18.1.22

Radio – My passion TEIL 3

1999 verbrachte ich drei Monate in England. Auch hier hörte ich viel Radio. Der Ort lag an der äußeren Themsemündung, und hier kriegte man fantastischerweise alle Londoner Privatradios wie Capital FM, Heart und Magic FM rein. Aber auch die örtlichen Sender wie Invicta FM waren gut.

Vor allem liebte ich das - aus dem Thanet stammende und heute nicht mehr existente - TLR FM mit DJs wie Johnny Lewis. Der, wie ich später aus dem Internet erfuhr, beim Piratensender Radio Caroline angefangen hatte. An sein „pop down the pub“-Quiz kann ich mich noch gut erinnern. Die Kassette mit der Aufzeichnung der „Brit Awards '99“ von BBC Radio 1 habe ich heute noch.

(Dass Radiofreaks wie ich in England „anoraks“ genannt werden, lernte ich auch hier.)

Als ich dann im Frühjahr aus England zurück kam, hatte ein Freund seine eigene Satellitenanlage aufgebaut. Ich dachte: „Das kannst du auch“. Fuhr in einen Baumarkt und kam mit Schüssel, Receiver und Mast zurück. Ich baute alles auf, und drehte so lange an dem Ding im Garten rum, bis ich Empfang hatte. Endlich! Endlich Auswahl in TV und Radio!

Radiomäßig konnte ich damit neben der BBC nun auch Sender wie Antenne Bayern oder NDR 2 dauerhaft hören. Doch das genügte mir nicht. Zu meinem 20. Geburtstag im Jahr 2000 kaufte ich mir einen Astra-Digitalradio-Receiver. Diesen schloss ich an die Satschüssel an und hatte damit auf einmal alle ARD-Programme, und nach Jahren auch wieder Sender wie hr3 und Hit Radio FFH.

17.1.22

Mein Corona-Tagebuch

Tag 6 in Quarantäne

8.45 Uhr: Leichte Kopfschmerzen nach dem Aufwachen. Sonst aber alles fit. Laut TV wieder neue Höchststände, was die Inzidenz betrifft. Wann hört Corona endlich auf? Wann wird die Welt diesen Mist besiegt haben?

11 Uhr: Versuche, jemanden zu finden, der doch noch für mich einkauft.

13.30 Uhr: Meine Vermieterin ruft an, sagt, ein Monteur sei da, der die Gartentür reparieren will. Sage ihr zwangsläufig, dass momentan keiner zu mir darf. Beide müssen wieder gehen.

15.30 Uhr: Anruf beim Hausarzt, ob er schon mehr vom Labor weiß. Geht keiner ran. Mist. Werde es nochmal in ein paar Stunden versuchen. Dafür habe ich jetzt wieder genug zu essen.

18.1.22, 2 Uhr: Kann nicht schlafen. Schreibe einen Blog-Beitrag für die kommenden Tage und Wochen, nach dem anderen. Freut euch auf das, was da noch kommt!



Radio – My passion TEIL 2

Als wir 1991 nach Hessen zogen, bekam ich eine Stereoanlage. Damit hörte ich meistens, wie meine Eltern, hr3. Samstags hr1, mit der Bundesligakonferenz. Aber auch mal Radio FFH und die angrenzenden Sender aus Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Auch WDR 2 konnte man, wenn auch nur schwach, im Kreis Offenbach hören. Ich zählte mal nach und kam auf um die 30 empfangbaren UKW-Stationen. Viel mehr als in Essen.

Meine Schwester hörte Sonntags „Max und Musik“, eine Kindersendung auf hr1. Ich erinnere mich dunkel, dienstags abends, nach dem Judo-Training, auch mal „Die Deutsche Schlagerparade“ auf Bayern 1 gehört zu haben, die mich an den „Pop-Report“ vom WDR erinnerte.

Was mich heute wundert: Dass ich den AFN damals nicht hörte. War mir wohl zu wild...

1993 ging es dann zurück nach Essen.

Meine Klassenkameraden hörten zumeist den Lokalfunk, den ich ziemlich gräßlich fand. Ich hörte lieber WDR 1 mit Sendungen wie „Eins Live“ (nach der der Nachfolgesender benannt wurde), „Hit Chips“ oder dem nachmittäglichen „Riff – Der Wellenbrecher“. Das war eine Wortsendung mit ernsten Themen, die um 15.05 Uhr begann, und für mich als Jugendlicher, der ich um die Zeit lieber Popmusik gehört hätte, ziemlich grausam war.

Samstags dann „Top Hits Deutschland“ mit Achim Preikschat, wo die Deutschen Charts allerdings nur hintereinander abgenudelt wurden. Was ich im Gegensatz zum „hr3-Hitclip“ in Hessen recht langweilig fand.

1994 war ich das erste Mal mit meinem Vater in Berlin. Ich hatte einen kleinen Radio-Walkman mit Analogskala dabei. Und was ich dabei auf die Ohren bekam, war geradezu eine Offenbarung: Fritz, Radio B Zwei, RTL,...die Masse an Sendern in Berlin überforderte und begeisterte mich zugleich.

1995 startete als Nachfolger von WDR 1 in NRW „Eins Live“. Ein Sender, den ich sehnsüchtig erwartet hatte, und der am Anfang für NRW-Verhältnisse ziemlich revolutionär war. Als Vorbild für Eins Live diente unter anderem „Fritz“ vom ORB aus Berlin/Brandenburg. Das wurde in einer der letzten „Riff“-Sendungen nachmittags so auch offen gesagt.

Doch im gleichen Jahr kaufte ich mir eine neue Stereoanlage mit Digitalanzeige und RDS und eine gute Antenne. Wochenlang drehte ich an dem Ding rum, bis ich den ganzen Äther abgehört hatte. Damit bekam ich SWF3 und die Niederländer rein. Von denen war Radio 3, heute 3FM, eine Offenbarung im Vergleich zu deutschen Stationen. Der Sender klang viel lauter, mit irren Jingles und DJs, und spielte einem Hit nach dem anderen. Das gab es zu der Zeit in NRW nicht.

Bei Überreichweiten gab's NDR 2, Antenne - Das Radio aus Niedersachsen und „Skyradio“ aus Holland. Auch mal „Hansawelle Bremen“. Alles Sender, die ich liebte.

16.1.22

NRW im Lauf der Jahre

Gerade sehe ich in „Berlin direkt“ einen Beitrag über die CSU und Markus Söder.

Das nehme ich mal als Anlass, über die politische Entwicklung „meines“ Heimat-Bundeslandes, NRW, zu schreiben.

Alles, so wie ich es aus dem Kopf weiß, und auch mal gelernt habe.


Von 1966 bis 1998 hatte NRW lediglich zwei Ministerpräsidenten:

Heinz Kühn (66-78) und Johannes Rau (78-98), beide SPD.

Also eine sehr, wie soll man sagen, stabile und konstante Entwicklung.

Besonders die 20-jährige Regierungszeit Raus hat das Land geprägt. Vor allem, was die politische Kultur angeht. Raus Motto war „Versöhnen statt spalten“, und das hat lange funktioniert. Auch die CDU-Ministerpräsidenten, die ihm folgten, vermieden eine harte Rhetorik.

Rau, der auch „Bruder Johannes“ genannt wurde, konnte die wirtschaftlichen Verwerfungen an der Ruhr lange durch Subventionen zudecken. An Rhein und Ruhr siedelten sich seit den 1960er, 1970er-Jahren neue Hochschulen an, die den Wegfall der klassischen Industriearbeitsplätze kompensieren sollten. Doch auch im Rest des Landes kam seine Art – ich will nicht sagen, Masche – an. So sicherte er seiner Partei mehr als10 Jahre absolute Mehrheiten.

1995 verlor die SPD die Mehrheit in NRW.

Ich erinnere mich an den Tag der Landtagswahl, weil ich genau an dem Tag Konfirmation feierte. Wir verfolgten die Wahl so nebenbei am Fernseher. Ich war gespannt, ob die rechte NRW-SPD sich nun mit den als sektiererisch geltenden Grünen zusammen raufen würde.

Sie tat es.

Konfliktherd war in den ersten Jahren vor allem der Braunkohletagebau im Rheinischen Revier.

Die neue Umweltministerin Höhn von den Grünen musste die Erweiterung genehmigen, setzte aber Umweltauflagen durch.

Später, im Studium, habe ich ein Buch des als „Beton-Sozis“ geltenden, langjährigen Düsseldorfer Fraktionschefs Friedhelm Farthmann gelesen. Darin schrieb er allen Ernstes, die Leute hätten das Wahlergebnis nicht gewollt. Sie hätten Rau seine absolute Mehrheit eigentlich behalten lassen wollen. So etwas kann man eigentlich nur Missachtung des Wählerwillens nennen. Aber Farthmann war nach 1995 nicht mehr im Amt.

Die rot-grüne Regierung hielt bis 2005, auch unter den Rau-Nachfolgern Clement und Steinbrück. Sie musste auch halten, um den Fortbestand der gleichfarbigen Bundesregierung von Gerhard Schröder zu garantieren. Mit der Wahlniederlage 2005 in NRW endete auch Schröders Rückhalt, was bekanntermaßen im Bund zu Neuwahlen führte.

Seit diesem Jahr, 2005, ist NRW ein „swing state“. Mal haben die einen, mal die anderen die Mehrheit.

Die Regierung Rüttgers (CDU/FDP) hielt fünf Jahre. Die folgende, wieder Rot-grüne unter Hannelore Kraft, immerhin sieben. Seit 2017 regiert wieder die Union mit den Liberalen, mittlerweile unter dem zweiten Regierungschef.

Wie die Wahlen im kommenden Frühjahr 2022 ausgehen, ist unklar. In Umfragen, die ich in den letzten Wochen gesehen habe, liegen beide große Parteien gleichauf.

Auffällig ist: Wie bereits zu Anfang geschrieben, hatte NRW bis 1998 in 32 Jahren nur zwei Regierungschefs. Seit 24 Jahren sind es nun schon deren sechs. Die stabilen Verhältnisse von einst sind Geschichte.

Das muss jedoch kein Nachteil sein. Regierungswechsel bringen einen „frischen Wind“, zumindest in der Theorie. Praktisch jedoch, so meine Beobachtung, macht es wenig Unterschied, welche Partei gerade regiert. Kontinuität ist in Deutschland ein hohes Gebot.

Vielleicht wäre etwas mehr politischer Diskurs manchmal besser? Entscheidet der Wähler. Im Mai.

Corona & Society

Höre gerade in den Nachrichten, dass die Inzidenz mittlerweile bei 516 komma irgendwas liegt.

Manche Eltern bedrohen Lehrer und laden vorgefertigte Anwaltsschreiben aus dem Netz runter, die sie dann an Lehrer ihrer Kinder verschicken.

Was ist bloß mit der Gesellschaft los? Das bringt mich zu grundsätzlichen Überlegungen:

Margaret Thatcher, britische Premierministerin von 1979 bis 1990, hat mal in einem Interview mit einer Frauenzeitschrift in ihrer Amtszeit gesagt, so etwas wie eine Gesellschaft gebe es gar nicht.

Es gebe nur Individuen.

Mehr als 30 Jahre nach dem Ende ihrer Amtszeit muss man konstatieren: Sie hat sich mit ihrer Ansicht durchgesetzt.

Den „Todesstoß“ für das Gemeinwesen, das schon vorher angeschlagen war, hat meiner Meinung das Internet mit seinen „sozialen Medien“ geliefert.

(Genau DAS Internet, in dem ihr auch gerade mein Blog lest).

Jeder liest nur noch das, was ihm passt. Andere Meinungen werden zunehmend egal.

Die berühmte „bubble“.

Früher gaben Kirchen, Gewerkschaften und Parteien für viele Menschen so etwas wie Heimat.
Das ist vorbei. Kollektive Organisationen verlieren an Mitgliedern.

Hoffentlich zerreißt Corona die Gesellschaften in Deutschland, Europa und der Welt nicht...das ist eine meiner größten Ängste.

Aber ich bin optimistisch, dass das Gute siegen wird. Und Corona wird verlieren.