Die Kriege in der Ukraine und in Gaza beherrschen momentan die Schlagzeilen. Auch US-Präsident Trumps tägliche Manöver dominieren die Medien bis an die Schmerzgrenze.
Also ist ist es die Zeit für Außen- und Sicherheitspolitiker in Europa. Doch nicht nur bei uns in Deutschland droht eine Regierungskrise. Die Innenpolitik in den europäischen Staaten könnte bald die Oberhand gewinnen.
Fangen wir mit "uns" an. Es stehen Reformen bei Renten, Bürgergeld und - möglicherweise - auch dem Gesundheitssystem an. Ein eventuelles AfD-Verbot steht auch im Raum. In all diesen Punkten haben Union und SPD fundamental unterschiedliche programmatische Vorstellungen.
Nach dem Krach um die an der Union gescheiterte Richterwahl und dem Wort "Bullshit" von SPD-Chefin Bas in Sachen Sozialstaat ist zu befürchten, dass es bald Ärger geben wird. Die Zufriedenheit mit der Regierung ist - mal wieder - auf einem Tiefstand.
Auch in Frankreich droht eine Regierungskrise. Das linke Bündnis unter Führung von "La France insoumise" (Unbeugsames Frankreich) und der rechte "Rassemblement National" werden mit dem zentristischen Premierminister Bayrou im Parlament voraussichtlich das tun, was sie auch schon mit seinem Vorgänger Michel Barnier getan haben: Ihn stürzen. Dann droht Frankreich als internationaler Stabilitätsanker auszufallen.
In Großbritannien bildet Premier Starmer gerade nach einem Ministerinnenrücktritt sein Kabinett um. Labour liegt in den Umfragen weit hinter dem rechten "Reform UK", der Stimmung gegen Migranten macht. Chef von "Reform UK" ist Nigel Farage, der das Land schon mit aus der EU geführt hat (privater Kommentar von mir: "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber").
In den Niederlanden regiert nur noch ein Rumpfkabinett, nachdem die rechte PVV von Wilders und der konservative NSC das Vier-Parteien-Bündnis verlassen haben. Ende Oktober gibt es Neuwahlen. Ob es dann wieder eine Regierungsbeteiligung von Wilders geben wird, ist offen. Immerhin hat seine Partei in Umfragen deutlich verloren.
Spanien ist eines der letzten EU-Länder mit sozialdemokratischem Regierungschef. Doch Ministerpräsident Sanchez steht unter starkem Druck der konservativen PP und der rechten Partei Vox. Kurzzeitig, vor etlichen Monaten, hatte sich der Premier aus der Öffentlichkeit zurück gezogen und einen Rücktritt erwogen. Doch er blieb. Ob die PSOE die nächsten Wahlen mit ihren Koalitionspartnern gewinnen wird, ist fraglich.
Polens liberal-konservativer Premier Tusk kann nach der Niederlage seines Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl nun nicht durchregieren. Der neue PiS-Präsident Nawrocki hat angekündigt, noch härter gegen Tusks Regierung vorzugehen. Damit droht auch Polen eine Hängepartie.
Fazit:
All diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass die innenpolitischen Krisen in den europäischen Staaten die Außenpolitik schon bald verdrängen könnten.