27.9.23

Ankündigung: Nachrichten im AK-Stil

Mir ist da gerade beim YouTube-Schauen von alten Ausgaben der "Aktuellen Kamera" des DDR-Fernsehens aus dem Wendejahr 1989 eine Idee gekommen.

Viele werfen den TV-Medien vor, sie seien zu staatsnah. Sie geben angeblich nur das wieder, was "die da oben" wollen.

Wie wäre es denn, wenn man mal den Stil der "AK" von vor der Wende in die Moderne kopiert? Also, die Meldungen einer Nachrichtensendung von heute umschreiben in den Stil des SED-Staatsfernsehens?

Etwa, statt "Bundeskanzler Scholz hat heute..." sagen: "Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, ehemalige Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, ehemalige Funktionär der Jungsozialisten sowie Fast-Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, SPD, hat heute...". 

Oder, statt zu sagen: "Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat heute..." sagen: "Die Ministerin des Äußeren der Bundesrepublik Deutschland, ehemalige Vorsitzende der Partei 'Bündnis 90/Die Grünen' sowie Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Annalena Baerbock, hat heute..."

Statt "Bundesfinanzminister Lindner..." könnte man auch einleiten: "Der Minister für Finanzen der Bundesrepublik Deutschland, Vorsitzende der Freien Demokratischen Partei Deutschlands FDP, sowie ehemalige Funktionär der FDP des Landes Nordrhein-Westfalen..."

So in etwa.

Wenn man Sendungen wie "Tagesschau", "heute" oder "RTL Aktuell" in den Stil der "AK" umschreibt, sieht man den Unterschied von demokratischen zu diktatorischen News. Damit kann man vielleicht diejenigen Lügen strafen, die immer von "Systempresse" reden.

Ich werde mich dem mal annehmen, und das hier demnächst mal posten. 

Just for laughs.

25.9.23

Die Nacht, in der ich meinen Vater das letzte Mal sah

Es war am Samstag genau ein Jahr her, dass mein Vater starb.

Am 23. September 2022 kam ich Abends vom Bowling mit Freunden. Plötzlich, in der U-Bahn, erhielt ich einen Anruf meiner Schwester. Mein Vater liege im Sterben. Er werde die Nacht wohl nicht überleben.

Ich stieg an der nächsten Haltestelle aus der U-Bahn. Es war mitten in der Essener Innenstadt. An einem Platz standen Taxis. Ich stieg in eins ein, und googelte die Adresse des Krankenhauses, in dem mein Vater angeblich lag.

Das Taxi fuhr los. Gegen 23.30 Uhr traf ich am Hospital ein.

Ich ging zunächst in die Notaufnahme. Sah, dass zwei Sanitäter meinen Vater auf Station fuhren.

Am Eingang erfragte ich sein Zimmer. Da noch Corona vorherrschte, gab es strenge Sicherheitsmaßnahmen. Ich durfte zu ihm, musste aber neben Mundschutz auch ein Haarnetz und einen Ganzkörperschutz tragen. Man riet mir ab, mich ihm allzu sehr zu nähern, Abstand zu halten.

Ich saß stundenlang bei ihm, redete mit ihm. Erinnerte ihn an meine Kinderzeit. Sagte ihm, er sei ein guter Vater gewesen (Das hatte ich ihm allerdings auch schon gesagt, als er noch daheim wohnte).

Zwischendurch ging ich vors Krankenhaus, rauchte, weinte. Und wieder hinein.

Gegen halb fünf Uhr morgens verabschiedete ich mich von ihm. Für immer.

Er lebte dann noch eine Woche. Schwer gezeichnet von seiner Krankheit war er ja schon lange gewesen.


Bye, bye, dad. Love you forever. 

Was ist Macht?

Ich habe bereits über 7000 Klicks in diesem Blog. Weltweit. Das spornt mich an, weiter zu machen.

Damit habe ich eine gewisse Macht. Allerdings bin ich es aus Schule und Universität auch gewohnt, kritisiert und benotet zu werden. Habe die Angewohnheit, im Kopf alles, was ich tue, zu bewerten. 

Das werde ich wohl nie los.

Der ehemalige Chef der größten deutschen Boulevardzeitung hat einmal gesagt, mit ihm und seiner Zeitung fahren Politiker im Aufzug nach oben. Und auch wieder ´runter, wenn sie Fehler machen. Bei Politikern ist es offenbar ständig so, wie bei Abiturienten, die vor ihrem Abschluss stehen.

Wenn man an Fälle wie zu Guttenberg, Engholm, Barschel oder Möllemann denkt, sind das Politiker, die hoch geflogen, und tief gefallen sind. Politiker, denen ein großes Talent nachgesagt wurde. Die ehrgeizig waren. Und am Ende, wie in den Fällen Möllemann und Barschel, sogar teils mit ihrem Leben für ihren Ehrgeiz bezahlen mussten.

Macht ist verführerisch. Macht macht verführerisch. Macht verschleißt angeblich nur den, der sie nicht hat. Macht muss man aber auch wollen.

Ich gehöre zu den Menschen, denen so etwas wie Macht nicht allzu viel bedeutet. Denen Macht, egal welche, eher Angst bereitet. Gegen etwas Macht und Karriere habe ich zwar nichts einzuwenden.

Doch bin ich in einem Haushalt groß geworden, und von Lehrern geprägt worden, die im klassischen Spät-68er-Stil Autoritäten in Frage stellten. In der Schule sahen wir mehrfach „Der Club der toten Dichter“, und nahmen „The Wall“ von Pink Floyd und Jimi Hendrix` Version der US-Hymne durch. Autorität und Machtausübung spielten zu meinen Adoleszenzzeiten schon eine untergeordnete Rolle. Wir sollten selbst denken lernen. Auch, wenn ich sonst eher konservativ erzogen wurde.

Es war ein Widerspruch, an dem ich lange zu knabbern hatte. Daher wohl auch mein ambivalentes Verhältnis zu Obrigkeit, Macht und Autoritäten.


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Jubiläum: mein 100. Post!!

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24.9.23

Kompromissland Deutschland

Ein wesentlicher Faktor in unserem, seit 1949 andauernden Sozialen Frieden in der Bundesrepublik ist der Kompromiss.

Wie ich bereits hier einmal schrieb, gibt es in der politischen Debatte in Deutschland selten einen Konsens. Es gibt aber, andererseits, auch keine großen, langwierigen Konflikte. Wenn beispielsweise eine Gewerkschaft, wie die der Lokführer vor einigen Jahren, streikt und den Verkehr lahmlegt, ist das in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung.

Die Zielkonflikte zwischen den derzeitigen Koalitionspartnern in Berlin sind ein gutes Beispiel für eine politische Kultur, die auf Interessenausgleich setzt. Die Grünen und die SPD haben ein Interesse an sozialen Themen, und ihnen ist Haushaltsdisziplin im Zweifelsfall weniger wichtig. Bei der FDP ist es genau anders herum. Die Union changiert mal in die eine (Merkel), mal in die andere (Merz) Richtung. Je nachdem, ob und mit wem sie regiert, oder ob sie gerade in der Opposition ist.

Es ist damit zu rechnen, dass sich die Parteienlandschaft in absehbarer Zukunft noch weiter zersplittert. Selbst im einst tiefschwarzen Bayern, wo die CSU mal über 60 Prozent holte, sind die Verhältnisse nicht mehr so klar. Umgekehrt ist das einstmals „rote“ Nordrhein-Westfalen heute längst keine Hochburg der SPD mehr.

Problematisch wird es, wenn es Verhältnisse wie derzeit in Thüringen gibt. Im Freistaat sind „far-right“ (AfD) und „far-left“ (Die Linke) die stärksten Parteien. Das heißt, Kompromiss-Koalitionen sind nicht mehr möglich. Nicht mal für Rot-rot-grün, eine GroKo, "Kenia“ oder „Jamaika“ reicht es. Weimar lässt grüßen. Hoffentlich weiten sich diese „Erfurter Zustände“ nicht auf andere Bundesländer aus.

Hoffnung macht das Beispiel Niederlande. Dort sitzen mehr als ein Dutzend Parteien in der „tweede kamer“, dem Parlament. Es gibt für jede denkbare gesellschaftliche Gruppe eine Kleinpartei. Für Linksliberale, für Rechtsliberale. Für progressive Christen, für konservative Christen usw. Auch dort gibt es radikale Kräfte, und auch dort regierte bisher eine bunte Vier-Parteien-Koalition (die übrigens vor Kurzem zerbrach). Aber Alles in Allem funktioniert die Demokratie.

Werden wir niederländische Verhältnisse bekommen? Die Wahlen in Hessen und Bayern werden es zeigen. 

20.9.23

Was wäre, wenn...wir die Ukraine in EU und NATO aufnehmen würden?

Lassen wir bei dieser Frage den Krieg mal weg. Betrachten wir nur die Tatsache, dass die Ukraine möglicherweise EU- und NATO-Mitglied wird.

Dann würden beide Bündnisse bis an die Grenze Russlands reichen. Würde das die Weltlage sicherer machen? Ich glaube: nein.

Die anderen osteuropäischen Staaten konnten erst der EU beitreten, als sie einen Katalog an Forderungen und Reformen erfüllten. Und, offen gesagt, würde man Staaten wie Polen und Ungarn in ihrem derzeitigen Zustand heute auch nicht mehr EU-Mitglieder werden lassen.

Dass die anderen Osteuropäer der NATO beitreten konnten, war ohnehin nur dem Druck der USA zu verdanken. Der fehlt heute, angesichts der derzeitigen innenpolitischen Lage in den Staaten.

Was sollte es also bringen, der Ukraine Sand in die Augen zu streuen, und ihr nach jahrzehntelanger Ignorierung ihrer Interessen zu sagen: Ach, jetzt seid ihr angegriffen worden, jetzt seid ihr Opfer, nun könnt ihr auch in EU und NATO.

So funktioniert das nicht.

13.9.23

Die Krux der Ampel-Regierung

Hier eine Einschätzung zur Situation der Bundespolitik.

Erstmal ist die „Ampel-Koalition“, wie es ein Trierer Politikwissenschaftler formuliert hat, schlichtweg eine ungewöhnliche Koalition. Eine heterogene Drei-Parteien-Regierung, weil aufgrund der Diversifizierung der Parteienlandschaft anders keine Mehrheiten mehr zu erreichen sind.

Die FDP ist rechtsliberal-wirtschaftsnah und regiert mit zwei Parteien, die tendenziell links von der Mitte stehen. Das führt naturgemäß zu Konflikten. Wie jenen, die wir rund um das Gebäudeenergiegesetz und die Kindergrundsicherung gesehen haben. Jene Punkte sind den Grünen wichtig, der FDP aber zu dirigistisch. Schwierig wird es bei also bei den Themen Soziales und Wirtschaft.

Hinzu kommt, dass Grüne und FDP ein Wählerklientel haben, das sich durchaus ähnlich ist: Tendenziell gut ausgebildet, tendenziell gut verdienend, tendenziell modern-reformistisch. Da gibt es also auch Konflikte um die Wählerschaft. In Fragen wie Zuwanderung, Abtreibung, Cannabis-Legalisierung und Selbstbestimmungsgesetz – also in gesellschaftspolitischen Fragen - sind sich die drei Regierungsparteien dagegen weitgehend einig .

Die SPD zögert in Sachen Waffenlieferung an die Ukraine, während ihre beiden kleinen Partner Druck machen. Sie muss diese Koalition bis zum geplanten Wahltag 2025 zusammen halten. Sich zurück halten, und mal dem einen, mal dem anderen Partner Rückendeckung geben.

Viele Menschen sind frustriert und ermüdet. Angesichts von Inflation, Wirtschaftskrise, den Folgen von Corona, Migration, Krieg und Klimawandel. Daher die hohen Zustimmungsraten zur AfD in momentanen Umfragen. Es steht zu erwarten, dass die Rechten bei den anstehenden Landtagswahlen gut abschneiden werden.

Die Union als größte Oppositionspartei kämpft derweil mit einem recht unbeliebten Vorsitzenden und eben jener Konkurrenz von rechts. Wie hält sie’s mit der AfD? Will sie mit denen irgendwo regieren, oder doch mit Grün oder Gelb? Wer wird Kanzlerkandidat? All diese Fragen sind für die Union noch nicht geklärt.

Am linken Rand droht derweil die Spaltung. Die Linke droht, durch die Wahlrechtsreform der „Ampel“ bei der nächsten Bundestagswahl aus dem Parlament zu fliegen. Sarah Wagenknecht liebäugelt seit Langem mit der Gründung einer eigenen Partei. Auch hier scheint ein noch unfertiger Prozess im Gange zu sein.

Wie die nächste Bundestagswahl ausgehen wird, halte ich daher noch längst nicht für ausgemacht. Es sind noch zwei Jahre bis dahin. Das ist in unserer heutigen Mediendemokratie eine lange Zeit.

9.9.23

SATIRE, Teil 3: Letzter Post

Da die KI sowieso alles besser kann, brauchen wir auf dieser Welt auch keine Kreativen mehr.

Deshalb ist das hier mein letzter Beitrag.

Ich verabschiede mich.

War schön mit euch.

Ciao. 

4.9.23

SATIRE, Teil 2: Me and Horst – Warum ich mich mit Horst Schlämmer abgefunden habe.

Horst Schlämmer ist stellvertretender Chefredakteur des fiktiven „Grevenbroicher Tageblatts“. Er ist fest in seiner Heimat verwurzelt, und hält sich für den Größten.

Grevenbroich liegt im Rhein-Kreis Neuss. Das ist die Stadt, in der auch ich geboren wurde.

Als Hape Kerkeling das erste Mal mit seiner Figur über die Mattscheibe flimmerte, konnte ich darüber nicht lachen. Ich war gerade dabei, mich in den Medien zu bewerben. Schlämmer ist provinziell, Alkoholiker, hält sich für den größten Stecher. Und er ist eine Figur, die so lustig ist, dass es weh tut.

Ich muss zugeben, als ich jünger war, dachte ich auch ein wenig wie Schlämmer. Dachte, ich werde so schnell etabliert sein, wie meine Vorbilder es waren.

Die Stadt Grevenbroich fand die Figur Schlämmer lustig. Zeichnete Kerkeling sogar aus. Das zeigt, dass Rheinländer auch über den Karneval hinaus Humor haben.

Ich habe mit Horst Schlämmer meinen Frieden gemacht. Arbeite momentan für eine Zeitung, die auch im Rhein-Kreis Neuss erscheint. Und wenn Außenstehende meinen, ich sei ein provinzieller Alkoholiker – bitte, dann bin ich es halt. Dabei trinke ich kaum Alkohol. (Spoiler: Achtung, Selbstironie! Satire!)

Aber Satire darf bekanntlich alles.


(ERGÄNZUNG, 16.3.24: Na ja, fast alles. 

Aber ob Herr K. mich, meinen Vater oder sonstwen mit seiner Figur meinte, ist dabei ziemlich zweitrangig. 

In jedem Fall ist es ein "Nach unten treten". 

Bloß, weil Herr K., wie viele erfolgreiche Künstler, auf Journalisten herabschaut. Ohne die sie niemals Erfolg hätten.) 

3.9.23

SATIRE: Me and Al – Warum ich „Eine schrecklich nette Familie" mag

„Married with Children“, so der Titel im Original, lief Mitte der Neunziger jeden Tag im Programm eines großen deutschen TV-Senders. Ich durfte es nicht sehen. Da waren meine Eltern konsequent. Sie setzten bei der Erziehung ihrer Kinder ausschließlich auf öffentlich-rechtliche Sender. Ich kannte einen anderen Lehrersohn, dessen Eltern sogar alle Privatsender aus der TV-Senderliste gelöscht hatten, weil sie deren Programm für Schund hielten.

Jedenfalls – in der Serie werden Frauen als strunzdumme „Dumpfbacken“ (im Original: „pumpkin“) bezeichnet, und Männer als ebenso doofe, TV- und sexgeile Idioten dargestellt. Die Serie lief in den USA auf FOX. Das ist das Network von Rupert Murdoch, dessen „Fox News“ seit einigen Jahren ja weltbekannt ist.

Ich vermute, so wie Al und Peg Bundy und ihre verzogenen Kinder, stellte sich Rupert Murdoch seine Zuschauer vor. Dumm, arm, faul, unerzogen und ständig geil.

Man muss fairerweise sagen, dass auch „Die Simpsons“ bei FOX laufen. Und das ist ja nun eine Familienserie, die ein satirisch-grelles Licht auf die US-Gesellschaft wirft. Und international gefeiert wird. Das durfte ich dann auch sehen. Allerdings muss man hinzufügen, dass die „Simpsons“ damals noch im ZDF liefen. Also einem öffentlich-rechtlichen Sender. (Übrigens immer Freitags, und danach kam „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“).

Heute schaue ich „Married with children“ immer wieder gerne. Weil in den 80ern und 90ern US-amerikanische Familien aus der unteren Mittelschicht so vermutlich tatsächlich waren. Sonst wäre die Serie nicht so erfolgreich gewesen. Und, ehrlich, manchmal erkenne ich mich in Al und Bud Bundy auch wieder.

Aber wem geht das nicht so?

2.9.23

Mein Besuch im britischen Parlament

Es war Februar 1999. Das alles ist lange her, und ich versuche es, aus dem Gedächtnis zu reproduzieren. So gut es geht.

Mitte Februar sind in Großbritannien eine Woche „mid term holidays. Meine Gasteltern fuhren mit dem mittleren und dem jüngeren Sohn ein paar Tage ins belgische Vielsalm. Ich war mit dem Großen allein zu Hause. Meine englischen Lehrer hatten sich für mich, meinen bayerischen Mitschüler, und zwei weitere Mitschüler von meiner High School etwas Besonderes überlegt.

Sie hatten einen Termin beim örtlichen MP („member of parliament“) gemacht, damit wir alle eine Führung durchs Unterhaus in London bekamen!

Wir, das waren wir vier Schüler, sowie eine Lehrerin, und weitere Bürger aus dem Wahlkreis in Kent, trafen uns morgens am Besuchereingang des Parlamentsgebäudes. Roger Gale, der „local MP“ von den Torys, kam und begrüßte uns. Wir gingen durch das altehrwürdige Gebäude, kamen an einer Statue von Winston Churchill vorbei. Ironischerweise war die Lehrerin, die das alles organisiert hatte, glühende Labour-Anhängerin. Sie hatte feuerrote Haare, und uns im Unterricht gestanden, dass sie von Churchill eigentlich nicht viel hielt.

Kent ist südöstliches England und normalerweise Gebiet für konservative Mehrheiten. Damals, 1999, allerdings regierte gerade Labour mit Tony Blair als Premierminister. Der war gerade zwei Jahre zuvor ins Amt gekommen und galt – damals noch – als politischer Superstar. Das sollte sich erst mit dem Eintritt Großbritanniens in den Irakkrieg Jahre später ändern.

Zurück zur Führung.

Wir gingen also durch das riesige Gebäude, und standen plötzlich mitten im Unterhaus. Jeder durfte mal an die Stelle treten, wo die Redner von Regierung und Opposition reden. Alle waren sehr beeindruckt, ich auch. Die grünen Bänke sahen genau so aus, wie man es aus dem Fernsehen kannte.

An viel mehr kann ich mich leider nicht erinnern. Es ist auch schon fast 25 Jahre her. Im selben Jahr fuhr ich mit einem Freund übrigens nach Berlin. Wir waren an dem Tag am Reichstag, als der Bundespräsident gewählt wurde.

Zwei Parlamente in einem Jahr, ein Jahr vorm Abitur – es war ein aufregendes und tolles Jahr.