An dieser Stelle stand eine zynische Satire, die ich aus einer Frustlaune heraus geschrieben habe.
Ich fand sie unpassend für mein Blog.
Deshalb habe ich sie wieder gelöscht.
Ein Blog über meine Corona-Quarantäne, Politik, Gesellschaft und Medien. Garantiert KI-frei!
Regelmäßig bei Fußball-EMs und-WMs stolpere ich über den Begriff „public viewing“.
Die meisten wissen nicht, was das im Original eigentlich
bedeutet. Nämlich die „öffentliche Zurschaustellung einer Leiche“.
Wie kann man Begriffe so falsch verwenden?
Wir sind durch die Nachkriegszeit geprägt vom US-Englisch.
Sagen zu Kartoffelchips eben „Chips“ wie die Amerikaner. Die Briten nennen sie „crisps“.
Und die Briten nennen „chips“, was wir Pommes Frites nennen. Die Amis sagen „french
fries“. Obwohl die aus Belgien stammen. [ERGÄNZUNG, 1.3.22: Weiteres Beispiel: Wir nennen einen LKW "truck" wie die Amis. Die Britten nennen ihn "lorry". ERGÄNZUNG, 9.3.22: Wir nennen "talk shows" eben auch Talkshows wie die USA. Die Briten sagen dazu "chat show".]
Vorhin stolperte ich beim Surfen über den „Head of governmental
relations“ bei einem Lebensmittel-Lieferdienst. Ziemlich lustig. Als hätte ein
Lieferdienst-Start-Up Beziehungen zur Regierung notwendig. Und, als würde sich
die Regierung für ein Lieferdienst-Start-Up interessieren.
Als ich mal ein Praktikum bei einem TV-Sender machte, gab es
dort den „content pool“.
Ja, was macht ein TV-Redakteur denn sonst, außer „content“ zu produzieren?
Jeden Morgen, wenn ich aus dem Bett steige, und vor dem
Spiegel stehe, sage ich erst mal „Business, baby!“. Um mich auf einen neuen Tag
einzustimmen mit Menschen, die keine Fremdsprachen können.
(ERGÄNZUNG, 11.4.24: Ich bin auf eine ziemlich lustige, falsche Denglisch-Phrase gestoßen:
Business-Leute sagen gern Sätze wie: "Letztes Jahr habe ich round about fünf Millionen gemacht."
Allerdings heißt "roundabout" im Englischen nur "Kreisverkehr". Und nichts anderes...)
Ich beobachte die NRW-Radiolandschaft (wenn man sie jahrzehntelang überhaupt so nennen konnte) als Hörer, Interessierter und auch zeitweise Mitmacher seit 1995.
Und stelle mir die Frage, da jetzt, wo sich eben diese
Radiolandschaft innerhalb kurzer Zeit derart geändert hat (und immer noch ändern
wird), wie der herkömmliche NRW-Lokalfunk darauf reagieren wird.
Es gibt durch DAB+ und Internet jetzt unheimlich viel Auswahl
im Radio. Das wollte die Politik bis vor wenigen Jahren verhindern. Daher die traditionell
geringe Auswahl im Äther im Land.
Offenbar hat es einen Sinneswandel gegeben. Die Verantwortlichen
sahen wohl ein, dass mittlerweile viele Menschen nicht nur internetfähige
(Auto-) Radios haben. Sondern es sendet auch die Konkurrenz von NRJ, Antenne Bayern
etc. mittlerweile über NRW-Sendemasten.
Da wurden nicht nur flugs Sender aus anderen Bundesländern
mit NRW-Fenster zugelassen.
Nein, man brach auch das Tabu, dass es keinen eigenen, landesweiten
Privatsender geben durfte. Deshalb läuft ab 1. September 2022 Radio „NRW1“ über
viele UKW-Frequenzen im Land.
Wie will und wird der seit Jahrzehnten vieldiskutierte, gesetzlich derart in ein Korsett gepackte „2-Säulen-Mantelprogramm-Bürgerfunk“-Lokalfunk darauf reagieren?
Wird er die neue Konkurrenz überhaupt überleben?
Es wird Aufgabe der neuen Landesregierung sein, den Lokalfunk
gründlich zu reformieren und zukunftsfest zu machen.
Sonst gibt es ihn in einigen Jahren nicht mehr.
Um diese Sendung live gesehen zu haben, dafür bin ich zu jung.
Sie wurde 1986 eingestellt, da war ich fünf Jahre alt, und
wohnte erst ein Jahr in Essen.
Lediglich die Wiederholungen zeugten noch von der
damaligen Atmosphäre. TV-Ton war mono, so sagen es die Gurus, also schaltete
man parallel das Radio ein, da war es stereo.
Danach, bis zur Wiedereinführung der Sendung Mitte der Neunziger,
lief „Rocklife“ mit „In the Midnight hour“ von Wilson Pickett als Titelsong.
Nächte habe ich vorm TV verbracht, auch wenn die Sendung
nicht mehr ausschließlich aus der Grugahalle kam.
Die Bands, die heute gelegentlich präsentiert werden, kenne ich nicht mehr wirklich.
Aber in den ÖR-Mediatheken kann man noch diverse Perlen
aus den 70er und 80er Jahren nachsehen.
Besonders an ein Konzert von „Huey Lewis and the News“ aus Köln
1991 erinnere ich mich gut.
Ich empfinde diese Gesellschaft als kalt, rauh und egoistisch. Jeglicher Zusammenhalt scheint verloren gegangen zu sein. Solidarität ist ein Fremdwort. Wenn ich nachts durch unser Ausgehviertel gehe, ist dort wenig los. There is no such thing as society, dieser Satz von Margaret Thatcher, den ich schon einmal zitiert habe, scheint sich zu bewahrheiten.
Natürlich, Schwächeren wird geholfen. Natürlich, es werden
Flüchtlinge aufgenommen.
Aber es fehlt ein Grundkonsens, wohin sich dieses Land entwickeln
soll.
Die Politik(er)verdrossenheit hat sich inzwischen zu einer
Politik(er)verachtung ausgeweitet.
Wenn das Land noch einmal in einen Lockdown gehen sollte, sehe
ich schwarz. Dann werden zwar die Intensivstationen leer sein. Dafür werden
sich die Kinderheime, Männerhäuser, Frauenhäuser, Psychiatrien, Polizeistationen
und Gefängnisse füllen. Ist das besser?
Menschliche Beziehungen werden oberflächlich geführt. Man trifft
sich vorwiegend digital. Per Videochat. Im Prinzip bräuchten Schüler, Studenten
und Azubis ihre Lehranstalten gar nicht mehr zu betreten. Kann man ja alles
online lernen.
Wozu noch Sprachen lernen? Gibt ja Google Translate. Wozu Rechtschreibung?
Darauf kommt es am Smartphone nicht an. Wozu telefonieren, wenn es WhatsApp, Twitter,
Telegram, Signal etc. gibt? Wozu, wozu,
wozu…
Kulturpessimismus.