16.1.22

Mein Corona-Tagebuch

Tag 5 in Quarantäne.

11 Uhr: Ich wache spät auf. Bin gestern aber auch erst gegen 3 Uhr eingeschlafen. 

Habe geträumt, ich säße im Biologieunterricht in der Oberstufe und hätte keinen Plan von gar nichts (war damals im Prinzip auch so, aber gut...). Dann träumte ich vom Religionsunterricht. Warum? Warum träumt man von Dingen, die mehr als 20 Jahre zurück liegen?


14 Uhr: Ich lese.

Was, wollt ihr wissen?

Ich lese „Deutungskämpfe – Der Streit um die deutsche Geschichte“ von Prof. Heinrich August Winkler (C. H. Beck Verlag München, 2021).

Prof. Winkler ist einer der renommiertesten deutschen Historiker, SPD-Mitglied - und polemisiert in diesem aktuellen Buch gegen Kollegen wie Christopher Clark. Den kennen wir als australischen Deutschland-Experten aus dem TV.

Clarks Buch „Die Schlafwandler“, so Winkler, exkulpiere Deutschland von der Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Auch gegen andere Zeitgeschichtler schreibt er geschliffen an.

Liest sich kurzweilig und ist meine Empfehlung für heute.


15.45 Uhr: Eintracht Frankfurt, mein Lieblingsclub, spielt in der Bundesliga. Ich checke, welcher Radiosender das Match überträgt...Offenbar keiner: WDR Event nicht, hr1 und hr-iNFO auch nicht. Ärgerlich.

Ergänzung: hr1 und das SPORTRADIO DEUTSCHLAND übertragen doch, zumindest in Ausschnitten.

18 Uhr: Vergeblich versuche ich, online Lebensmittel einzukaufen. Die großen Supermarktketten liefern nicht an meine Adresse. Und bei den üblichen Lieferdiensten klappt die Bezahlung nicht.
Wat nu?
Da heißt es wohl, "Schmalhans Küchenmeister" bis Dienstag Abend...

Bedingungsloses Grundeinkommen – Ja oder Nein?

Eines vorweg: Um mir ein endgültiges Urteil über das Bedingungslose Grundeinkommen bilden zu können, weiß ich darüber noch zu wenig.

Aber das, was ich darüber weiß, lässt mich eher dagegen sein.

Aus drei Gründen:


Der erste Grund liegt in der ökonomischen Theorie.

Die besagt: Wenn die Löhne steigen, steigen auch die Preise.

Wenn also alle, vom Tellerwäscher bis zum Millionär, im Monat vom Staat, sagen wir, 1000 Euro Grundeinkommen bekämen (und das ist ja nichts anderes als ein Lohn), dann würden die Preise entsprechend steigen. Und zwar so, dass am Ende der finanzielle Vorteil für alle dahin wäre.

Den zweiten Grund nannte mir einmal ein Mitarbeiter eines Pflegedienstes: Wenn alle ein Grundeinkommen erhielten, dann würden dringend benötigte, aber finanziell unattraktive Berufe (wie eben die Pflege) noch unattraktiver. Dann würde erst recht keiner mehr diese Jobs machen wollen.

Als Drittes finde ich die Argumentation des Kölner Armutsforschers Butterwegge einleuchtend:

Finanzielle Transfers vom Staat an alle Bürger mit der Gießkanne zu verteilen, ist nicht sinnvoll.

An der Spaltung von Arm und Reich würden sie nichts ändern.

Last, but not least, gibt es noch ein viertes Argument gegen die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens:

Um es zu finanzieren, müssten wohl die Steuern massiv erhöht werden.

Nicht nur für Einzelne, sondern auch für Unternehmen.

Und das ist in Deutschland „highly unpopular“ und kaum durchsetzbar.

Radio - My passion. Eine Serie in mehreren Teilen. TEIL 1

Da ich nicht schlafen kann, heute am Sonntag schon ab kurz nach Mitternacht Teil1:

Also...

Radio ist meine Leidenschaft. Seitdem ich Weihnachten 1989 mit 9 Jahren ein Gerät geschenkt bekam.

Damit hörte ich Samstags mittags, von 12.05 bis 15 Uhr, auf WDR 4 den „Pop-Report“, mit Günter Krenz und Lutz Göhnermeyer im Wechsel. Krenz war Berliner und tendierte zu ausführlichen Anmoderationen, die bisweilen länger waren als der Musiktitel, den er danach spielte.

Apropos Musik, im „Pop-Report“ lief fast ausschließlich deutschsprachige Musik. Wenn die deutsche Hitparade abgefrühstückt war, folgte Richard Schippers mit den niederländischen Hits. Dann Willy Kralik oder Rosemarie Isopp vom ORF aus Wien mit einem Bericht von den „Austro-Pop-Charts“. Die Wiener wurden immer anmoderiert von Schippers mit dem Satz „Von der Amstel an die Donau“. Viele Kassetten habe ich noch zu Hause.

WDR 2 hörten immer meine Eltern. Morgens das Morgenmagazin mit dem markanten Hahnenschrei als Intro. Danach folgte das „ZeitZeichen“, dessen Jingle mit dem markanten Piepen ich noch heute im Kopf habe. Ab 9.20 Uhr folgte „Daheim und Unterwegs“. Darin donnerstags die Livesendung „Hallo Ü-Wagen“ mit Carmen Thomas, die ich auch mal live erlebt habe. Diese Schiene konnte ich aber meist nur hören, wenn schulfrei war. Genauso das „Mittagsmagazin“ ab 12.05 Uhr, dessen Jingle ich gräßlich fand, weil er an einen schlechten Militärmarsch erinnerte.

Wenn ich aus der Schule kam, lief ab 14.45 Uhr „Quintessenz – Fakten für Verbraucher“. Mit einem Jingle eingeleitet, das an „All my loving“ von den Beatles angelehnt war. Das habe ich aber erst viel später durch das Internet erfahren. Dann folgte „Zwischen Rhein und Weser“ und meine Lieblingssendung „Treffpunkt Musik“ mit einem fantastischen, gesungenen Jingle.

Später am Tag habe ich dann kein Radio mehr gehört.

Dafür am Wochenende:

Samstags vormittags, bei der Fahrt zum Einkauf in die Stadt, kam „Freie Fahrt ins Wochenend“ mit Alfred Zerban und dem jungen Roger Handt. Ersterer moderierte über Autothemen wie dem „Fahrbericht“ mit der wöchentlichen Fahrt über die Buckelpiste und dem eiernden Jingle „Fahren Sie bitte vorsichtig! Immer!“ am Ende. Letzterer war für die Musik zuständig.

Wenn wir mit der Familie Sonntags zum Schwimmen fuhren, lief vormittags „Von A bis Z – Das Sonntagsmagazin“ mit viel Wort. Wenn wir dann vom Schwimmen zurück kamen, hieß die Sendung mittags „Pop Tops“ mit Adolf „Buddha“ Krämer oder Edith Jeske im Wechsel. Eine Sendung, die ich aufgrund ihrer Musikorientierung liebte. Später, wenn wir zum allwöchentlichen Ausflug fuhren, lief dann das Kulturmagazin „Budengasse“. Für mich als Kind unerträglich, wegen fünfminütiger Beiträge über Tanztheater in Bielefeld und Ähnlichem. Dann, ab 18.05 Uhr, folgten die „Blinklichter“, mit einem abgewandelten Verkehrsjingle als Intro.

Gelegentlich hörte ich noch auf WDR 1 die „Schlagerrallye“ mit Wolfgang Roth, die Samstags immer eine Stunde vor dem Ende des „Pop-Reports“ begann. Aber diese englische Musik verstand ich nicht, und war mir auch zu „wild“.

Worüber ich heute schmunzeln muss.


- TEIL 2 folgt morgen, am Montag - 

15.1.22

Ein paar Gedanken zur aktuellen Politik: Lindners Politik

Der neue Bundesfinanzminister Christian Lindner, FDP, setzt auf altbewährte Konzepte. Er will, coronabedingt, in diesem Jahr mehr ausgeben als geplant. Aber dann, ab 2023, soll die Schuldenbremse wieder eingehalten werden. Zugleich will er die Steuerzahler um 30 Milliarden Euro entlasten.


Ist das das richtige Konzept für die 20er-Jahre?


Nein, muss man konstatieren. Die Zinsen liegen derzeit bei Null Prozent. Zudem haben wir eine seit 1993 nicht mehr gekannte, gleichwohl noch moderate Inflation von etwa drei bis vier Prozent. (Kleiner Exkurs: Eine Inflation von über 30 Prozent wie in der Türkei derzeit, das wäre wirklich ein Problem). In dieser Situation, also einer Gleichzeitigkeit von Nullzinsen und, relativ gesehen, höherer Inflation, staatlicherseits auf Sparen zu setzen, ist so ziemlich das Dümmste, was man machen kann.

Jetzt wäre der Zeitpunkt, dass der Staat Geld in die Hand nimmt, um notwendige Investitionen in Wohnungsbau, Infrastruktur, Digitalisierung und Klimaschutz zu tätigen. Dass Lindner das nicht langfristig tut, zeigt, wie veraltet seine Konzepte sind. Sie basieren immer noch auf der neoklassischen Ideologie – muss man wohl so sagen: Deregulierung, Privatisierung, keine Schulden, Steuern und Sozialleistungen runter. Diese Ideen stammen aus der Zeit Thatchers und Reagans und haben sich seit der „Wende“ 1982 auch in der FDP festgesetzt. Leider rüttelt auch die Ampel scheinbar nicht grundsätzlich an dieser Politik.

Die EZB setzt auf Nullzinspolitik, im Gegensatz zur US-Fed, die - angesichts einer Inflation von 7 % in den USA - bereits entgegen steuert. Die EZB will auch das Staatsanleihenankaufprogramm nicht beenden. Es könnte schon sein, dass die EZB die Zinsen moderat erhöht, um Sparern in Deutschland entgegen zu kommen. Es könnte aber genauso gut sein, dass das nicht passiert. Auch das spricht gegen Lindners Ansatz.


Mein Corona-Tagebuch

 15.1.22, 10 Uhr: Ich wache auf. Fühle mich fit. Der Nebel von gestern draußen hat sich verzogen. Frühstücke. Ein langes Wochenende steht bevor.

16 Uhr. Ich schalte das Radio an, um die Bundesligakonferenz zu verfolgen. Irgendwie muss man die Zeit ja rumkriegen.

20.45 Uhr. Schaue die Schlagershow im Ersten. Würde ich wohl nicht machen, wenn ich nicht im Lockdown wäre. Was man nicht alles tut, wenn man nicht raus darf...

By the way: Radio is my passion! Ab morgen dazu eine mehrteilige Serie in diesem Blog.