31.12.23

SATIRE: So werden Sie Kanzler oder Ministerpräsident

Wollen Sie Politiker, sogar Bundeskanzler oder Ministerpräsident werden? Dann müssen Sie bestimmte Voraussetzungen bezüglich Ihres Namens erfüllen.

Wenn Sie in der SPD sind, und Regierungschef werden wollen, muss Ihr Name mit einem „S“ beginnen. Siehe Schmidt, Schröder, Scholz. Gut, da gab’s ja auch mal Brandt, aber der war Nobelpreisträger und damit sakrosankt.

Das gleiche gilt, wer in Bayern MP werden will. Siehe Streibl, Stoiber, Söder. Gut, da gab’s ja auch mal Beckstein, aber der war nur kurze Zeit im Amt.

Außerdem ist es sinnvoll, über einen Namen zu verfügen, der zugleich eine Eigenschaft symbolisiert. Siehe Lammert, Kühnert, Dürr. Der Name ist gleich der Charaktereigenschaft und prägt damit das Image.

Also: Heißen Sie Schabelowski, Brudzynski, oder haben einen ähnlich schwer aussprechlichen Namen, können Sie eine politische Karriere in Deutschland vergessen.

Ich heiße wie eine Kleinstadt in Schleswig-Holstein. Ist das eine Voraussetzung, um etwas in der Politik zu werden? Ich vermute, nein.

SATIRE-ENDE

27.12.23

SATIRE zwischen den Jahren: Lokalzeit Castrop-Rauxel-Bladenhorst

Moderazion:

Ja, heazlich willkommen zua Lokaalzait Castrop-Rauxel-Bladenhorst.

Häute is ma wieda nix passiert.

Unsere Themen:

- Schule: warum die faulen Lehra und Schüla in unsere Region nichma in den Ferien zua Schule kommen

- Geld: warum dat Christkind die Taschen von unsere Statt auch nich’ voll gemacht hat

- Zukunft: warum imma weniga Menschen unta Tage abbeiten wolln

Unsa erstet Thema.

Getz sin ja angeblich Fehrien. Abba dat geht ja nich, dattie Lehra un Schüla zuhause sin. Hamwa nich Fachkräftemangel un Bildungsnotstand? Hamwa doch, oda nich? Also hat sich unsere Repochterin, die Trine, mal’n Kameramann geschnappt un is mitti Tonmann zu ne Schule gegangen un hatta ma geguckt, ob se wiaklich alle nich kommen.

Bericht.

So, getz is halb neun Uhr morgens, un keena is da. Wia stehn hier vor de Albert-Österreicher-Schule, oda so ähnlich, un waaten schon sait geraume Zait. Abba keena kommt. Ich fraach da ma de Leute, die hier vorbei kommn tun.

- Ja, guten Tach, hammse mal me Minuhte?

- Ja, watt wolln se denn?

- Ja, hamm se vielleicht Kinda?

- Ja, habbich.

- Ja, wo sinnti denn?

- Ja, wo solln se sein? Zuhause un' am pennen.

- Ja, warum datten? Is doch Fachkräftemangel und Bildungsnohtstand.

- Ja, unn?

- Ja, tschüs.

So, datt warn mal paar Stimmen vonne Straße. Getz is et schon zehn Uhr, und keena kommt. Skandal. Tschüs.

Moderazion:

Ja, danke, Trine. So wat geht echt nich. Unsa nächstet Thema. Unsre Statt hat 50 Millonen Mark Schulden. Noch n Skandal. Da hattenwa vonne Lokaalzeit Castrop eigentlich gedacht, dattat Christkind bisken Geld inne Kasse bringt. Un wat war? Wir hamma bei de Kämmerer gefraacht.

Interview:

- Ja, Tach, Herr Kämmerer. Wieviel Geld hattat Christkind getz eigentlich gebracht?

- Wie gebracht? Wat meinense?

- Ja, dat Christkind, hattat de Kassen voll gemacht?

- Wie vollgemacht? Mein Sohn hattie Windeln voll, wenn se dat meinen.

- Ja, ne, datt mein ich nich. Et war doch Weihnachten. Wat hattat uns allen denn gebracht?

- Wie, uns? Datt Christkind hat nix gebracht. Ich glaub woll, dattie Hundesteuer wohl n bisken mehr gebracht hat als wie letztet Jahr.

- Ja, ne, danke.

Moderazion:

So, getz gehma unta Tage. Da is auch keena mehr, wa? Wir hamma geguckt.

Bericht:

Unsa Team vonne Lokalzeit is die ganzen Tage, von Düsburch na Dohrtmund, gefaahn un hat nix gefunden. Keene Berchleute, keene Kohle, keene Zeche, die wo offen war. Datt sah bei unsere letzte Bericht voa paar Jaaren noch anders aus. Na ja, paa Jahre is gut, is schon vieazig Jahre her. Kann auch fümfzig sein, Kerl, ich weiß dat nich mehr.

Abba wia ham doch Fachkräftemangel, un da wär et doch ne gute Idee, dat so paar Leute ma widda unter Tage fahn tun. Dat württoch de Quote senken. Tschüs un guten Rutsch.

Moderazion:

Ja, datt war unsa Rita mitti Bericht von unta Tage, wo keena war.

Un getz dat Wetter.

Fällt aus. Guckt halt aus’m Fensta.

Bis morgen, bei de Lokalzeit Castrop-Rauxel-Bladenhorst.

SATIRE-ENDE

24.12.23

Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Es muss irgendwann zwischen 2004 und 2007 gewesen sein. In irgendeiner Nacht. So gegen Mitternacht.

Ich lag im Bett, in meinem kleinen Studentenzimmer, und konnte – mal wieder – nicht schlafen.

Also stand ich auf, machte das Licht an, und setzte mich an den Schreibtisch. Und schaltete das Radio an.

Die Nachrichten liefen. Dann begann das Nachtprogramm. Der Radiomann meldete sich, wie üblich, mit den Verkehrsdurchsagen.

Irgendwie kam mir diese Stimme bekannt vor. Irgendwoher hatte ich sie schon einmal gehört.

Dann das Jingle fürs Nachtprogramm. Der Moderator begrüßte seine Hörer und nannte seinen Namen.

Ich fiel fast vom Stuhl.

Es war M. Mein alter Schulfreund. Er moderierte das Nachtprogramm. Deutschlandweit.

Ich nahm meine Kopfhörer, und vergaß, vor lauter Aufregung, eine Kassette zum Mitschneiden einzulegen.

Stundenlang hörte ich ihm zu. Ein Titel, eine Moderation, zwei Titel, Zeitansage, noch zwei Titel, Nachrichten, Wetter, Verkehr.

Statt mitzuschneiden, kramte ich die alten Kassetten hervor, die wir beide als Kinder zusammen aufgenommen hatten. Hörte sie noch einmal.

Ich erkannte seine Stimme wieder, aber damals waren wir gerade im Stimmbruch gewesen. 

Mehr als zehn Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Jetzt hörte ich ihn wieder.

Dann nannte M. eine Telefonnummer, bei der die Hörer Grüße und Wünsche loswerden konnten

Sollte ich anrufen? Ich wagte es nicht.

Wie Menschen sich entwickeln können, dachte ich mir. Ich sitze hier also in meiner kleinen Bude, und, weit entfernt, sitzt mein alter Schulfreund in einem Studio, spricht in ein Mikro, und ich höre ihm zu.

Bis morgens um fünf Uhr lauschte ich ihm andächtig. Kurz vor fünf verabschiedete er sich.

Wenn er gewusst hätte, dass ich, viele hundert Kilometer entfernt, unter seinen Hörern war….er hätte sich bestimmt gefreut.


The magic of radio


The magic of the night


The magic of loneliness


The magic of Christmas


Merry Christmas


20.12.23

Zu Weihnachten: Die Songs meines Lebens (Fortsetzung) – Huey Lewis and the News – Walking on a thin line (1983)

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Song mit seinem markanten Bass-Intro gehört habe.

Geschrieben von „Pessis/Wells“, geht es darin um einen desillusionierten und verarmten Vietnam-Veteranen („Walking on a thin line / Straight off the front line / labeled as freaks / loose on the streets of the city“). Ähnlich wie das etwas später erschienene „Born in the USA“ von Bruce Springsteen.

Das Lyrische Ich appelliert verzweifelt an die Frau nebenan, ihn wahrzunehmen („Don’t you know me / I’m the boy next door / The one you find so easy to ignore.../“) und fragt sich, ob es wert war, angesichts so viel Ignoranz zu kämpfen („...is it that what I was fighting for?“).

Die Nummer erschien auf dem erfolgreichsten Album „Sports“ der „News“. Viele ihrer Hits schrieben ihnen damals Nicky Chinn und Mike Chapman („Chinnichap“, wie etwa „Heart and Soul“). Diese hatten mit ihrem Songwriting bereits in den 1970ern Bands wie die Glam-Rocker „The Sweet“ zu Stars gemacht.

Meine Lieblingsnummer von „Huey Lewis and the News“ ist jedoch der 1991er-Hit „Hit me like a hammer“. Das war die Zeit, in der auch der Erfolg der Band abebbte. Bis sie nur noch auf Oldiestationen gespielt wurden – dort meist leider nur „The power of love“, weil der durch den Film „Back to the future“ bekannt wurde. 1994 folgte dann noch das Cover „Some kind of wonderful“, und 2002 eine weitere CD.

Doch Frontmann Huey Lewis leidet inzwischen unter massiver Taubheit, wie ich einmal in einem Beitrag eines US-TV-Senders auf YouTube sah. Daher wird man die Band wohl leider nicht mehr sehen.

Die 80er sind lange vorbei.

18.12.23

DIE LINKE und Sahra Wagenknecht

Dass DIE LINKE bei den letzten Bundestagswahlen aus dem Parlament flog, und nur durch drei Direktmandate eine Fraktion bilden konnte, wunderte mich nicht. Auch, dass Sahra Wagenknecht nun eine eigene Partei gegründet hat, ist nicht erstaunlich.

Die LINKSPARTEI hat sich seit Jahren, anstatt mit den drängenden Fragen unserer Zeit, weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Hat endlose, quälende Grundsatzdebatten geführt. Das verstand draußen im Land keiner.

Dass Wagenknecht es nun selbst mit ihrem Bündnis versuchen will, finde ich weder falsch, noch richtig; weder gut, noch schlecht. Sondern konsequent.

Auch mehr als dreißig Jahre nach der Wende hat ihre alte Partei es nicht vermocht, bundesweit Fuß zu fassen. Sie regiert zwar etwa in Bremen mit, und stellt den MP in Thüringen. Aber da gilt eher der alte Satz „Ausnahmen bestätigen die Regel“.

Als Schröder seine „Agenda 2010“ vorstellte, vor 20 Jahren, da hatte die PDS-WASG ihr Thema gefunden. Mit dem Kampf gegen die Sozialreformen definierte sie sich, und gründete sich die LINKSPARTEI. Doch der Protest flaute irgendwann ab. Bald waren andere Themen wichtiger.

Und DIE LINKE verlor ihre Kernkompetenz als „Partei der sozialen Empörung“. Erging sich stattdessen in Selbstzerfleischung.

Es ist fraglich, ob sie jemals wieder als Fraktion in den Bundestag einziehen wird.

17.12.23

In Anlehnung an meinen letzten Post

Don't believe anything at once that you see on YouTubeXTikTokFacebookInstagram and so on!

AI and Fakers might try to influence you.

Read newspapers, watch traditional news reports, listen to traditional radio (although they often tell nonsense there, too).

Watch the sources you inform yourself from. Be critical! Don't believe everything you see or hear.

There are dangerous people out there.

 

14.12.23

Wie ich mir den Beruf meines Vaters vorstellte

Mein Vater ist Ende der 1970er-Jahre in seinen Beruf als Journalist eingestiegen. Gelegentlich zeigte mir meine Mutter stolz seine Artikel. Ich war zu klein, um damit etwas anfangen zu können. Und Wirtschaft interessierte mich sowieso nicht.

Manchmal sagte mein Vater Sonntags: „Jetzt fahren wir in mein Büro. Um etwas aufzuräumen.“

Ich freute mich jedes Mal, wenn er das sagte, weil ich „das Büro“ spannend fand.

Wir liefen am Pförtner im Redaktionshaus vorbei, durch die leeren Gänge, bis in sein kleines Büro.

Ich fand es tierisch aufregend.

Später war ich dann auch mal Sonntags mit ihm im Frankfurter Büro. Und als er wieder in Düsseldorf arbeitete, nahm er mir manchmal im Büro-Videorecorder Sendungen aus Kabelsendern auf. Wie ich schon einmal schrieb, hatten wir daheim nur Antennenfernsehen. Die Auswahl dort war mit sechs, jahrelang fünf, Programmen alles Andere als üppig.

Heute könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, mit weniger als 100 TV-Programmen, und ohne Mediatheken und Streamingdienste, zu leben. Aber damals war es schon etwas Besonderes, mal etwas auf RTL2 oder ProSieben sehen zu können.

Jedenfalls – ich wählte in der Schule die Fächer, in denen man viel schreiben musste. Deutsch, Englisch, Geschichte, Erdkunde, Sozialwissenschaften. Solche Fächer eben. Dass das später an der Uni dann klassische „Laberfächer“ sein würden, wusste ich damals noch nicht. Mit Mathe und Naturwissenschaften hatte ich es nicht so, auch in Sport war ich ziemlich schlecht. Und – seltsamerweise – war meine Religionsnote in den letzten Schuljahren auch nicht die Beste. Was wohl daran lag, dass in jeder Stunde bei uns leidenschaftlich und ausgiebig diskutiert wurde. Wofür ich damals noch zu schüchtern war.

Als ich meine ersten Radiopraktika machte, war meine Haltung „Geil, ich bin beim Radio“. Dass man dort in der Regel nur Durchlauferhitzer, Redaktionsfutter und kostenlose Arbeitskraft ist, war mir noch nicht bewusst.

Um auf die Überschrift zurück zu kommen: Ich sehe meinen Vater heute mit etwas anderen Augen, weil ich heute vieles weiß, was ich als Teenager noch nicht wusste.

Aber meine Haltung hat sich nicht geändert: Wir brauchen unabhängige, kritische und wachsame öffentlich-rechtliche und private Medien.

Die können FacebookTikTokXInstagram und co. nicht ersetzen.

ERGÄNZUNG: Und auch keine KI.

30.11.23

Childhood Memories: Als wir Privatfernsehen kriegten

Im Frühjahr 1988 – da war ich sieben Jahre alt – kündigten die Zeitungen bei uns in NRW eine Revolution an.

Es sollte bald mehr TV-Sender geben. Diejenigen, die bereits verkabelt waren, kannten das schon länger. Aber wir hatten, wie die meisten Deutschen damals, nur Antennenfernsehen.

Ich war mit meiner Mutter und meiner Schwester auf Besuch bei meiner Oma in Norddeutschland. Und konnte es gar nicht erwarten, wieder daheim zu sein. Denn dann würden, so war es angekündigt worden, RTLplus und SAT.1 bei uns empfangbar sein.

Zu Hause angekommen, warnte mich mein Vater gleich vor, nicht enttäuscht zu sein. Ich eilte zu unserem, bereits damals antiquierten, Fernseher und schaltete gespannt ein.

Und was musste ich sehen?

SAT.1 war bei uns nur schwach und völlig verrauscht zu sehen. Dabei lief hier „Raumschiff Enterprise“, eine meiner Lieblingsserien (später entdeckte ich dann noch „Ein Duke kommt selten allein“, was mir auch sehr gefiel).

RTLplus war zwar klar zu empfangen. Doch dort lief ein Heimatfilm mit Roy Black.

Nichts für einen Siebenjährigen.

Ich war enttäuscht.

Erst später lernte ich die neue TV-Vielfalt zu genießen. Wir hatten eine „Kinderfrau“, die nach der Grundschule auf uns aufpasste. Diese ließ uns, solange meine Mutter nicht zu Hause war, Fernsehen.

Aber nur heimlich.

Sie ermahnte uns, es auch nicht unserer Mutter zu erzählen. Sobald sich die Tür öffnete, schaltete ich schnell aus. Meist merkte es meine Mutter doch. Denn die Röhrenfernseher – für die Jüngeren: Googlen! - wurden im Betrieb schnell warm bis heiß. Und das verriet meinen illegalen TV-Konsum.

Das schlechte Gewissen verfolgte mich, bis ich volljährig war.

Als ich dann, mit 18, endlich MTV hatte, glotzte ich ein Jahr lang erst mal nur Musikvideos.

Ich hatte schließlich `was nachzuholen…;-) 

29.11.23

Deutsche Bahn: Warum der Vorstoß des Bundeskartellamts sinnvoll ist

Die Deutschen sind unzufrieden mit der Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Sauberkeit der DB. Auch die Zahlen geben das wieder: Weniger als 60 Prozent der ICE- und IC-Züge haben im Oktober ihr Ziel im Zeitrahmen erreicht (laut manager-magazin.de).

Im Januar dieses Jahres waren es immerhin noch über 70 Prozent.

Ich fahre gerne mit der Bahn und ihren Mitbewerbern. Allerdings sind beide meist überfüllt und unpünktlich. Neulich wollte ich von Düsseldorf nach Köln kommen. Es gelang mir erst, nachdem ich einen voll besetzten Rhein-Ruhr-Express (der übrigens von einem Bahn-Mitbewerber betrieben wird!) wieder verlassen musste, und auch der nächste Zug auf sich warten ließ.

Spaß und Entspannung bietet Bahnfahren in Deutschland oft nicht. Aber es ist klimapolitisch sinnvoll und erwünscht.

Deshalb muss sich etwas ändern. Das Kartellamt hat hierzu Vorschläge gemacht.

Das Schienennetz soll der DB weggenommen, und in eine eigene, „gemeinwohlorientierte“ Gesellschaft ausgegliedert werden. Das soll für besseren Service, und mehr Wettbewerb, auf der Schiene sorgen. Damit auch irgendwann, nicht erst 2050 oder noch später, der „DeutschlandTakt“ kommen kann.

Den Weg einer vollständigen Privatisierung, Deregulierung und Zerschlagung des Schienenverkehrs wie im Mutterland der Eisenbahn, Großbritannien, wird man hierzulande nicht gehen. Denn den bereut man dort inzwischen. Ich vermute, auch die Bahnprivatisierung seit 1994 würde man heute in der Form nicht mehr machen. Aber das ist vergossene Milch.

Wie auch immer - der DB und dem deutschen Staat werden diese Vorschläge nicht schmecken.

Aber der Plan des Bundeskartellamts ist besser, als alles so zu lassen, wie es derzeit ist.


(ERGÄNZUNG, 9.12.2023: Diese Woche sah ich im SWR eine Diskussion zum Zustand der Bahn. Darin sagte der Autor Arno Luik etwas Bemerkenswertes: Die DB habe 35 Milliarden Euro Schulden angehäuft und sei „praktisch bankrott“.

Wie soll mit so einer Bahn die Verkehrswende gelingen?

Ein anderer Gast kritisierte die von mir oben so gelobte Ausgliederung des Bahnnetzes. 

Der Bahnbeauftragte von der FDP dagegen lobte die geplanten Reformen.

Ein Konsens ist in Deutschland auch in Sachen Bahn und Klima nicht zu erkennen.

Eigentlich traurig.

ERGÄNZUNG, 22.12.2023: Die Franzosen, Belgier, Österreicher oder Schweizer - also unsere Nachbarn - kämen niemals auf die Idee, ihre Bahn zu privatisieren...denkt euch euren Teil.

ERGÄNZUNG: 7.2.24: Noch ein paar Gedanken zur Bahnreform: 

Wenn man wirklich funktionierenden Wettbewerb auf der Schiene will, dann muss man wohl tatsächlich den Weg Großbritanniens gehen - und die DB zerschlagen. 

Da das aber kein Politiker will - zumal die DB mehrheitlich in Staatsbesitz ist -, reicht wohl auch das Outsourcing des Schienennetzes in eine "gemeinwohlorientierte" Gesellschaft nicht aus, um echten Wettbewerb zu erschaffen.) 


25.11.23

Warum wir uns den Diskurs nicht von den Rechten aufdrängen lassen sollten

Seien wir ehrlich: In der Debatte rund um „irreguläre Migration“ geht es nicht um Geld.

Für den Bundeshaushalt ist es relativ irrelevant, ob Flüchtlinge nach 18 oder erst nach 36 Monaten Leistungen vom Staat erhalten.

Der einzige Grund, warum dieses Thema momentan Politik beherrscht, ist die Angst vor der Stärke der AfD. Da deren Balken im „DeutschlandTrend“ und „Politbarometer“ immer weiter anwächst, bekommen die etablierten Politiker Muffensausen.

Was, wenn die AfD so stark wird, dass man sie – ähnlich wie die PVV in den Niederlanden – bei der Regierungsbildung nicht mehr ignorieren kann? Das wäre für Deutschland, angesichts seiner Geschichte, eine Katastrophe.

Natürlich sind es momentan nur Umfragen. Und jede neue Entwicklung, jede neue Sau, die durchs politische Dorf wandert, kann die Stimmung wieder umschwenken lassen. Das Wahlverhalten der Menschen ist schließlich so volatil geworden, dass auch Umfragen mittlerweile weit von tatsächlichen Wahlergebnissen abweichen können.

Überlassen wir den Rechten nicht das „agenda setting“. Lassen wir uns über die wirklich wichtigen Dinge diskutieren.

Davon gibt es schließlich mehr als genug. 

24.11.23

Who’s to blame, oder: Wer ist schuld an der Misere?

Die Regierung steckt in einer Krise. Deutschland steckt in einer Krise. Und, vielleicht am Schlimmsten: Die Fußball-Nationalmannschaft der Männer steckt auch in einer Krise.

Diese Woche sagte mir jemand, momentan „drehen alle am Rad“, wie man hier im Westen so schön sagt. Anders formuliert: Die Menschen gehen auf dem Zahnfleisch.

Was die Menschen umtreibt, habe ich ja an anderer Stelle hier schon beschrieben. Neu an dieser Krise ist das ausgeprägte „Scapegoating“: Man sucht einen Sündenbock für das eigene Leid.

Seien es Juden, Muslime, die „gelblackierten Rotökologen“ in Berlin, oder die verhassten EU-Zentralisten in Brüssel – einer muss ja schuld sein.

Das Heil sehen viele Leute in Deutschland und der EU mittlerweile im Wählen rechter Parteien. Obwohl die außer „Migranten raus“, „Steuern runter“, „raus aus der EU“ und „linksgrünversifftes berlinisches Pack“ nichts Nennenswertes zu sagen haben.

Der Gesellschaftsvertrag, so scheint es mir, muss neu definiert werden. Ein neuer Zusammenhalt muss her. Wo und wie der kommen kann, vermag ich nicht zu sagen.

Aber so, wie es jetzt ist, kann und darf es wohl nicht weitergehen. Hoffentlich wacht bald auch mal der Kanzler auf. 

22.11.23

„Gut“ und „Böse“, „Schwarz“ und „Weiß“ – Wie Medien ticken

Vorweg: Ich äußere mich nicht an dieser Stelle zum Israel-Hamas-Krieg und zum Krieg Russlands gegen die Ukraine.

An dieser Stelle möchte ich lediglich meine Wahrnehmung der medialen Berichterstattung darüber wiedergeben.

Ukraine und Israel sind „gut“. Russland und Hamas/Palästinenser sind „böse“.

Auf diesen Nenner, wenn man es mal ganz schlicht hält, könnte man das Echo in den klassischen Medien in Deutschland in Bezug auf beide Kriege bringen.

Ähnliches konnte man beim Präsidentschaftswahlkampf in Brasilien, beim Duell Bolsonaro (Teufel!) vs. Lula (Gott!), beobachten. Beim US-Duell Trump vs. Biden sowieso.

Unabhängig davon, wie man zu diesen Kriegen und Personen steht:

Ist es ein Wunder, dass beispielsweise viele Palästinenser- und Hamas-Anhänger die Sozialen Medien fluten mit ihren Botschaften? Warum tun sie das?

Weil sie in den klassischen Medien des Westens kein Gehör finden.

Ähnlich war es mit den Trump- und Bolsonaro-Anhängern in den USA und Brasilien. Sie wurden aufgestachelt durch Soziale Medien. Die klassischen Medien hatten ihr Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Schema heraus gezogen, und danach die Welt eingeteilt. 

Das soll jetzt keinerlei Rechtfertigung für Demokratieverachter sein.

Aber es herrscht offenbar eine Diskrepanz zwischen der öffentlich geäußerten, und online geäußerten Meinung.

Das sieht man auch am derzeitigen Umfrageerfolg der AfD. Auch deren Anhänger fluten die Sozialen Medien mit Botschaften, weil sie in den klassischen Medien schlecht wegkommen.

Was man aus diese besorgniserregenden Entwicklung lernen kann? Offen gesagt, ich weiß es nicht.

An einer stärkeren Regulierung von Social Media, und auch von KI, wird wohl kein Weg vorbei führen.

Will man nicht noch mehr Polarisierung.

(ERGÄNZUNG, 20.01.24: Mein letzter Satz wird von der automatischen Übersetzung ins Englische falsch verstanden. Korrekt ist es keine Frage, sondern es muss heißen: "Man muss Social Media und AI mehr regulieren, wenn man nicht noch mehr Polarisierung will.")

17.11.23

Warum auch Nicht-Arbeiterkinder vom Impostor-Syndrom betroffen sein können

Ich bin kein Arbeiterkind. Meine Eltern hatten beide studiert.

Dennoch kenne ich ebenso das Gefühl, nicht genug zu leisten, und nicht genug Background zu haben.

Gerade habe ich einen entsprechenden Artikel auf "sueddeutsche.de" gelesen. Und mich in Vielem wiedergefunden.

Denn ich ging auf ein Gymnasium in einem reichen Stadtteil. Wir wohnten in einem Eigenheim, hatten immer genug zu Essen, fuhren ein- bis zweimal im Jahr in den Urlaub.

Das hatte ich.

Aber meine Mitschüler waren teils noch viel reicher. 

Sie kamen aus großbürgerlichen Elternhäusern, hatten teilweise mit 18, mit Erwerb des Führerscheins, bereits ihren Alfa Romeo vor der Tür stehen.

Das hatte ich nicht. 

Als ich mein Studium beendet hatte, bevor die Pflege meines Vaters begann, durchforstete ich erste Stellenanzeigen. Und fand eine der größten und bekanntesten deutschen Fluglinie in Frankfurt am Main.

Als Anforderung an den Bewerber stand darin: "Interkulturelle Kompetenz". Ich zeigte sie meinem Vater. Er las sie durch und kommentierte, früher habe man eine solche Anforderung an Vorstandsvorsitzende gestellt.

Und nicht an Berufsanfänger.

Da wusste ich, dass ich es schwer haben würde. Und damit sind wir wieder am Anfang dieses Beitrags.   

16.11.23

Das Bundesverfassungsgericht und seine Entscheidung zum Haushalt

Das BVerfG hat den Haushalt 2021 der „Ampel“ rückwirkend für verfassungswidrig erklärt.

Konkret geht es um Corona-Milliarden, die eingeplant waren, und für den Klimaschutz umgeschichtet werden sollten. Hintergrund ist offenbar – mal wieder – die im Grundgesetz festgeschriebene Schuldenbremse.

Finanzminister Lindner und die Regierung haben jetzt ein Problem.

Nun, ich bin Politologe, kein Jurist. Ich halte dieses Urteil trotzdem für fatal. Es ist meiner Meinung nach nicht Aufgabe des BVerfG (der Judikative), über die Haushaltspolitik der Regierung (der Exekutive) zu bestimmen. Und diese entweder gutzuheißen, oder, wie in diesem Fall, zu kippen.

Der Etat ist einzig und allein Aufgabe der Bundesregierung.

Das Problem ist – mal wieder – die Schuldenbremse in der Verfassung. Die hat die FDP immer befürwortet. Das fällt ihrem Minister jetzt vor die Füße.

POLEMIK: Demnächst sollte man einzelne Entscheidungen der Regierung automatisch vom Bundesverfassungsgericht absegnen lassen. Dann entfällt auch der obligatorische „Gang nach Karlsruhe“. Oder, am Besten, gleich den Haushalt von den Verfassungsrichtern erstellen lassen. POLEMIK ENDE.

(ERGÄNZUNG, 29.11.23: Den Haushalt legt natürlich die jeweilige Bundesregierung, die Exekutive, vor. Aber das Recht, ihn zu verabschieden, liegt natürlich beim Parlament, der Legislative.)

13.11.23

Dialekte und Regionen, oder: Klischee und Wirklichkeit

Ich komme gerade zurück von einem Trip in die Metropolregion Halle/Leipzig.

Einer Region, in der ich – Asche über mein Haupt – noch nie war.

Dabei habe ich viel über das Verhältnis West-Ost nachgedacht. Und in Vorbereitung den derzeitigen Bestseller des Leipziger Professors Dirk Oschmann gelesen.

Auch über meine derzeitige Heimat, das Ruhrgebiet, habe ich nachgedacht. Vor langer Zeit fand ich in der Satirezeitschrift „Titanic“ einmal einen klischeebehafteten Artikel über die fiktive Ruhrpott-Figur „Jupp Pumpel“. Einem leicht debilen Männchen natürlich (!) aus Duisburg, das natürlich (!) ständig „datt“ und „watt“ sagt und natürlich (!) SPD-Mitglied ist.

So stellt man sich den Ruhrgebietsmenschen bei der „Titanic“ (die übrigens mal wieder kurz vor der Pleite stand) wohl vor. An deren Redaktionshaus ich übrigens immer vorbeikam, wenn ich zur Frankfurter Uni fuhr.

Aber zum schönen Stichwort Dialekt.

Ich erinnere mich gut, dass meine männlichen Mitschüler im Ruhrgebiet immer von ihrer „Perle“ sprachen, wenn sie ihre Freundin meinten. Das klang sympathisch, war mir jedoch auch etwas fremd. Denn ich hatte keine Freundin und liebe Dialekte, habe aber nur hochdeutsch sprechen gelernt.

Das war kein Ausdruck von Hochnäsigkeit oder Arroganz.

Mein - im Großraum Hannover geborener - Vater sprach null Dialekt. Mit seiner Mutter sprach er, imitierend, rheinisch. Auch er hatte Ausdrucksweisen, die mir fremd waren. So sagte er etwa: „Paaff Deine Sachen nicht so in den Schrank“, wenn er meinte, ich solle etwas ordentlicher sein. (Kommt das aus Niedersachsen oder aus dem Rheinland? Ich habe keine Ahnung.)

Meine Mutter sprach zwar ebenso hochdeutsch. Sie konnte aber auch ostfriesisches Platt reden, wenn sie mit ihren Bekannten am Telefon sprach. Da verstand ich kein Wort.

Meine eine, die rheinische, Oma sprach von „Ascheimer“, wenn sie den Mülleimer meinte. Und fragte „bisse jeck?“, wenn sie „bist du verrückt?“ meinte.

Meine andere, die norddeutsche, Oma sagte „kleen“, wenn sie „verschütten“ meinte. Und nannte mich „lüttje Kerlke“ als Kind.

Als ich in Hessen wohnte, erwischte ich mich tatsächlich manchmal dabei, „net“ statt „nicht“ zu sagen.

Zurück zum Ruhrgebiets-Deutsch.

Irgendwo, auf einer dieser Karriereseiten im Netz, habe ich mal gelesen, dass der Ruhrgebietsdialekt manche Arbeitgeber außerhalb des Ruhrgebiets angeblich (!) Menschen von der Einstellung abhält. Das teilt das Ruhrgebiet – ebenso angeblich (!) - mit den Sachsen. Womit wir wieder am Anfang wären.

Das zeigt: Gegen Dummheit sind auch Arbeitgeber nicht gefeit. Und man sollte nicht alles glauben, was im Netz steht.

Die Vielfalt unserer Regionen und Dialekte ist schließlich das, was unser Land ausmacht. 

25.10.23

Habe ich Vorurteile? Oder: Wie Vorurteile von Nachteil sein können

Habe ich Vorurteile? Natürlich. Jeder Mensch hat Vorurteile. Ich versuche, sie möglichst gering zu halten.

Ich habe keine Vorurteile gegen Juden und Muslime. Ich hasse niemanden wegen seiner Religion. Warum sollte ich auch? Wir haben in Deutschland Religionsfreiheit, und das finde ich gut.

Im Religionsunterricht auf dem Gymnasium mussten wir alles übers Judentum, den Islam und den Buddhismus lernen.

Wir schrieben darüber sogar einen Test: Was ist die Thora im Judentum? Welche Bedeutung hat die Kaaba im Islam? Was hat Buddha für eine Funktion in seiner Religion?

Wenn man das alles weiß, und vorurteilsfrei lernen muss, hat man auch keine Vorurteile.

Das fand ich an unserem evangelischen Religionsunterricht gut.

Dass Vorurteile auch wirtschaftlich von Nachteil sein können, zeigt das Beispiel YouTube.

Einer der Gründer der Firma kam aus dem Ausland zunächst nach Deutschland, hat mal in Sachsen-Anhalt gelebt. Er ist später, vor der Firmengründung, in die USA, ins Silicon Valley, ausgewandert. Weil er dort bessere Bedingungen, als hier in Deutschland, vorfand.

Angenommen, er hätte seine Firma tatsächlich in Sachsen-Anhalt gegründet, wäre das Bundesland heute vermutlich das Reichste unter den 16 Ländern. Aber immerhin bekommen sie dort jetzt eine Intel-Chipfabrik.

Ein Beispiel, bei dem es positiv gelaufen ist, ist bekanntlich BionTech in Mainz.

Die Gründung des Unternehmens, und dessen Entwicklung des Corona-Impfstoffes, hat das Bundesland Rheinland-Pfalz so reich gemacht, dass es im Länderfinanzausgleich vom Nehmer- zu den Geberstaaten aufstieg. Die beiden Firmengründer haben einen Migrationshintergrund.

Fazit: Es hilft, vorurteilsfrei und freundlich zu sein.

23.10.23

Is Germany the „Sick Man in Europe“ again ("Economist")?

The „Economist“ published this headline a few months ago. Germany’s economy is projected to shrink this year, 2023. But only about less than one percent. Other Western countries are projected to grow economically.

Well, I’m not an economist. I can only rely on media reports and official statistics. One of these statistics (readable on „statista.de") says that since 1990 – the year of German reunification –, the Gross Domestic Product (GDP) in my country has fallen only five times: In 1993, in 2002/2003, in 2009 and in 2020.

Why did it happen in these years?

In 1993 there was a recession because of the end of special post-reunification effects.

In 2002/2003 there were the aftermaths of „9/11“, the imploded „Dot-Com-Bubble“, the Iraq war and the German social reform „Agenda 2010“.

In 2009, it was the world financial crisis that had a major impact on German economy.

And in 2020, there was, of course, a crisis because of the global corona epidemic.

You can see that a shrinking economy happens round about every ten years. And the reasons for German economic recessions have changed. From national causes to global causes (although corona marks an exception here, because it is not an economic issue).

I don’t know what to make of these facts to learn for the future. But German economy has always recovered very fast from a year of decline. 

Let’s hope there will be a better 2024.




 

27.9.23

Ankündigung: Nachrichten im AK-Stil

Mir ist da gerade beim YouTube-Schauen von alten Ausgaben der "Aktuellen Kamera" des DDR-Fernsehens aus dem Wendejahr 1989 eine Idee gekommen.

Viele werfen den TV-Medien vor, sie seien zu staatsnah. Sie geben angeblich nur das wieder, was "die da oben" wollen.

Wie wäre es denn, wenn man mal den Stil der "AK" von vor der Wende in die Moderne kopiert? Also, die Meldungen einer Nachrichtensendung von heute umschreiben in den Stil des SED-Staatsfernsehens?

Etwa, statt "Bundeskanzler Scholz hat heute..." sagen: "Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, ehemalige Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, ehemalige Funktionär der Jungsozialisten sowie Fast-Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, SPD, hat heute...". 

Oder, statt zu sagen: "Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat heute..." sagen: "Die Ministerin des Äußeren der Bundesrepublik Deutschland, ehemalige Vorsitzende der Partei 'Bündnis 90/Die Grünen' sowie Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Annalena Baerbock, hat heute..."

Statt "Bundesfinanzminister Lindner..." könnte man auch einleiten: "Der Minister für Finanzen der Bundesrepublik Deutschland, Vorsitzende der Freien Demokratischen Partei Deutschlands FDP, sowie ehemalige Funktionär der FDP des Landes Nordrhein-Westfalen..."

So in etwa.

Wenn man Sendungen wie "Tagesschau", "heute" oder "RTL Aktuell" in den Stil der "AK" umschreibt, sieht man den Unterschied von demokratischen zu diktatorischen News. Damit kann man vielleicht diejenigen Lügen strafen, die immer von "Systempresse" reden.

Ich werde mich dem mal annehmen, und das hier demnächst mal posten. 

Just for laughs.

25.9.23

Die Nacht, in der ich meinen Vater das letzte Mal sah

Es war am Samstag genau ein Jahr her, dass mein Vater starb.

Am 23. September 2022 kam ich Abends vom Bowling mit Freunden. Plötzlich, in der U-Bahn, erhielt ich einen Anruf meiner Schwester. Mein Vater liege im Sterben. Er werde die Nacht wohl nicht überleben.

Ich stieg an der nächsten Haltestelle aus der U-Bahn. Es war mitten in der Essener Innenstadt. An einem Platz standen Taxis. Ich stieg in eins ein, und googelte die Adresse des Krankenhauses, in dem mein Vater angeblich lag.

Das Taxi fuhr los. Gegen 23.30 Uhr traf ich am Hospital ein.

Ich ging zunächst in die Notaufnahme. Sah, dass zwei Sanitäter meinen Vater auf Station fuhren.

Am Eingang erfragte ich sein Zimmer. Da noch Corona vorherrschte, gab es strenge Sicherheitsmaßnahmen. Ich durfte zu ihm, musste aber neben Mundschutz auch ein Haarnetz und einen Ganzkörperschutz tragen. Man riet mir ab, mich ihm allzu sehr zu nähern, Abstand zu halten.

Ich saß stundenlang bei ihm, redete mit ihm. Erinnerte ihn an meine Kinderzeit. Sagte ihm, er sei ein guter Vater gewesen (Das hatte ich ihm allerdings auch schon gesagt, als er noch daheim wohnte).

Zwischendurch ging ich vors Krankenhaus, rauchte, weinte. Und wieder hinein.

Gegen halb fünf Uhr morgens verabschiedete ich mich von ihm. Für immer.

Er lebte dann noch eine Woche. Schwer gezeichnet von seiner Krankheit war er ja schon lange gewesen.


Bye, bye, dad. Love you forever. 

Was ist Macht?

Ich habe bereits über 7000 Klicks in diesem Blog. Weltweit. Das spornt mich an, weiter zu machen.

Damit habe ich eine gewisse Macht. Allerdings bin ich es aus Schule und Universität auch gewohnt, kritisiert und benotet zu werden. Habe die Angewohnheit, im Kopf alles, was ich tue, zu bewerten. 

Das werde ich wohl nie los.

Der ehemalige Chef der größten deutschen Boulevardzeitung hat einmal gesagt, mit ihm und seiner Zeitung fahren Politiker im Aufzug nach oben. Und auch wieder ´runter, wenn sie Fehler machen. Bei Politikern ist es offenbar ständig so, wie bei Abiturienten, die vor ihrem Abschluss stehen.

Wenn man an Fälle wie zu Guttenberg, Engholm, Barschel oder Möllemann denkt, sind das Politiker, die hoch geflogen, und tief gefallen sind. Politiker, denen ein großes Talent nachgesagt wurde. Die ehrgeizig waren. Und am Ende, wie in den Fällen Möllemann und Barschel, sogar teils mit ihrem Leben für ihren Ehrgeiz bezahlen mussten.

Macht ist verführerisch. Macht macht verführerisch. Macht verschleißt angeblich nur den, der sie nicht hat. Macht muss man aber auch wollen.

Ich gehöre zu den Menschen, denen so etwas wie Macht nicht allzu viel bedeutet. Denen Macht, egal welche, eher Angst bereitet. Gegen etwas Macht und Karriere habe ich zwar nichts einzuwenden.

Doch bin ich in einem Haushalt groß geworden, und von Lehrern geprägt worden, die im klassischen Spät-68er-Stil Autoritäten in Frage stellten. In der Schule sahen wir mehrfach „Der Club der toten Dichter“, und nahmen „The Wall“ von Pink Floyd und Jimi Hendrix` Version der US-Hymne durch. Autorität und Machtausübung spielten zu meinen Adoleszenzzeiten schon eine untergeordnete Rolle. Wir sollten selbst denken lernen. Auch, wenn ich sonst eher konservativ erzogen wurde.

Es war ein Widerspruch, an dem ich lange zu knabbern hatte. Daher wohl auch mein ambivalentes Verhältnis zu Obrigkeit, Macht und Autoritäten.


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Jubiläum: mein 100. Post!!

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24.9.23

Kompromissland Deutschland

Ein wesentlicher Faktor in unserem, seit 1949 andauernden Sozialen Frieden in der Bundesrepublik ist der Kompromiss.

Wie ich bereits hier einmal schrieb, gibt es in der politischen Debatte in Deutschland selten einen Konsens. Es gibt aber, andererseits, auch keine großen, langwierigen Konflikte. Wenn beispielsweise eine Gewerkschaft, wie die der Lokführer vor einigen Jahren, streikt und den Verkehr lahmlegt, ist das in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung.

Die Zielkonflikte zwischen den derzeitigen Koalitionspartnern in Berlin sind ein gutes Beispiel für eine politische Kultur, die auf Interessenausgleich setzt. Die Grünen und die SPD haben ein Interesse an sozialen Themen, und ihnen ist Haushaltsdisziplin im Zweifelsfall weniger wichtig. Bei der FDP ist es genau anders herum. Die Union changiert mal in die eine (Merkel), mal in die andere (Merz) Richtung. Je nachdem, ob und mit wem sie regiert, oder ob sie gerade in der Opposition ist.

Es ist damit zu rechnen, dass sich die Parteienlandschaft in absehbarer Zukunft noch weiter zersplittert. Selbst im einst tiefschwarzen Bayern, wo die CSU mal über 60 Prozent holte, sind die Verhältnisse nicht mehr so klar. Umgekehrt ist das einstmals „rote“ Nordrhein-Westfalen heute längst keine Hochburg der SPD mehr.

Problematisch wird es, wenn es Verhältnisse wie derzeit in Thüringen gibt. Im Freistaat sind „far-right“ (AfD) und „far-left“ (Die Linke) die stärksten Parteien. Das heißt, Kompromiss-Koalitionen sind nicht mehr möglich. Nicht mal für Rot-rot-grün, eine GroKo, "Kenia“ oder „Jamaika“ reicht es. Weimar lässt grüßen. Hoffentlich weiten sich diese „Erfurter Zustände“ nicht auf andere Bundesländer aus.

Hoffnung macht das Beispiel Niederlande. Dort sitzen mehr als ein Dutzend Parteien in der „tweede kamer“, dem Parlament. Es gibt für jede denkbare gesellschaftliche Gruppe eine Kleinpartei. Für Linksliberale, für Rechtsliberale. Für progressive Christen, für konservative Christen usw. Auch dort gibt es radikale Kräfte, und auch dort regierte bisher eine bunte Vier-Parteien-Koalition (die übrigens vor Kurzem zerbrach). Aber Alles in Allem funktioniert die Demokratie.

Werden wir niederländische Verhältnisse bekommen? Die Wahlen in Hessen und Bayern werden es zeigen. 

20.9.23

Was wäre, wenn...wir die Ukraine in EU und NATO aufnehmen würden?

Lassen wir bei dieser Frage den Krieg mal weg. Betrachten wir nur die Tatsache, dass die Ukraine möglicherweise EU- und NATO-Mitglied wird.

Dann würden beide Bündnisse bis an die Grenze Russlands reichen. Würde das die Weltlage sicherer machen? Ich glaube: nein.

Die anderen osteuropäischen Staaten konnten erst der EU beitreten, als sie einen Katalog an Forderungen und Reformen erfüllten. Und, offen gesagt, würde man Staaten wie Polen und Ungarn in ihrem derzeitigen Zustand heute auch nicht mehr EU-Mitglieder werden lassen.

Dass die anderen Osteuropäer der NATO beitreten konnten, war ohnehin nur dem Druck der USA zu verdanken. Der fehlt heute, angesichts der derzeitigen innenpolitischen Lage in den Staaten.

Was sollte es also bringen, der Ukraine Sand in die Augen zu streuen, und ihr nach jahrzehntelanger Ignorierung ihrer Interessen zu sagen: Ach, jetzt seid ihr angegriffen worden, jetzt seid ihr Opfer, nun könnt ihr auch in EU und NATO.

So funktioniert das nicht.

13.9.23

Die Krux der Ampel-Regierung

Hier eine Einschätzung zur Situation der Bundespolitik.

Erstmal ist die „Ampel-Koalition“, wie es ein Trierer Politikwissenschaftler formuliert hat, schlichtweg eine ungewöhnliche Koalition. Eine heterogene Drei-Parteien-Regierung, weil aufgrund der Diversifizierung der Parteienlandschaft anders keine Mehrheiten mehr zu erreichen sind.

Die FDP ist rechtsliberal-wirtschaftsnah und regiert mit zwei Parteien, die tendenziell links von der Mitte stehen. Das führt naturgemäß zu Konflikten. Wie jenen, die wir rund um das Gebäudeenergiegesetz und die Kindergrundsicherung gesehen haben. Jene Punkte sind den Grünen wichtig, der FDP aber zu dirigistisch. Schwierig wird es bei also bei den Themen Soziales und Wirtschaft.

Hinzu kommt, dass Grüne und FDP ein Wählerklientel haben, das sich durchaus ähnlich ist: Tendenziell gut ausgebildet, tendenziell gut verdienend, tendenziell modern-reformistisch. Da gibt es also auch Konflikte um die Wählerschaft. In Fragen wie Zuwanderung, Abtreibung, Cannabis-Legalisierung und Selbstbestimmungsgesetz – also in gesellschaftspolitischen Fragen - sind sich die drei Regierungsparteien dagegen weitgehend einig .

Die SPD zögert in Sachen Waffenlieferung an die Ukraine, während ihre beiden kleinen Partner Druck machen. Sie muss diese Koalition bis zum geplanten Wahltag 2025 zusammen halten. Sich zurück halten, und mal dem einen, mal dem anderen Partner Rückendeckung geben.

Viele Menschen sind frustriert und ermüdet. Angesichts von Inflation, Wirtschaftskrise, den Folgen von Corona, Migration, Krieg und Klimawandel. Daher die hohen Zustimmungsraten zur AfD in momentanen Umfragen. Es steht zu erwarten, dass die Rechten bei den anstehenden Landtagswahlen gut abschneiden werden.

Die Union als größte Oppositionspartei kämpft derweil mit einem recht unbeliebten Vorsitzenden und eben jener Konkurrenz von rechts. Wie hält sie’s mit der AfD? Will sie mit denen irgendwo regieren, oder doch mit Grün oder Gelb? Wer wird Kanzlerkandidat? All diese Fragen sind für die Union noch nicht geklärt.

Am linken Rand droht derweil die Spaltung. Die Linke droht, durch die Wahlrechtsreform der „Ampel“ bei der nächsten Bundestagswahl aus dem Parlament zu fliegen. Sarah Wagenknecht liebäugelt seit Langem mit der Gründung einer eigenen Partei. Auch hier scheint ein noch unfertiger Prozess im Gange zu sein.

Wie die nächste Bundestagswahl ausgehen wird, halte ich daher noch längst nicht für ausgemacht. Es sind noch zwei Jahre bis dahin. Das ist in unserer heutigen Mediendemokratie eine lange Zeit.

9.9.23

SATIRE, Teil 3: Letzter Post

Da die KI sowieso alles besser kann, brauchen wir auf dieser Welt auch keine Kreativen mehr.

Deshalb ist das hier mein letzter Beitrag.

Ich verabschiede mich.

War schön mit euch.

Ciao. 

4.9.23

SATIRE, Teil 2: Me and Horst – Warum ich mich mit Horst Schlämmer abgefunden habe.

Horst Schlämmer ist stellvertretender Chefredakteur des fiktiven „Grevenbroicher Tageblatts“. Er ist fest in seiner Heimat verwurzelt, und hält sich für den Größten.

Grevenbroich liegt im Rhein-Kreis Neuss. Das ist die Stadt, in der auch ich geboren wurde.

Als Hape Kerkeling das erste Mal mit seiner Figur über die Mattscheibe flimmerte, konnte ich darüber nicht lachen. Ich war gerade dabei, mich in den Medien zu bewerben. Schlämmer ist provinziell, Alkoholiker, hält sich für den größten Stecher. Und er ist eine Figur, die so lustig ist, dass es weh tut.

Ich muss zugeben, als ich jünger war, dachte ich auch ein wenig wie Schlämmer. Dachte, ich werde so schnell etabliert sein, wie meine Vorbilder es waren.

Die Stadt Grevenbroich fand die Figur Schlämmer lustig. Zeichnete Kerkeling sogar aus. Das zeigt, dass Rheinländer auch über den Karneval hinaus Humor haben.

Ich habe mit Horst Schlämmer meinen Frieden gemacht. Arbeite momentan für eine Zeitung, die auch im Rhein-Kreis Neuss erscheint. Und wenn Außenstehende meinen, ich sei ein provinzieller Alkoholiker – bitte, dann bin ich es halt. Dabei trinke ich kaum Alkohol. (Spoiler: Achtung, Selbstironie! Satire!)

Aber Satire darf bekanntlich alles.


(ERGÄNZUNG, 16.3.24: Na ja, fast alles. 

Aber ob Herr K. mich, meinen Vater oder sonstwen mit seiner Figur meinte, ist dabei ziemlich zweitrangig. 

In jedem Fall ist es ein "Nach unten treten". 

Bloß, weil Herr K., wie viele erfolgreiche Künstler, auf Journalisten herabschaut. Ohne die sie niemals Erfolg hätten.) 

3.9.23

SATIRE: Me and Al – Warum ich „Eine schrecklich nette Familie" mag

„Married with Children“, so der Titel im Original, lief Mitte der Neunziger jeden Tag im Programm eines großen deutschen TV-Senders. Ich durfte es nicht sehen. Da waren meine Eltern konsequent. Sie setzten bei der Erziehung ihrer Kinder ausschließlich auf öffentlich-rechtliche Sender. Ich kannte einen anderen Lehrersohn, dessen Eltern sogar alle Privatsender aus der TV-Senderliste gelöscht hatten, weil sie deren Programm für Schund hielten.

Jedenfalls – in der Serie werden Frauen als strunzdumme „Dumpfbacken“ (im Original: „pumpkin“) bezeichnet, und Männer als ebenso doofe, TV- und sexgeile Idioten dargestellt. Die Serie lief in den USA auf FOX. Das ist das Network von Rupert Murdoch, dessen „Fox News“ seit einigen Jahren ja weltbekannt ist.

Ich vermute, so wie Al und Peg Bundy und ihre verzogenen Kinder, stellte sich Rupert Murdoch seine Zuschauer vor. Dumm, arm, faul, unerzogen und ständig geil.

Man muss fairerweise sagen, dass auch „Die Simpsons“ bei FOX laufen. Und das ist ja nun eine Familienserie, die ein satirisch-grelles Licht auf die US-Gesellschaft wirft. Und international gefeiert wird. Das durfte ich dann auch sehen. Allerdings muss man hinzufügen, dass die „Simpsons“ damals noch im ZDF liefen. Also einem öffentlich-rechtlichen Sender. (Übrigens immer Freitags, und danach kam „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“).

Heute schaue ich „Married with children“ immer wieder gerne. Weil in den 80ern und 90ern US-amerikanische Familien aus der unteren Mittelschicht so vermutlich tatsächlich waren. Sonst wäre die Serie nicht so erfolgreich gewesen. Und, ehrlich, manchmal erkenne ich mich in Al und Bud Bundy auch wieder.

Aber wem geht das nicht so?

2.9.23

Mein Besuch im britischen Parlament

Es war Februar 1999. Das alles ist lange her, und ich versuche es, aus dem Gedächtnis zu reproduzieren. So gut es geht.

Mitte Februar sind in Großbritannien eine Woche „mid term holidays. Meine Gasteltern fuhren mit dem mittleren und dem jüngeren Sohn ein paar Tage ins belgische Vielsalm. Ich war mit dem Großen allein zu Hause. Meine englischen Lehrer hatten sich für mich, meinen bayerischen Mitschüler, und zwei weitere Mitschüler von meiner High School etwas Besonderes überlegt.

Sie hatten einen Termin beim örtlichen MP („member of parliament“) gemacht, damit wir alle eine Führung durchs Unterhaus in London bekamen!

Wir, das waren wir vier Schüler, sowie eine Lehrerin, und weitere Bürger aus dem Wahlkreis in Kent, trafen uns morgens am Besuchereingang des Parlamentsgebäudes. Roger Gale, der „local MP“ von den Torys, kam und begrüßte uns. Wir gingen durch das altehrwürdige Gebäude, kamen an einer Statue von Winston Churchill vorbei. Ironischerweise war die Lehrerin, die das alles organisiert hatte, glühende Labour-Anhängerin. Sie hatte feuerrote Haare, und uns im Unterricht gestanden, dass sie von Churchill eigentlich nicht viel hielt.

Kent ist südöstliches England und normalerweise Gebiet für konservative Mehrheiten. Damals, 1999, allerdings regierte gerade Labour mit Tony Blair als Premierminister. Der war gerade zwei Jahre zuvor ins Amt gekommen und galt – damals noch – als politischer Superstar. Das sollte sich erst mit dem Eintritt Großbritanniens in den Irakkrieg Jahre später ändern.

Zurück zur Führung.

Wir gingen also durch das riesige Gebäude, und standen plötzlich mitten im Unterhaus. Jeder durfte mal an die Stelle treten, wo die Redner von Regierung und Opposition reden. Alle waren sehr beeindruckt, ich auch. Die grünen Bänke sahen genau so aus, wie man es aus dem Fernsehen kannte.

An viel mehr kann ich mich leider nicht erinnern. Es ist auch schon fast 25 Jahre her. Im selben Jahr fuhr ich mit einem Freund übrigens nach Berlin. Wir waren an dem Tag am Reichstag, als der Bundespräsident gewählt wurde.

Zwei Parlamente in einem Jahr, ein Jahr vorm Abitur – es war ein aufregendes und tolles Jahr. 

28.8.23

Völkerball 'raus aus dem Sportunterricht?

Wenn es früher im Sportunterricht ein Spiel gab, das ich gehasst habe, dann war es Völkerball.

Israelische Forscher haben vor einigen Jahren, wie ich einmal las, gefordert, dass das Spiel nicht mehr in der Schule eingesetzt werden soll. Weil es sportliche Schüler dazu verleitet, unsportliche Mitschüler zu demütigen.

Ich muss sagen, dass ich diese Forderung unterstützen würde. 

Allerdings müssten dann auch, und jetzt droht dieser Beitrag zur Satire zu werden, Fußball und Basketball verboten werden. Für Fußball war ich früher zu langsam, für Basketball zu klein. Habe ich seitdem, bis auf vielleicht ein-, zweimal, auch nie wieder gespielt. Dafür gehe ich heute ins Gym und spiele gelegentlich Badminton oder Volleyball.

Nicht falsch verstehen: Ich mochte Fußball und Basketball. Nur konnte ich beides nicht. Bin aber brav immer dem Ball hinterhergerannt, so dass ich von der Seitenlinie oft gelobt wurde. Was wiederum meine Mitschüler nicht so prickelnd fanden.

Siehe auch meine Gnaden-Vier in Sport auf dem Abiturzeugnis, von der ich bereits einmal hier schrieb.

Lange ist's her.

27.8.23

Warum ich nicht auf X (ex-Twitter) bin

Na gut, ich sage es so: Ich habe mir mal, irgendwann, einen Account auf Twitter eingerichtet.

Aber ich nutze ihn nicht.

Warum?

Nun, weil ich in Wahrheit große Angst vor Medien habe. Vor den Sozialen Medien mindestens genau so viel. Vor ihrer Macht.

Und das sage ich als Sohn eines Journalisten. Deswegen habe ich lange mit dem Bloggen gezögert.

Warum?

Gerade sah ich auf YouTube den Auftritt des Juristen und Bestsellerautors Ferdinand von Schirach vergangene Woche im ZDF. Der führte aus, dass heutige, medial aufbereitete Gerichtsverfahren (wie etwa der Fall Johnny Depp-Amber Heard) unheimlich komplex und für Außenstehende kaum zu durchschauen seien. Aber jeder habe sich binnen Minuten, weltweit, via Twitter sofort ein Urteil gebildet:

Er ist schuldig, er ist nicht schuldig.

Was wirklich passiert ist, weiß niemand. Und das interessiert auch nicht.

Jeder hat eine Meinung und bläst die sofort via Netz in die Welt hinaus. In dem Zusammenhang erinnere ich mich an einen Artikel auf SPON – besser gesagt, eine Serie - , in der Berufseinsteiger porträtiert werden. Da sagte ein gewisser Jonas (Name geändert), er als studierter Politikwissenschaftler (was auch mein Hauptfach war), er verstehe das gar nicht: Er arbeite in einer PR-Agentur und sei von seinem Chef gezwungen worden, in Konferenzen, als Berufseinsteiger, der er ist, zu schweigen.

Dabei habe er doch zu den meisten Themen eine dezidierte Meinung.

Da hat der gute Jonas etwas nicht richtig kapiert in seinem Studium. Es geht nicht um Meinung. Eine Meinung hat jeder.

Es geht um Wissen. Belastbares, verwertbares Wissen.

Das ist ein Wert, der in der Internetdemokratie von heute zunehmend verloren zu gehen scheint. 

2.8.23

Hier nochmals meine Osterreise hochgeladen...:

  1. April, 15:58 Uhr, Flughafen Köln


Seit zweieinhalb Stunden sitze ich im Bus nach Frankfurt. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, auch wenn es kalt bist. Wir haben uns zuvor durch den Duisburger, Düsseldorfer und Leverkusener Stadtverkehr gequält. In Essen war der Bus, der übrigens bis nach Budapest fährt, noch leer.

Jetzt ist er voll.

Der Bus kommt aus der Slowakei, genau so wie die Fahrer, die aber Deutsch sprechen.

Ich lehne mich zurück. Die Fahrt geht weiter.


17:04 Uhr, Zwischenhalt Montabaur


Der hr meldet 10 Kilometer Stau und 40 Minuten Verzögerung auf der A3 Richtung Süden in Höhe Limburg wegen eines Unfalls. Ich sage dem Busfahrer Bescheid, der kein Radio hört. Er fährt tatsächlich über Land, nicht auf die Autobahn. Plötzlich aber nimmt er eine Abzweigung in die Pampa. Werden wir jemals ankommen? Obwohl ich die Strecke seit 33 Jahren kenne, bin ich hier über Land noch nie gefahren..


18:15 Uhr. Limburg

Ankunft nach einer Fahrt über Land. Endlich. Und im Radio wird schon der nächste „traffic jam“ gemeldet. Sowohl auf der 66 Richtung Frankfurt, als auch für die Strecke weiter Richtung Würzburg, wenn ich schon ausgestiegen sein werde. Immerhin hält das Wetter. Die Stimmung im Bus ist auch ruhig. Also alles entspannt.


  1. April, 12:15 Uhr, Frankfurt-Bockenheim

Nach der Ankunft gestern im Hotel bin ich todmüde ins Bett gefallen. Dafür war ich heute schon um sieben auf den Beinen.

Habe das Hotelfrühstück ausgelassen, und mir stattdessen was auf die Hand geholt. Danach fuhr ich mit der S1 bis zum Südbahnhof. Der Innenstadttunnel ist in den Osterferien wegen Bauarbeiten gesperrt, so dass ich nicht über den Hauptbahnhof fahren konnte.

Ich wollte meine alte Heimat mal wiedersehen.

Fuhr mit der S1 bis Obertshausen im Kreis Offenbach. Den Weg zu unserem alten Haus bin ich dann zu Fuß gelaufen. Wenig hatte sich in dreißig Jahren verändert, na gut, vielleicht bis auf ein paar Neubauten entlang des Weges.

Von unserem alten Haus in Obertshausen-Hausen bin ich dann meine alte Schulwegstrecke bis zum Rathaus gelaufen. Dort stieg ich in den 120er-Bus. Damals war es „der Zwanziger“.

In Mühlheim am Main stieg ich um in die S8 Richtung Frankfurt. Auch hier wurde der Zug, der sonst durch die Innenstadt fährt, zum Südbahnhof umgeleitet. Plötzlich, kurz hinter Offenbach, hält der Zug mitten auf der Strecke, und...die Zugtüren öffnen sich. Mittendrin. Ich, wie meine Mitfahrer, ganz erschrocken, wäre um ein Haar ausgestiegen. So was habe ich noch nie erlebt. Der Zugführer entschuldigt sich nicht mal, als wir weiterfahren.


Als ich an der Hauptwache ankomme, schlendere ich erst mal in der Sonne über die Zeil.

In einem großen Kaufhaus, das laut Medienberichten mittlerweile insolvent ist, kaufe ich im Schlussverkauf eine Winterjacke. Zufrieden fahre ins Hotel zurück und nehme ein Mittagsschläfchen.

Heute Abend treffe ich noch einen alten Freund.


  1. April, 11:16 Uhr, Göttingen

Vor 10 Minuten in Göttingen angekommen. Der Zug hatte zehn Minuten Verspätung wegen eines Polizeieinsatzes am Frankfurter Südbahnhof und war rappelvoll. Bei Sonnenschein sitze ich in einem italienischen Café und warte darauf, dass mein Hotelzimmer frei wird. Mein Gepäck habe ich dort schon abgegeben. Die Sonne scheint, circa 11 Grad sind es draußen. Die Stadt ist heute am Karfreitag menschenleer, bis auf einige wenige Spaziergänger.

Morgen fahre ich nach Osterode in den Harz, wo mein Vater geboren wurde. Abends gehe ich ins Theater. Der Latte Macchiato kommt, ich schaue auf die Fußgängerzone. Genieße die Sonne. Warte.


12 Uhr

Das letzte Mal in Göttingen war ich im Frühjahr 2001. Es war eiskalt, überall lag Schnee. Ich war noch Zivildienstleistender (für die Jüngeren: Googlen!).

Mein Vater wollte mich auf mein Studium vorbereiten. Sagte: „Jetzt zeige ich dir mal meine alte Universitätsstadt!“ Er freute sich. Ich dagegen war froh, mal ein paar Tage vom Stress im Krankenhaus loszukommen. Freute mich eigentlich eher aufs DXen im Süden Niedersachsens, als darauf, endlich eine Universität kennen zu lernen.

Jedenfalls saßen wir dann im „Nörgelbuff“, seiner alten Studentenkneipe. Er erzählte mit leuchtenden Augen von seiner Studienzeit. Wie ich später im Internet las, hatte zur gleichen Zeit wie er auch Gerhard Schröder hier in Göttingen studiert. Mein Vater Volkswirtschaft, Schröder Jura. Ob sie sich mal begegnet sind? Keine Ahnung.

Jedenfalls fuhren wir noch auf den ebenso schneebedeckten Torfhaus im Harz, während mich eine Freundin aus dem Ruhrgebiet auf dem Handy anrief, die ich eigentlich gar nicht mehr sehen wollte.

So dass ich dann doch froh war, von zu Hause weg zu sein.


Abends gingen wir dann noch ins Theater. Und nach wenigen Tagen musste ich daheim dann auch schon wieder arbeiten. Und hatte eigentlich immer noch keine Lust darauf, noch mal irgendwo die Schulbank zu drücken.


Dass ich es dann doch tat...ich bin doch froh drum.


19:07, Göttingen, Jüdengasse, Hotel Central


Nach einem langen Stadtrundgang im Sonnenuntergang sitze ich nachdenklich in meinem Zimmer. 22 Jahre ist das nun ziemlich genau her, dass ich in dieser Stadt zuletzt war. Ich habe einen sehr freundlichen Eindruck von ihr. Nicht zu vergleichen mit dem eiskalten Wetter, das herrschte, als ich 2001 hier verweilte. Denke an meinen Vater und meine Mutter, und an die „Abschiedstournee“, die ich hinter mir, und noch vor mir habe.


19:26 Uhr

Das Zimmer ist spartanisch eingerichtet. Es erinnert schon sehr an eine typische Studentenbude. Vermutlich übernachten hier viele, die sich schon mal auf ihr Studium vorbereiten wollen. Und ihre Angehörigen. Ich erinnere mich, dass wir damals, 2001, in einem ibis-Hotel übernachtet haben (es gibt auch noch Best Western, Steigenberger, Hilton, um hier keine Werbung zu machen). Die Müdigkeit übermannt mich. Und ich lege mich schlafen.


  1. April, 11:02 Uhr


Mein Aufenthalt in Göttingen neigt sich dem Ende entgegen.

Gestern Abend hatte ich ein Theaterstück namens „Jeeps“ besucht. Es war eine Satire rund um JobCenter und Erben. Sehr lustig. Passend. Die Sonne scheint nicht, aber es ist trocken. Die Kirchenglocken läuten zum Ostersonntagsgottesdienst. Ich bestelle einen Kaffee. Warte auf den Zug, der mich um 12.25 Uhr weiter nach Hamburg bringt.


17:45 Uhr, Hamburg, Amsinckstraße


Seit drei Stunden bin ich nun in der Stadt. Fuhr zu den Landungsbrücken und aß in der Sonne in den Touristenmassen (Achtung: Klischee, Klischee!) ein Fischbrötchen. Was ich heute Abend noch hier machen werde? I won't tell you...;-)


  1. April, 06:48 Uhr


Ich warte auf das Frühstück.


Es gibt einen Song über Hamburg, der mich geprägt hat. Und zwar Udo Lindenbergs „Reeperbahn“. (Die Version von 1978, nicht die neue. Deutsche Version von „Penny Lane“). Mein Vater hatte auch diese Platte im Regal stehen. Da kann ich auch noch jede Zeile auswendig. Leider muss ich heute schon weiterfahren. Mit dem Bus, in die Heimat meiner Mutter.


15:45 Uhr, Leer, Hotel Oberledinger Hof


Über Bremen bin ich heute gegen Mittag in der Geburtsstadt meiner Mutter angekommen. Hier war ich mit meinen Eltern oft. Fuhr in das Heimatdorf meiner Mutter, das ich mit ihr zuletzt vor etwas mehr als drei Jahren besuchte.


Heute komme ich alleine, ohne sie.


Mit meinem Mietwagen fuhr ich am Deich entlang und trank im Heimatort meiner Mutter in einem Café, direkt am Wasser, einen heißen Kakao. Ich dachte darüber nach, warum ich hier so oft gewesen bin, im Heimatort meines Vaters im Harz jedoch nie. Den habe ich ja gerade wenige Tage zuvor, zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Vielleicht wollte er nicht mehr dorthin zurück.


Ich werde es nie erfahren.


Zum x-ten Male nehme ich mir vor, das Rauchen einzustellen, wenn ich wieder daheim bin.

Morgen fahre ich zurück nach Hause. Ich werfe mich aufs Bett und lese einen Mallorca-Krimi.


16:32 Uhr


Meine Mutter hat ihre Heimat 1967 verlassen, direkt nach dem Abitur.


Sie ging nach München, für ein Soziales Jahr. Das waren damals 13 Stunden Fahrt mit dem Zug, wie sie immer wieder erzählte. Danach studierte sie an der Pädagogischen Hochschule München Lehramt, wollte aber nicht in Bayern Lehrerin werden. Deshalb ging sie Anfang der Siebziger Jahre nach Köln. Als sie mit ihren Habseligkeiten in Köln ankam, kaufte sie sich einen „Kölner Stadt-Anzeiger“ und nahm sich die erstbeste Studentenbude.


Sie war mutig. Geradezu kühn.


Ihre Heimat hat sie in Gedanken nie ganz verlassen. Über den US-Filmemacher Michael Moore, der aus Flint, Michigan, kommt, hat mal jemand - halb im Ernst, halb im Spaß - gesagt: „Man bekommt Michael aus Flint 'raus, aber man bekommt Flint nicht 'raus aus Michael.“


So war es bei meiner Mutter auch. Das liebte ich an ihr.


Meine Großmutter wohnte noch Jahrzehnte, nach dem Tod meines Großvaters, in ihrem Elternhaus alleine weiter. 1994 sollte sie nach Essen kommen. Sie hielt es dort nur wenige Wochen aus. Dann fuhr sie wieder nach Hause.


1996 kam meine Großmutter ins Altersheim. Ein Jahr später räumten ich und meine Mutter ihr Haus aus. Meine Großmutter konnte nichts wegwerfen, und hatte über all die Jahre und Jahrzehnte allen möglichen Krimskrams gesammelt. Es dauerte eine Woche, bis wir fertig waren.

Und wie wir fertig waren!


Ich liebe meine Eltern.


Das Leben ist schön.


  1. April, 14:50 Uhr, Essen


Ich bin zurück zu Hause.


Auf dem Weg von Ostfriesland zurück ins Ruhrgebiet habe ich dann noch spontan Zwischenstopp in Gronau gemacht. Im Rock'n'Pop-Museum von Udo Lindenberg. War sehr unterhaltsam. Kann ich jedem nur empfehlen.


Hier endet meine Osterreise.


10.6.23

Herbert Grönemeyer

Gerade höre ich einen Podcast des NDR. Es geht um Grönemeyers Leben, Karriere und Songs.

Grönemeyer wurde 1956 in Göttingen geboren, seine Familie wohnte damals in Clausthal-Zellerfeld. Später wohnte er bekanntermaßen in Bochum.

Mein Vater, 1948 geboren, kam aus Osterode am Harz und hat in Göttingen studiert. Später zogen wir nach Essen.

Mein Vater kaufte 1988 die drei Alben „4630 Bochum“, „Sprünge“ und „Ö“ auf einmal. Ich hörte sie durch, bis sie völlig zerkratzt waren. 1990 folgte „Luxus“, 1993 „Chaos“. Letzteres hatten wir erstmals auf CD.

An meinem 13. Geburtstag 1993 besuchten wir dann ein Grönemeyer-Konzert in der Grugahalle.

Die späteren Alben habe ich dann nicht mehr so verfolgt, weil man – klar - als Jugendlicher auf andere Musik steht als in der Kindheit. Erst mit "Mensch" stieg ich in sein Werk wieder ein. Aber von den drei erstgenannten Alben kann ich jede Textzeile auswendig.

Eins meiner „favourites“ war, wie ich bereits einmal schrieb, „Mit Gott“ auf „Ö“. Und „Kinder an die Macht“ habe ich mal auf dem Schlagzeug ausprobiert. 

Ich werde meinen Osterreise-Bericht gleich einmal hochladen.


31.5.23

Mal Wirtschaft: Was ökonomisch richtig ist – und was nicht

Die Wirtschaftswissenschaften zählen zu den Sozialwissenschaften. Das heißt, dort gelten keine Naturgesetze. Wenn man sich aber so manchen Ökonomen in den Medien näher beschaut, erwecken viele genau diesen Eindruck. Sie machen oftmals „wenn…, dann…“-Aussagen. Also: Wenn wir an dieser und jener Stellschraube drehen, dann passiert dieses und jenes.

Das kann passieren. Mit der Betonung auf „kann“.

Es kann aber auch ganz anders kommen. Ein Beispiel: Während der Nullzinsphase hätten die Menschen in Deutschland, glaubt man den Propheten, ohne Ende Geld ausgeben und Schulden machen müssen. Stattdessen lagerte sich immer mehr Geld auf deutschen Konten. Trotz Nullzinsen.

Auch der momentane, absurde Heizungsstreit ist ein Beispiel. Die Gegner argumentieren, damit mache man nur die Heizungsbauerbranche reich. Die Befürworter argumentieren klimapolitisch. Sie reden also aneinander vorbei. Was ökonomisch richtig ist, spielt keine Rolle.

Beispiel Verbrennungsmotor: Wie ich hier schon einmal schrieb, sind die Politiker in den Autobundesländern gegen das Verbrenner-Aus. Weil sie Arbeitsplatzabbau befürchten. Einmal sah ich einen Beitrag mit Bildern aus den 1970er-Jahren. Bereits damals gab es Versuche mit Elektroautos. Durchgesetzt haben sie sich nie. Ökonomisch wie ökologisch wäre ein Verbrenner-Aus sinnvoll. Dann wäre die deutsche Automobilindustrie etwa auch in China wieder konkurrenzfähig. Weil die Chinesen auf E-Autos setzen.

Beispiel Streiks: Staaten werden in drei Kategorien in Bezug auf Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen eingeteilt: Konsens – Kompromiss – Konfrontation. Deutschland gehört zu den Kompromissdemokratien. Einen Konsens gibt es selten, aber auch keine massiven Auseinandersetzungen wie etwa in Frankreich. Letzteres ist ein klassischer Konflikt- bzw. Konfrontationsstaat. Klassische Konsensstaaten sind die Skandinavier und die Niederlande.

Fazit: Was ökonomisch richtig ist, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Und von seinem Wohnort in Europa.

19.5.23

Was ich jungen Leuten in Sachen Medien raten würde

Wollt Ihr in den klassischen Medien (Print, Radio, TV) arbeiten? Dann habe ich ein paar Tipps für Euch.

Erster Tipp: Geht nicht zum Fernsehen. Oder wenigstens nicht als Erstes. Wenn Ihr TikTok- oder YouTube-Videos macht, ist das fein. Aber das qualifiziert Euch nicht automatisch zu Höherem vor der Kamera.

Zweiter Tipp: Macht Praktika, probiert Euch aus. Schreibt. Schreibt Texte, Moderationen etc., was immer Ihr könnt. Fangt bei einem kleinen Medium an, und arbeitet Euch dann weiter.

Dritter Tipp: Ein Instagram-Account qualifiziert einen nicht zur Arbeit in den klassischen Medien. Wenn Ihr gerne der Welt Euer tatsächlich oder vermeintlich tolles Leben präsentiert, dann macht Ihr das für Euer Ego. Aber das reicht nicht.

Vierter Tipp: Wenn Ihr für eine Schülerzeitung schreibt…vergesst es. An meiner Schule wurden früher drei Viertel der Artikel in der Schülerzeitung von Lehrern und Eltern geschrieben. So, dass einige Schüler eine alternative Zeitung gründeten. Die Schulzeit ist begrenzt. Erst danach geht es richtig los. 

17.5.23

Atommüll und AI: Zwei Lösungsansätze

Gestern sah ich in „frontal“ (ZDF) einen Bericht über die Problematik der Asse in Niedersachsen als Atommülllager. Dass es sehr teuer wird, die hunderttausenden Fässer wieder herauszuholen. Und es wird noch teurer und aufwändiger, ein brauchbares Endlager zu finden.

Eben lief auf CNN ein Bericht zum Thema "Künstliche Intelligenz" (Artificial Intelligence, AI). Darin hieß es, AI sei ein „zweischneidiges Schwert“. Und dass der US-Kongress sich, wie es bei Social Media eben nicht gelaufen ist, diesmal an die Spitze der Diskussion setzen will, und der Entwicklung nicht hinterher hecheln will.

Zum Thema Atommüll: Es besteht die Gefahr, dass es in Deutschland bei der Suche nach einem Endlager, die in einigen Jahren anstehen wird, erneut zu massiven politischen und gesellschaftlichen Konflikten kommen wird. Ähnlich der Auseinandersetzungen in den 1980er-Jahren. Aber irgendwo „muss das Zeug hin“, wie es der baden-württembergische Ministerpräsident formuliert hat.

Andere Länder haben damit weniger Probleme.

Ein Beispiel: Finnland hat sogar gar keines. Dort rissen sich die Gemeinden geradezu darum, Standort für ein atomares Endlager zu werden. Auch Frankreich, Großbritannien oder Polen, beispielsweise, werden wohl keine großen Auseinandersetzungen um atomare Endlager sehen.

Warum zahlen „wir“ diesen Ländern dann nicht einfach genügend Geld, damit sie unseren Atommüll lagern? Sellafield und La Hague sprangen ja auch ein, als Wackersdorf als Wiederaufbereitungsanlage (WAA) am Widerstand der Menschen in Deutschland scheiterte.  

Zum Thema AI: Die einzige Lösung, die Gefahren von AI einzuhegen und einigermaßen kalkulierbar zu machen, ist die, dass man die Firmen, die es entwickeln, nicht nur streng reguliert. Sondern am besten gleich verstaatlicht. Zumindest in demokratischen Ländern.

Das ist vor allem ein Blick Richtung USA. Dort wird AI bekanntlich primär entwickelt. Die Frage ist, ob sich die US-Behörden dazu durchringen können, ihrer Industrie Einhalt zu gebieten. Bei uns sollte man diesen Schritt in jedem Fall durchdenken. 

16.5.23

Radio Püsselbüren – Ein Blick auf Lokalradio

Wenn demnächst in Niedersachsen die dortigen Privatradios im Digitalradio DAB+ senden werden, wird NRW - neben MeckPom - das einzige Bundesland sein, in dem die angestammten Privatsender noch ausschließlich analog – also auf UKW - senden.

Zwar gibt es schon Privatsender im Digitalradio. Aber bis auf wenige Ausnahmen sind das alles Sender aus anderen Bundesländern mit NRW-Fenster. Die herkömmlichen NRW-Lokalradios haben sich der – gar nicht mehr neuen – Digitalübertragung bisher konsequent verweigert. Weil sie den Wettbewerb fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Das fällt ihnen jetzt vor die Füße.

Wenn man in NRW durch die Lokalradios zappt, läuft dort meist das Gleiche. Lediglich die Wortbeiträge in den lokalen Sendestunden sind unterschiedlich. Ein Mehrwert für den Hörer ergibt sich somit nicht. Daher ist es meist ziemlich Wurscht, ob man nun Radio Bielefeld, Radio Bonn/Rhein-Sieg, oder Radio Püsselbüren hört.

In einem der Magazine, für die mein Vater schrieb, sagte der damalige Geschäftsführer des Rahmenprogramms der Lokalradios einmal sinngemäß, der Hörer wisse nicht, dass er gerade nicht sein Lokalradio hört. „Das soll er auch nicht wissen“.

Wenn die Locals bald alle digital empfangbar sein werden, wird das Zappen zwischen den Sendern noch einfacher. Dann dürfte auch dem letzten Hörer das auffallen, was er eigentlich nicht wissen soll:

Nämlich, dass nur wenig an „seinem“ Lokalradio wirklich lokal ist. Dann müssten die Sender eigentlich alle 24 Stunden senden. Hoffentlich endet dann die jahrzehntelange Verschaukelung der Hörer in NRW.

(ERGÄNZUNG, 17.5.2023: Ich wollte noch etwas Konstruktives ergänzen. Im Ruhrgebiet schalten sich die Sender aus Essen, Bochum und Herne gelegentlich zusammen. So etwas wäre auch als regionales Rahmenprogramm für die Locals denkbar. Warum nicht ein Rahmenprogramm für die Ruhrgebiets-Lokalradios, für die im Rheinland, im Münsterland, etc.?)

14.5.23

Eurovision "Suck" Contest

Nach langer Zeit schaue ich mir heute Abend mal wieder den ESC an.

Deutschland mit seiner Band mit dem Namen „irgendwas mit Lord und irgendwas mit Lost“ waren im Vorfeld zumindest bessere Chancen als den peinlichen Auftritten der letzten Jahre eingeräumt worden.

Das Ergebnis?

Zwei Punkte aus Island, einer aus Tschechien, und 15 Punkte vom Publikum. Ich habe ausgeschaltet.

Die ARD sollte sich überlegen, ob sie die Auswahl der Teilnehmer, ja, überhaupt diese Veranstaltung weiterhin so durchführen will.

Es stellt sich die Frage, wer die Teilnehmer im Vorfeld aussucht. Es stellt sich die Frage, ob man an diesem Wettbewerb überhaupt in der Form weiter teilnehmen sollte.

Vielleicht sollten die Deutschen einfach mal ein oder mehrere Jahre aussetzen, und sich eine Auszeit nehmen. Das hatte man ja vor Jahrzehnten bereits getan.

Angesichts solcher Blamagen. 

12.5.23

Deutschland – Das unreformierbare Land?

Beispiel Bildungspolitik.

Als vor rund 20 Jahren der PISA-Schock Deutschland erschütterte, überlegten sich die Bildungspolitiker aller Couleur: Wer macht es besser?

Sie schauten nach Skandinavien. Heerscharen von Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten strömten etwa nach Finnland und versuchten, von dem Land zu lernen. Die größte Konsequenz, die im Dickicht unserer Mehrebenenregierung daraus gezogen wurde, war die Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre. Diese Reform führte aber im Dschungel der Zuständigkeiten von Bund und Ländern zu derartigen Verwerfungen, dass viele Bundesländer davon wieder Abstand nahmen, und zum alten System zurückkehrten. Hat man von Skandinavien also gelernt? Nein.

Beispiel Sozialpolitik.

„Die Rente ist nicht sicher.“ Dieser Satz ist seit ebenfalls rund 20 Jahren Konsens.

Daher wurde und wird daran munter herumgedoktert. Erst wurde das Niveau der umlagefinanzierten Rente abgesenkt, und die private Vorsorge in Form von „Riester“ und „Rürup“ eingeführt. Mit dem Hinweis, dass damit alles besser würde, und das System damit gerettet sei. Mittlerweile ist es Konsens, dass diese Reformen auch nicht der Weisheit letzter Schluss waren. Deswegen wird jetzt ein Auslaufen der (gerade mal zwei Jahrzehnte alten) kapitalgedeckten Vorsorgemodelle diskutiert, stattdessen die Einführung einer Aktienrente (übrigens dienen auch hier wieder skandinavische Länder als Vorbild). Wahrscheinlich wird man dann in 20 Jahren sagen: Ach, nee, auch das war nicht so doll. Lasst uns die Rente gleich ganz privatisieren…

Beispiel Wirtschaftspolitik.

Ich erinnere mich, dass wir im Sozialwissenschaftsunterricht in den Neunzigern über „Globalisierung“ und „zu hohe Lohnnebenkosten“ diskutierten. Letztere wurden als Hauptargument dafür genommen, dass Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Schließlich wurden die Sozial- und Rentenversicherungsbeiträge tatsächlich gesenkt, die Wettbewerbsfähigkeit nahm tatsächlich zu, und die Arbeitslosenzahlen gingen tatsächlich zurück.

So weit, so gut.

Das Problem: Es wurde ein großer Sektor geschaffen, in dem lediglich niedrige Löhne gezahlt werden. Diese Leute zahlen keine Beiträge, und sie fallen später doch dem Staat vor die Füße, weil sie zu wenig vorsorgen konnten. Stichwort Altersarmut. Das Thema „Lohnnebenkosten“ ist derweil aus der öffentlichen Debatte weitgehend verschwunden. Immer mehr Menschen scheiden trotz negativer Anreize früh aus der Arbeitswelt aus. Die „Work-Life-Balance“ wird den Leuten immer wichtiger. Es gibt immer mehr ältere, und immer weniger jüngere Arbeitnehmer. Also alles paletti?

Nein. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die alte Diskussion wieder aufflammt. Während die einen von einer Vier-Tage-Woche träumen, wollen die anderen eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 70 Jahre. Ein Konsens ist hier nicht erkennbar.

Beispiel Wohnen.

Irgendwann, etwa mit Beginn der Schröder-Ära, galt das Thema „Wohnen“ als so zweitrangig, dass das Bundesbauministerium als eigenständiges Ressort abgeschafft wurde. Dafür gab es ein „Infrastrukturministerium“, eine Kombination aus „Bau“ und „Verkehr“. Das Problem „Wohnungsnot“, noch in den 1970er-Jahren groß diskutiert, schien abgehakt.

Mittlerweile gilt das Thema Wohnen wieder als Problem. Daher gibt es wieder ein eigenständiges Bauministerium. Die Miet- und Kaufpreise für Wohnungen und Häuser sind überall massiv gestiegen, wenn sie auch wieder leicht sinken. Überall fehlt bezahlbarer Wohnraum. Eine Konsequenz aus der Vernachlässigung des Themas über viele Jahre.

Dies sind nur einige Beispiele. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal gesagt, die deutsche Demokratie sei im Vergleich „besonders langsam“. Damit hatte er wohl recht. Es sind, eigentlich grundlegende Strukturreformen nötig, nicht mehr nur das Herumdoktern an Symptomen.

Aber, wie gesagt, Stichwort „langsame Demokratie“…

4.5.23

Mythos Fachkräftemangel?

Momentan heißt es mal wieder: Wir haben Fachkräftemangel.

Das hieß es auch schon von 15 Jahren, als ich meinen Hochschulabschluss machte. Damals wurde gesagt: Wir brauchen mehr Akademiker! Geht studieren, am besten MINT-Fächer!

In der Folge stiegen die Abiturienten- und Studierendenzahlen stark an. So stark, dass mittlerweile ein Großteil eines Jahrgangs in Deutschland den Weg Abitur plus Studium wählt.

Damals sah ich einen Beitrag von „Report München“, in dem die These „Fachkräftemangel“ dekonstruiert wurde. Ich erinnere mich, dass eine studierte Informatikerin gezeigt wurde, die mit ihrem Kind im Grünen spielte und keinen Job fand, weil sie Mutterschaftsurlaub genommen hatte, und danach fachlich als nicht mehr „up to date“ angesehen wurde.

Deshalb muss man mit der generellen Aussage, „wir haben Fachkräftemangel“, sehr vorsichtig sein. Das gilt nur für bestimmte Schulabschlüsse und Berufsgruppen. Wer lange "draußen" ist, kommt oft nur schwer wieder "rein". Wie ich neulich in einem Beitrag für „tagesschau24“ sah, werden Akademiker momentan nur wenig mehr gesucht als Ungelernte. Dafür mangelt es an Menschen mit einer klassischen dualen Ausbildung, was eben an oben genannter Entwicklung der letzten 15 Jahren liegt.

Die Leute strömen an die Unis, dafür machen weniger eine Ausbildung. Daher dort der Mangel jetzt. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man mit pauschalen Aussagen „geht studieren, wir brauchen Akademiker!“ oder „macht eine Ausbildung, wir brauchen Facharbeiter!“ nichts weiter als den nächsten Schweinezyklus produziert.

Wenn man näher hinsieht, gilt der momentane Fachkräftemangel nur für einige Branchen, wie etwa die Pflege. Andere Ausbildungsbereiche können sich ihre Bewerber dagegen aussuchen.

Und Akademiker? Tja…

3.5.23

„Versus“ – Gegensätze

Ich möchte einmal über Konflikte schreiben.

An dieser Stelle hatte ich schon einmal über den Konflikt zwischen Biologen und Sozialwissenschaftlern geschrieben. Dabei ging es um das Thema „Geschlecht und geschlechtliche Identität“. Also den Gegensatz „sex“ (Biologie, das biologische Geschlecht) vs. „gender“ (Sozialwissenschaften, das soziale Geschlecht).

Dieser Gegensatz sorgt für Konflikte, und er lässt sich nicht so leicht auflösen. Die eine Seite wirft der jeweils anderen Seite „Ideologie“ vor.

Es gibt aber auch andere Bereiche, in denen kein Konsens zu erreichen ist.

Beispiel Wirtschaft: Was betriebswirtschaftlich sinnvoll und richtig erscheinen mag (nämlich Menschen zu entlassen, um Kosten zu sparen), kann volkswirtschaftlich fatal sein (es entstehen für die Allgemeinheit Kosten, da den Entlassenen Arbeitslosengelder gezahlt werden müssen.) Und das, obwohl beide, soweit ich weiß, lange Zeit das Gleiche im Studium lernen.

Beispiel Cannabis, hier schon einmal erwähnt: Was Staatsanwälte vermutlich freuen wird, nämlich die geplante Entkriminalisierung von Cannabis (weil sie dann nicht gegen jeden kleinen, erwischten Konsumenten ein Verfahren einleiten müssen), dürften Ärzte mit Sorge sehen (weil zu erwarten ist, dass, zumindest anfangs, die Ambulanzen voll sein werden mit zugedröhnten Patienten, die „mal probieren wollten“).

Ein weiteres Beispiel: die momentan vieldiskutierte Verkehrswende. Die einen sehen in der Tendenz zum Elektroauto, weg vom Verbrenner, die Möglichkeit, die Klimaziele zu erreichen. Andere, etwa auch die Grünen-Politiker in Autobundesländern, befürchten, dass bei ihnen vor Ort dadurch Arbeitsplätze verloren gehen. Denn zur Herstellung eines Verbrennermotors braucht man sieben Arbeiter. Für einen Elektromotor nur einen. 

Auch im Bereich Religion gibt es Gegensätze: Einerseits die Atheisten, die in jeder Religion „Opium fürs Volk“ sehen, und radikale Realisten sind. Auf der anderen Seite die (bei uns) immer weniger werdenden treuen Gläubigen, die selbst, wenn sie entlassen werden, darin noch den Willen Gottes sehen. In Amerika sieht man das am Konflikt „liberals“ versus „evangelicals“.

Und es gibt, seit Beginn des Ukraine-Krieges und des Aufstieg Chinas, noch einen neuen, alten Konflikt auf der Welt:

Ost gegen West.

Aber das ist eine andere Geschichte. Die hier zu erzählen, würde zu lange dauern.

Welches Fach mir fast die Abiturnote versaut hätte.

Vor einigen Wochen las ich, dass in Umfragen rund 40 Prozent der männlichen Schüler angeben, Sport sei ihr Lieblingsfach in der Schule.

Ich gehör(t)e nicht zu diesen 40 Prozent.

Wir hatten Schulschluss um 13.30 Uhr. Der Sportunterricht danach begann in der Oberstufe immer erst nach einer Pause von 45 Minuten. Also fuhr ich heim.

Und schwänzte den Sportunterricht gerne mal.

Bis mein Sportlehrer mich zur Seite nahm, und mich ermahnte: „Stefan, wenn Du jetzt nicht regelmäßig mitmachst, kriegst Du in Sport eine Fünf auf dem Zeugnis.“ Man muss wissen, ich war nicht im „coolen“ Basketball- oder Fußballkurs, in denen die Cracks waren, die im Sportabitur ihre „1+“ reserviert hatten.

Sondern ich spielte Volleyball. Der Kurs mit vielen Girls, und vielen von denen, die wie ich froh waren, wenn Sport vorbei war.

Also kam ich regelmäßig. Und erhielt dann noch eine glatte Vier auf dem Zeugnis.
Was dennoch meine mit Abstand schlechteste Note auf dem Abizeugnis war.

Lange ist’s her.

1.5.23

Warum Einkaufen keinen Spaß mehr macht, und was der 1. Mai bedeutet

Heute ist 1. Mai. Feiertag. Tag der Arbeit. Alle Geschäfte haben geschlossen.

Ich mache mir Gedanken ums „Shopping“. Und um diesen Tag.

„Früher“, als ich Kind war, war es etwas Besonderes, wenn man samstags in die Stadt fuhr und Einkaufen ging. Es ging zum Karstadt, Kaufhof oder Horten. Auch mal zu C&A oder Peek und Cloppenburg. Wir gingen zum Nordsee Fisch essen, und trugen unsere Tüten heim. Bis auf C&A sind alle diese Läden mittlerweile insolvent. Na ja, auch Nordsee gibt es noch.

Wenn ich heute durch unsere Innenstadt gehe, sehe ich viele Handyshops, 1-Euro-Läden und übergroße Woolworth-Filialen. Inhabergeführte Geschäfte gibt es so gut wie gar nicht mehr. In der Fußgängerzone meines Stadtteils macht jetzt die letzte, privat geführte Bäckerei dicht, wie ich diese Woche mit Bedauern feststellen musste.

Der Unterschied zu „früher“ ist ebenfalls, dass man jeden Tag Deutsche-Post-, Hermes-, oder UPS-Wagen durch die Straßen fahren, und in der zweiten Reihe parken, sieht. Die sind immer randvoll mit Päckchen und Paketen des großen US-Internetkaufhauses, das mit „A“ beginnt. Die Leute kaufen, offenbar seit der Corona-Pandemie verstärkt, meist nur noch online ein.

Wenn man unter der Woche in ein klassisches Kaufhaus der Firma „G.“ geht, ist es meist menschenleer. Und wenn man die Menschen in den großen, klassischen Malls beobachtet, erkennt man, dass die meisten keine Tüten bei sich tragen. Sondern nur bummeln. Das Geld sitzt offenbar nicht mehr so locker bei den Leuten.

Ist das nur bei mir im Ruhrgebiet so? Oder ist das auch so in reichen deutschen Städten wie München oder Hamburg? Ich weiß es nicht genau, habe Ähnliches aber in Frankfurt auf der Zeil beobachtet.

Um auf den Anfang zurück zu kommen: Corona, die Inflation, der geringe Lohnanstieg der letzten Jahrzehnte, sowie der Trend zum Singledasein, haben dazu geführt, dass die Leute sich mehr ins Private zurückziehen und weniger konsumieren. Deshalb sind Gemeinschaftserlebnisse wie der 1. Mai vielleicht so wichtig. Weil sie ein Gemeinschaftsgefühl zeigen, das im Jahr 2023 vielerorts verloren gegangen scheint.