10.9.22

Die Renaissance der Nachfragestärkung

Deutschland steht vor einem heißen Herbst und einem brütend heißen Winter.

Strom wird extrem teuer. Gas droht, zu verknappen. Viele drohen, abzurutschen.

Da muss die Regierung gegensteuern. Sie tut das mit einem Maßnahmenpaket, das bisher keiner so recht durchschaut, und das bisher keiner so recht versteht. Aber immerhin, das Problem wird gesehen.

Das war in den letzten Jahren und Jahrzehnten oft nicht so.

Erstaunlich ist, dass Arbeitnehmer und -geber bisher eher an einem Strang ziehen. Das ist in Deutschland unüblich. Sonst gibt es unterschiedliche Auffassungen bei Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden über wirtschaftspolitische Maßnahmen.

Bereits das „9-Euro-Ticket“ im Sommer war eine klassische Maßnahme zur Nachfragestärkung. Die Leute sollten durch finanzielle Anreize dazu gebracht werden, das Auto stehen zu lassen.  Aus wirtschaftlichen und klimapolitischen Überlegungen heraus. Auch Menschen, die sonst nicht in der Lage gewesen wären, den ÖPNV zu nutzen, hat das geholfen. SPD und Grüne hatten das Ticket durchgedrückt. Die FDP war naturgemäß eher dagegen. Aber sie koalieren, und ein Folgeticket ist schon in Planung.

Auch die geplanten Energiezahlungen des Staates an Alleinstehende wie Familien sind im Prinzip ein Faktor der Nachfragebelebung. Auch, wenn sie eigentlich eine Notlage verhindern sollen. Auch, wenn noch nicht klar ist, ob sie nur an Geringverdiener und Bedürftige gehen sollen, oder auch an die Mittelschicht.

Unter Gerhard Schröder wurden die Steuern gesenkt und die Sozialleistungen eingeschränkt. Merkel hat dann nicht mehr viel verändert, weil die Konjunktur gut lief, und hat nur noch Einzelmaßnahmen beschlossen.

Seit Anfang des Jahres 2022 haben wir eine völlig neue Situation.

Dagegen erscheint der Streit zwischen Regierung und Opposition um den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken fast klein. Wir hatten mal 17 Atommeiler. Jetzt sind es noch drei. Ob das die erhoffte Energiesicherheit bringt, wenn man diese verbliebenen länger laufen lässt, das ist zu bezweifeln. Aber das ist nicht der Punkt.

Die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik muss in dieser Situation wieder aus dem Hut gezaubert werden. Hoffentlich schaffen die Deutschen, schaffen die Europäer und die westliche Welt es, diese bevorstehende Krise zu überwinden.

„TV Europe, Teil 5“: Das TV der Niederländer

Einen hab‘ ich noch. Unsere Nachbarn.

Es gibt drei öffentlich-rechtliche Sender. NPO („Nederlandse Publieke Omroep“) 1, 2 und 3.

Die Sender hießen auch mal einfach „Nederland 1“, „Nederland 2“ und "Nederland 3“.

Als DXer freute ich mich früher immer auf heiße Sommernächte und eisige Wintertage. Denn dann gab es Überreichweiten, und man konnte sie empfangen. Das Bild der Holländer war damals, zu Analogzeiten, schärfer und brillanter als das der deutschen Sender. Im Kabel waren alle drei Sender vertreten. Heute gibt es dort nur noch das 2. Programm.

Die Struktur der Sender ist, wie das Land, säulenartig. Es gibt KRO-NCRV (christlich), VPRO (progressiv), AVROTROS, BNNVARA (Unterhaltung), MAX (für Ältere), und so weiter. Das gilt für TV, wie fürs Radio.

Die Radiosender der Niederländer gingen immer, wie ich bereits schrieb. Vormittags, wenn mal keine Schule war, hörte ich „Arbeidsvitaminen“ auf 3FM. Die spielten Songs, die im deutschen Radio damals nicht (mehr) liefen. Nena, beispielsweise, war in den Neunzigern bei uns zwischenzeitig total abgemeldet – 3FM spielte die 80er-Klassiker „99 Luftballons“ und „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“. Die privaten Radiostationen basieren zum Teil immer noch auf den legendären Piratensendern der 1960-er und 1970er-Jahre. „Radio 538“ und „Radio Veronica“ stammen etwa vom damaligen Veronica-Spruch (heute würde man "Claim" sagen) „538 op volle kracht – Radio Veronica!“. „Skyradio“ gehörte tatsächlich mal zu Murdochs „Sky“.

Zurück zum TV.

Im Kabel und mittlerweile auch über Antenne (!) gibt es in Holland BBC One und BBC Two. ARD und ZDF sind ebenfalls überall im Kabel. RTL Nederland hat die Ableger RTL4, RTL5, RTL7 und RTL8. „Dazwischen“ sendet SBS6 („Scandinavian Broadcasting System“), das aber mittlerweile, glaube ich, nicht mehr Schibsted aus Schweden gehört. Natürlich zudem die üblichen US-Ableger wie Discovery Channel und MTV.

Zeitungsmäßig erscheinen alle großen Blätter, wie ich mal irgendwo las, in einer Art großen Art Einheitsverlag. So groß ist das Land nicht, aber es gibt das „NRC Handelsblad“ (wirtschaftsliberal), „Trouw“ (links), „De Volkskrant“ (links), „De Telegraaf“ (Boulevard), „Het Parool“ (stammt, glaub‘, noch aus Kriegszeiten), und wenn ich eins vergessen habe, mailt mir. Ganze Menge.

"TV Europe, Teil 4": Das TV der Franzosen

Und jetzt gehen wir nach Frankreich. Das habe ich aber nicht alles aus der "Süddeutschen"...;-).

Ich möchte nicht zu weit ins Politikwissenschaftliche abgleiten, aber ähnlich wie in Italien 1992 nach dem Korruptionsskandal "tangentopoli" ist auch die Parteienlandschaft in Frankreich - wenn auch später als dort - förmlich implodiert. Die klassischen Parteien, Konservative und Sozialisten, spielen praktisch keine Rolle mehr. Doch auch vorher hatte sich die Parteienlandschaft mehrfach umstrukturiert.

Zurück zu den Medien.

Das öffentlich-rechtliche "France Télévisions" sendet die landesweiten "France 2" und "France 3". Das Dritte wird regionalisiert. Kann man über Satellit sehr schön erkennen. Daneben gibt es noch Ableger wie "France 5" und natürlich "arte". Präsident Macron will die Rundfunkgebühren übrigens abschaffen. Deshalb sendeten die Öffentlichen neulich aus Protest nur ein Notprogramm.

Das erste Programm "TF1" war mal öffentlich-rechtlich, heute kommerziell. 1987 wurde es unter einer konservativen Regierung privatisiert. 

Das war eine Reaktion auf die Einführung kommerziellen Rundfunks unter dem Sozialisten Francois Mitterrand Anfang der 1980er. Der ließ neben TV-Sendern auch Radiostationen wie "NRJ" ("Nouvelle Radio Jeunesse") zu, die ihm politisch nahe standen. "NRJ" gibt es unter dem Namen "Energy" bekanntermaßen auch bei uns. Die großen Radiostationen sind in Ketten zusammen gefasst und senden landesweit.

Neben der bekannten Sportzeitung "L'Équipe" sind es die großen Zeitungen "Le Monde" (liberal) und "Le Figaro" (konservativ), die linke "Libération" sowie das Klatschblatt "Paris Match", welche hauptsächlich gelesen werden.

(NACHTRAG, 23.9.22: Ich habe den Privatsender "M6", sowie den Pay-TV-Sender "Canal+" vergessen. Dessen Nachrichten-Ableger "CNews" steht politisch weit rechts, dort moderiert u. a. Éric Zemmour. Der ist bekanntlich bei den letzten französischen Präsidentschaftswahlen angetreten, allerdings schon in der ersten Runde gescheitert.

Übrigens: Die Bezeichnungen "rechts" für Konservative und "links" für Progressive stammen aus der französischen Nationalversammlung, weil dort früher die Sitzordnung der jeweiligen politischen Kräfte so war.).

 

"TV Europe, Teil 3": Das TV der Italiener

Jetzt bin ich gerade so schön dabei...da schreibe ich noch über Italien.

Die öffentlich-rechtliche "RAI" hat drei Programme. RAI Uno, Due und Tre. Das erste Programm war - im alten Parteiensystem - christdemokratisch kontrolliert, das zweite sozialdemokratisch, das dritte kommunistisch.

Stand so in den 1990ern in der "Süddeutschen". Um eine Quelle zu nennen.

Silvio Berlusconis "Mediaset" sendet landesweit ebenfalls drei Programme. Und hat damit fast ein Monopol: "Canale 5", "Rete 4" und "Italia 1". Er besitzt auch mehrere landesweite Radiosender wie "Radio 101".

Daneben gibt es "La 7" und unzählige lokale Programme. Was es natürlich auch gibt - wie bei uns und in anderen europäischen Ländern -, sind Ableger großer US-Sender wie etwa "MTV Italia". Als Pay-TV "Sky Italia", das mit der Serie "1994" übrigens Berlusconis Weg zur Macht mehr oder weniger satirisch nachzeichnete. Lief auch bei uns im Pay-TV. (ERGÄNZUNG: "Mediaset" ist mittlerweile auch bei "Pro7Sat1" eingestiegen.)

Seriöse Zeitungen sind etwa "La Repubblica" und "Corriere della Sera". Natürlich dazu noch die oft zitierten Sportzeitungen, die es bei uns nicht gibt ("La Gazzetta dello Sport", zum Beispiel).





"TV Europe, Teil 2": Das TV der Spanier

Ich schrieb ja im vorherigen Post, dass ich kürzlich in Spanien war. Nehme ich als Anlass, über die dortigen Medien zu schreiben.

Fangen wir mit der Presse an. 

Vorweg, Spanien war bis 1975 unter Franco faschistisch regiert. Danach wurde es eine Demokratie. 

Die beiden großen Zeitungen sind "El Mundo" (konservativ) und "El Pais" (linksliberal, Medienkonzern "Prisa", dem auch ein landesweiter Radiosender gehört).  Daneben die großen Sportzeitungen "Marca" und "AS", sowie regionale Zeitungen.

Das öffentliche Fernsehen ist RTVE mit seinen zwei Hauptprogrammen ("La Primera" und "La Segunda"). Soweit ich weiß, gibt es in Spanien keine Rundfunkgebühren. Daher wird viel Werbung gesendet. Wie ich einmal las, beginnt eigentlich - außer Nachrichten und Stierkampf - nichts pünktlich. RTVE war natürlich während der Diktatur staatlich gelenkt.

Die beiden großen Privatsender sind "Antena 3" (gehörte mal - oder immer noch? - einem deutschen Konzern) sowie "Tele Cinco". Das gehört zu "Mediaset Espana", also Silvio Berlusconi aus Italien. 

Fun Fact: Berlusconi hat in allen Ländern, in denen er einstieg, seine Sender "Tele 5" genannt. In Deutschland gehörte ihm mal "Tele 5", in Frankreich das - mittlerweile eingestellte - "La Cinq". Und in Italien heißt einer seiner drei Sender "Canale 5".

Bleiben wir bei Italien. Dazu in einem der nächsten Posts mehr.