableger "CNews" steht politisch weit rechts, dort moderiert u. a. Éric Zemmour. Der ist bekanntlich bei den letzten französischen Präsidentschaftswahlen angetreten, allerdings schon in der ersten Runde gescheitert.

Übrigens: Die Bezeichnungen "rechts" für Konservative und "links" für Progressive stammen aus der französischen Nationalversammlung, weil dort früher die Sitzordnung der jeweiligen politischen Kräfte so war.).