16.6.22

Greetings to my readers

Hello world.

As I've seen that my blog has been clicked even by people from the English speaking world and other countries, I wanted to say "hello" to all my international readers.

My name is Stefan, I'm 41 years old, living in Essen, Germany. 

I started my blog in January 2022, as I had to stay in corona quarantine for one week. It had been my plan to start a blog long ago, but then I had time and thought I could give it a go.

I live in the state of Northrhine-Westphalia, where I was born in the city of Neuss in 1980. 
("NRW" is the largest of 16 states in Germany with around 18 million inhabitants, larger than Bavaria, and I already wrote an article about its prime ministers, if you haven't already read it.)

In 1985 I moved to my current home town. Well, Essen is not a town, it's actually a city of round about 600,000 inhabitants, located in the Ruhr area. Around 5 million people live in that area which is the greatest agglomeration in western Europe, I think. The Ruhr area, or Ruhr region, has therefore more inhabitants than our capital Berlin. It was, for centuries, dominated by industry, pits and steel factories, but now most of the industry is gone, and it's quite a nice spot to live.

I blog about politics, media, society and other stuff like my favourite songs, for example. Mostly seriously, sometimes satirically. 

I passed my "Abitur"(highest final school exam in Germany, comparable to the GCSE/A-levels in Britain, I think) in 2000. A year before, I spent three months in Britain and am very interested in British society and politics, as you've probably realised. But I also like to write about the EU and ECB issues, for example.

From 2001 on, I studied politics, sociology and modern history at the University of Duisburg-Essen, and at Goethe University Frankfurt am Main, finishing it in 2008 with a Magister's Degree. You probably won't know what a "Magister" is, it's the same as the old German "Diploma". 

These old degrees, in the meantime, have been replaced by the academic bachelor's and master's degrees that you probably know. (It was the so-called "Bologna process" of the European Union that decided in 1999 to introduce the anglosaxon degrees in the whole EU, replacing the old ones. We, as students, were always told that we were the last ones of the "old" generation.)

My hobbies. Well, I like reading, cooking, traveling and dealing with electronic media. Especially radio is my favourite object there, I used to be a DXer for years and worked for some radio stations and other media in Germany, as you can read in my blog.

If you have any questions, please leave a comment.
I look forward to hear from you, wherever you may come from.





15.6.22

Die 90er

Ich wollte meinen Blogeinträgen zum Thema Radio und Internet noch etwas hinzufügen.

Hatte ich vergessen.

Ich muss dazu vorweg sagen, mit Computern habe ich vor Internet-Zeiten nie viel am Hut gehabt. Ein Schulfreund hatte schon in den Achtzigern einen C64. Etwas später besaßen viele einen Game Boy.

Hatte ich alles nicht.

Allerdings habe ich das auch nicht vermisst. Ich hatte aber Mitschüler, die Computer besaßen und sich darüber unterhielten. Insbesondere über das Programm „Norton Commander“ und das „Jump'n Run“- Game „Sam and Max“. Da konnte ich nicht mitreden. Ich könnte beide Programme allerdings heute noch bedienen, wenn es sie noch gäbe. Nur wegen der Gespräche.

Aber zurück zum Thema.

Der WDR sendete die Radio-Nachtshow „ARD-Popnacht“ nicht. Das war aber eine meiner Lieblingssendungen.

Also saß ich Freitags nachts vor dem PC und hörte die Sendung online. Kabel und Satellit hatten wir nicht. Die Sendung kam aus Stuttgart. Hier konnte man Faxe mit Grüßen und Musikwünschen hinschicken.

Ein Fax hatte ich.

Und - die Moderatoren lasen meine Faxe regelmäßig vor. Was mich begeisterte und gleichzeitig traurig machte, weil niemand meiner Freunde das hören konnte.

Später war mir das peinlich. Wahrscheinlich haben sich die Moderatoren darüber kaputt gelacht, dass ein Teenie aus dem Ruhrpott nachts Faxe in den Südwesten versendet.

Vielleicht hat jemand Aufzeichnungen von der „ARD-Popnacht“ aus Stuttgart aus den Jahren 1997 und 1998 mit meinen Grüßen?

Ich würde das heute doch gerne noch einmal hören.

Die Songs meines Lebens: Roxette – The Look, 1988

Die Geschichte des raketenartigen Aufstiegs dieser Single und der Platte „Look Sharp“, auf der sie erschien, ist allgemein bekannt. Da war jener US-Student aus Minneapolis, der die Platte von einer Schwedenreise mit nach Hause nahm und sie der örtlichen Radiostation KDWB schickte.

Ja, und die Scheibe blieb erst liegen, dann wurde sie doch gespielt, und wenige Wochen später war sie Nummer Eins in Amerika. Allgemein bekannt.

Per Gessle wollte seine Gitarre auf „The Look“ so klingen lassen wie ZZ Top. Das ist ihm zwar hörbar misslungen, aber der Song wurde dennoch zum Hit. Unter anderem deshalb, weil solcher Rock-Pop-Sound in den USA damals gerade nicht en vogue war.

Gessle nannte in einem Interview das Beispiel Richard Marx, der mit seinem Schmuse-Softpop („Right here waiting“) Ende der 1980er in Amerika sehr viele Platten verkaufte (und heute vergessen ist).

Ich erinnere mich, dass ich glaubte, im Song „Dangerous“ auf "Look Sharp" das Wort „Hitler“ vernommen zu haben. Natürlich singen Marie und Per nicht „Hitler“, sondern „hit like [heat]“, und natürlich kam das auch in den diversen „Hitverhörern“ der deutschen Privatradios vor, die in den 00er-Jahren dort dauernd liefen.

Die Songs meines Lebens – Weiter geht's: Barry McGuire – Eve of destruction, 1965

Mitte der Neunzehn-Sechziger tobte der Vietnamkrieg. Die Jugend und die Studenten in der westlichen Welt begehrten auf gegen ihre Elterngeneration. In Deutschland kam die Dauerherrschaft der Nachkriegselite ins Wanken mit der Regierungsbeteiligung der SPD.

In den USA tobte vielerorts ein erbitterter Kampf zwischen Weißen und Schwarzen. Schwarze forderten ihre Rechte ein und protestierten, zumeist friedlich, gegen Gewalt und Misshandlungen. Die Kennedy-Administration hatte zuvor schon viele gesetzliche Benachteiligungen der schwarzen Bevölkerung abgeschafft. Doch viele Weiße, vor allem in den Südstaaten, wollten das nicht hinnehmen. Der Konflikt kulminierte unter Anderem im Mord an Martin Luther King.

Vor diesem Hintergrund schrieb ein gewisser P. F. Sloan dieses Antikriegs- und Anti-Gewaltlied, das von Barry McGuire interpretiert wurde. Es geht um die Vorfälle in „Selma, Alabama“ und den Hass in „Rotchina“.

McGuire singt: „you may leave here / for four days in space / but when you return / it's the same old place“.Womit er auf das damalige US-Raumfahrtprogramm und den geplanten Start zum Mond anspielt. (Die Lehre: Die Zukunft war das Weltall, doch auf der Erde herrschten teils noch Zustände wie im tiefsten Mittelalter.)

Der Song ist ähnlich verzweifelt und traurig wie „Behind blue eyes“ von The Who, aber hochpolitisch. McGuires Stimme klingt brüchig, fast heiser, als habe er den Song nach dem Konsum diverser Rauschmittel und Zigaretten mitten in der Nacht aufgenommen.

Angesichts der diversen Kriege und Krisen dieser Welt ist der Song so aktuell wie damals.

Man beachte die Kommentare unter ihm bei YouTube.


ERGÄNZUNG, 1.9.22: Es gibt Coverversionen der "Turtles" und der Band "The Pretty Things". Letztere stammt aus Ende der 1980er-Jahre. Klingt aber eher nach "kölschem Karneval" als nach Protest.

14.5.22

Neoklassik vs. Keynes – zwei Wirtschaftstheorien in der Betrachtung

Stimmt es, dass angehende Ökonomen heute nur noch die Neoklassik lernen, und andere Theorien einfach weggelassen werden?

Ich weiß es nicht genau, denn ich habe nicht Ökonomie studiert. Mit den Grundzügen beider Theorien bin ich aber vertraut.

Wenn man politikwissenschaftliche Maßstäbe auf beide Theorien anwenden würde, könnte man die Neoklassik als „rechts“ und Keynes als „links“ verorten. Aber so einfach ist es nicht.

Keynes selbst sah seine Theorie als eine Art Ergänzung, „Weiterdenkung“ zur Neoklassik. So muss man sein 1936 erschienenes Werk auch verstehen.

Mein Vater sagte mir einmal, in den 1970er-Jahren habe man fast ausschließlich Keynes als Grundlage im Ökonomie-Studium gelernt. Kein Wunder, denn das war die Hoch-Zeit der Theorie: Konjunkturprogramme, Nachfragestärkung, „deficit spending“, Ausbau des Sozialstaates etc.

Mit der Stagflation Ende der 1970er begann die Renaissance der Neoklassik – zu dem, was Sozialwissenschaftler als „neoliberal“ klassifizieren: Rückbau des Staates, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, Steuersenkungen, Deregulierungen etc.

Sinnbildlich dafür standen Thatcher und Reagan. Letzter hatte einen Vizepräsidenten, George H. W. Bush, der die „trickle-down-theory“ seines Chefs als „voodoo economics“ verspottete – und doch als Präsident diese Politik fortführte. 

In Deutschland war dieser Trend nicht so stark zu verspüren. Doch mit Maßnahmen wie BaföG-Kürzungen, Privatisierungen und Haushaltsdefizitbegrenzungen wurde auch hierzulande neoklassische Theorie angewendet.

Welche der beiden Theorien hat nun „recht“? Nun, das hängt immer von der Zeit ab, in der sie angewendet werden. Die Maßnahmen, die Gerhard Schröder Anfang der 2000-er Jahre den Deutschen verordnete („Agenda 2010“), lagen alle schon seit Jahren in den Schubladen von Wirtschaft und Politik. Sie wären auch viel früher herausgeholt worden, wenn nicht die deutsche Einheit dazwischen gekommen wäre.

(ERGÄNZUNG, 16.6.22: Ich habe den Text gestrafft und gekürzt)