18.11.22

Wolf Schneider ist gestorben

Der Groß-Maestro der deutschen Sprache ist tot.

Wolf Schneider, einst führender Redakteur und Blattmacher in Deutschland, und später Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule (zu dem ich als Kind einer Ostfriesin auch einen Bezug habe, aber dazu irgendwann mehr) ist im Alter von 97 Jahren in Bayern gestorben.

Meine Eltern hatten eines seiner Deutsch-Lehrbücher und das Buch „Essen – das Abenteuer einer Stadt“ im Regal stehen.

Ich hatte früher ein gespaltenes Verhältnis zu seinen imperativen Thesen über die deutsche Sprache. 

Er war für mich ein klassischer Boulevardjournalist, mit seinem Hang zu einfachen Hauptsätzen und ungestanzten Formulierungen. Sein Credo „Qualität kommt von quälen“ erinnerte mich unangenehm an meinen Deutschlehrer auf dem Gymnasium, der ein ähnlicher Schleifer, und zudem noch Choleriker, war.

Aber lernen kann man von ihm. Auch dann, wenn man nur seine Bücher liest.

Das Bürgergeld – Abkehr von Hartz IV

Die SPD will sich von ihrem Trauma verabschieden und das Bürgergeld einführen. Das soll leicht höher liegen als Hartz IV. Sanktionen sollen teils entfallen.

Dagegen läuft die Opposition Sturm.

Union und AfD, weil sie eine Abkehr vom Prinzip „Fördern und Fordern“ befürchten und auf das Lohnabstandsgebot pochen.

Der Linken geht die Reform wie immer nicht weit genug.

Unsere Lokalzeitung hat letzte Woche eine Rechnung aufgemacht, wonach das Lohnabstandsgebot durch die Einführung des Bürgergeldes nicht verletzt wird. Das Bürgergeld werde demnach fälschlich oft mit dem Nettolohn unterer Einkommensschichten verglichen. Diese hätten jedoch ebenso Anspruch auf bestimmte staatliche Gelder.

Die Ablehnung der Reform sagt unterm Strich daher mehr aus über ihre Kritiker als über tatsächliche oder vermeintliche Ungerechtigkeiten.

Inzwischen wurde die Reform vom Bundestag durchgewunken, aber vom Bundesrat abgelehnt, und landet nun im Vermittlungsausschuss.

8.10.22

Zwischen Rap und Realität – LAS27

Neulich traf ich Lars. Lars ist 23 und Rapper aus Essen. Er nennt sich LAS27.

Viele Rapper posen, texten über „b*tches“ und dergleichen. LAS27 ist kein – sorry – „motherf*cker“-Rapper.

Er rappt über das, was er selbst erlebt hat.

Lars hat eine bewegte Geschichte. Geboren in Oberhausen, fuhr er als Kind gerne Fahrrad, spielte Fußball. Dann lief irgendwann alles aus dem Ruder. Mit 15 fing er an zu kiffen. Seine Mutter warf ihn irgendwann aus der Wohnung. Er lebte eine zeitlang auf der Straße. Musste draußen schlafen, wenn das Obdachlosenheim zu voll war, wie er sagt. Begann zu rappen.

Als Vorbild für seinen Künstlernamen nahm er sich die Postleitzahl seines Stadtteils, Hörsterfeld.

45279. Daher LAS27.

Wenn man ihn fragt, wer denn seine musikalischen Einflüsse sind, nennt er sofort 2Pac. Das ist erstaunlich, denn 2Pac starb, als er noch gar nicht geboren war. Old school halt.

LAS27 wollte „gegen den Strom schwimmen“, seine Kunst mit Message versehen. Irgendwann, als er auf der Straße lebte, plante er mit einem Kumpel einen Raubüberfall. Er wollte „Leute abziehen“.

Etwas, von dem er sich heute eindeutig distanziert.

Aber damals war die Not groß. Lars schlief teilweise in einer Obdachlosenunterkunft, sah Junkies. Er erlebte Schlägereien, wollte Geld machen. Schließlich setzte er den Plan mit einem Kumpel um. Sie zogen mit einer Waffe eine Spielhölle ab, erbeuteten eine mittlere Summe Kohle. Wurden zwar von der Polizei verfolgt, aber nicht gefasst. Dann zogen sie sich um. 

So was würde er heute nie mehr machen, sagt er.

Im Knast saß Lars dann schließlich doch. Aber nicht wegen des Raubes, sondern wegen Schwarzfahrens. Das Schicksal meint es manchmal seltsam mit einem.

Seine Titel heißen „Feuer im Regen“, „27 member“, „Savage“ und „Savage 2.0“. Ihr findet seine Songs auf YouTube, wenn ihr „LAS27“ eingebt. Bei Instagram findet ihr ihn unter: lasm27.

26.9.22

Die „schwäbische Hausfrau“ und der Staat

Gerade habe ich angefangen, ein Buch des Wirtschaftsforschers Marcel Fratzscher zu lesen.

Ich bin noch nicht weit. Aber gleich auf den ersten Seiten bezeichnet er das Ideal der „schwäbischen Hausfrau“ als „sexistisch“.  

Erst einmal: Ich finde Schwaben total nett. Sie sind ordentlicher, wohl erzogener, freundlicher als viele andere Deutsche. Die Arbeitslosenquote im Südwesten ist gering, die Menschen sind in der Regel wohlhabend. Die südwestlichen Medien gefallen mir besser als unsere hier. Ich mag den Dialekt. Einer meiner besten Kumpel kommt aus Baden, das sind die, die immer in Konkurrenz und Opposition zu den Schwaben stehen. Die Badener gelten als lebenslustiger und nicht so kniepig wie die Schwaben. (Anmerkung: Das Wort „kniepig“ stammt aus dem Rheinland und bedeutet so viel wie „geizig“.)

Aber warum wird die schwäbische Hausfrau als Vorbild genommen?

Während der Griechenland-Krise in den 2010er-Jahren hat die damalige Kanzlerin eben jene Hausfrau den Griechen als Leitbild empfohlen. Die griechische Schuldenkrise hatte vor allem drei Gründe.

-        Regierungen, die jahrelang falsche Zahlen nach Brüssel lieferten und Haushaltslöcher verschleierten.

-        Internationale Geldhäuser, die der jeweiligen Regierung beim Verschleiern der Haushaltsdefizite halfen.

-        Ein überbordender Verteidigungshaushalt.

Wie soll da das Konzept einer sparsamen Hausfrau greifen?

Zurück nach Deutschland. 

Die schwäbische Hausfrau gilt auch bei uns als Motiv für die Staatsausgaben. Die Schuldenbremse steht im Grundgesetz. Das hat man gemacht, weil eine Zeitlang der*die jeweilige Finanzminister*in, egal welcher Partei, immer mehr ausgegeben hat. Das war, aus damaliger Sicht, vielleicht sinnvoll. Allerdings habe ich schon mal geschrieben, dass das Grundgesetz, meiner Meinung nach, nur unsere Grundrechte regeln soll. Und nicht die Haushaltspolitik.

Das ist vergossene Milch. Die Schuldenbremse gilt.

Nun plant die Regierung aktuell, anstatt einer Gaspreisumlage, eine Gaspreisbremse. Damit haben Wirtschaftsminister Habeck und Finanzminister Lindner ein Problem.

Habeck, weil er seinen eigenen Plan für eine Umlage voraussichtlich kassieren muss. Und Lindner, weil die Differenz, die durch den Preisdeckel beim Gas entsteht, ja irgendwie den Gasversorgern kompensiert werden muss. Dafür müssten theoretisch entweder die Steuern erhöht werden – oder es kann eben die Schuldenbremse wieder nicht eingehalten werden. Das aber hat der Minister versprochen. Quadratur des Kreises.

Generell gilt: Staatsschulden sind eigentlich nicht vergleichbar mit Schulden von Privatleuten. Während die Hausfrau ihre Schulden bei der Bank in der Regel zu einem festen Zeitpunkt mit Zinsen zurückzahlen muss, gilt das für Staatschulden nicht. Die Schulden, die der deutsche Staat seit den 1960er-Jahren angehäuft hat, haben wir heute noch immer. Das Problem sind die Zinsen, welche jetzt wieder steigen.

Man sieht: Das Konzept der „schwäbischen Hausfrau“ funktioniert für den Staat nicht. Dort läuft es nach anderen Regeln ab.


22.9.22

BFBS Memories

Some fond memories about BFBS. One of my former favourite radio station.

Britisch Forces Radio used to broadcast via strong FM frequencies in the north west of Germany. And, of course, in Berlin. For the younger ones: Remember, this country once was occupied!

Unlike on AFN, the hosts aren‘t members of the army. The German studios were in Herford, I remember their phone numbers: 05221-81006 or 81007. The news first came from the BBC, later from commercial IRN.

In 2010, BFBS closed down in our region. As I read on the internet, in Berlin this had already been the case in 1994 when the Allied Forces went away.

As a pupil, I woke up to the Breakfast Show, which American and German radio call „morning show“.

When I wasn’t at school, I listened to „BFBS Gold“ with Dave Windsor. He played classic hits and oldies in the style of the old pirate stations. There was no other oldies station receiveable at that time.

In the earlier days, I remember they used to broadcast John Peel’s Radio 1 show. But that’s long ago.

Anyway, I remember shows like „Late Night with Arabella Seymour“, „The World Wide Rock Show with Cal Sutherland“, „Forces Finest“, „Connect“, „Sim’s Sunday Show“ and „The Late Glen Mansell“. The latter has sadly passed away. He did the late show on a workday. You could phone him and send him emails. Did quizzes and played requests. There’s nothing like that on nowadays radio, whether in Germany or Britain.

Some weekend before Christmas, BFBS used to do the charity show „Wireless for the blind“. People could donate for blind people and get their song request. This always went for days.

That’s what comes to my mind spontaneously when I think of BFBS.

Most of the British Forces have left Northrhine-Westphalia. So there’s no need for BFBS any more.

Today you can listen online to any station in any thinkable language. That‘s kind of nice, as well.

 

PS: When I was at school in England in 1999, I would surf the then BFBS website. A schoolmate from England came up to me and asked me: „BFBS? What does that stand for? Bl**dy F***ing Bullsh*t?“

18.9.22

Der moderne Narzissmus

Ein Phänomen des 21. Jahrhunderts ist der allgegenwärtige Narzissmus.

Der Narziss, der sich selbst über alle und alles andere stellt.

Ich gebe es zu: Ich beobachte an mir eine zunehmende Selbstbezogenheit, seitdem ich einen Gutteil des Tages vor dem PC, am Laptop oder am Smartphone hänge. Beobachte an mir, dass ich ungeduldig werde, wenn andere mir – meiner Meinung nach - nicht genügend Aufmerksamkeit schenken.

Das ist schlecht – und gut zugleich.

Instagramer, TikToker, YouTuber, Influencer, Twitterer, Podcaster und Blogger gab es bis vor wenigen Jahren nicht. Jeder kann Sender sein, passend zum YouTube-Motto „Broadcast Yourself!“. Jeder kann sich online nach Lust und Laune austoben. Sich selbst oder sein Lieblingsthema präsentieren.

Zumindest dort, wo es keine Zensur gibt.

„Früher“ gab es die Promis, die sich in den alltäglichen TV-Magazinen, Zeitungen und Zeitschriften selbst darstellten. Man konnte, als Bürger, einen Leserbrief an die Zeitung schicken, oder machte bei einem Offenen Kanal oder im Bürgerfunk mit. Machte mal ein Praktikum bei einem Medium.

Das war alles. Das Internet hat die alten Zustände pulverisiert.

In den klassischen Medien werden zumeist die Gefahren betont, die der Online-Narzissmus mit sich bringt. Da geht es um Rechtsradikale, die gegen Minderheiten hetzen. Um Querdenker, die Kriminalität im Darknet, Verschwörungstheoretiker, Fake-News-Produzenten aus aller Welt. Politiker, die ihre antidemokratischen und menschenfeindlichen Botschaften verbreiten, und auch noch gewählt werden. Und ähnlich zwielichtige Geschöpfe.

Das ist alles soweit richtig.

Jedoch hat der grenzenlose Narzissmus auch Vorteile. Kommunikation ist von jedem Ort der Welt aus möglich. Minderheiten können sich vernetzen, Communities bilden und eine Öffentlichkeit herstellen. Jeder kann sich über jedes denkbare Thema und in jeder denkbaren Sprache informieren. In diktatorisch regierten Ländern kann das Internet Freiheiten vermitteln, die offline nicht zu erreichen sind.

Zumindest dort, wo es keine Zensur gibt.

Auch das ist ein Teil des modernen, allgegenwärtigen Narzissmus. 

Dass wir uns auch ein Stück näherkommen.


NACHTRAG: Nachdem ich diesen Blogbeitrag geschrieben habe, habe ich überprüft, ob meine Webseite in Russland gesperrt ist. Sie war es zunächst nicht. 

Plötzlich dann aber doch. Schade. 

Lag es daran, dass ich diesen Beitrag geschrieben habe, oder dass ich es überprüft habe?

Ich weiß es nicht.

10.9.22

Die Renaissance der Nachfragestärkung

Deutschland steht vor einem heißen Herbst und einem brütend heißen Winter.

Strom wird extrem teuer. Gas droht, zu verknappen. Viele drohen, abzurutschen.

Da muss die Regierung gegensteuern. Sie tut das mit einem Maßnahmenpaket, das bisher keiner so recht durchschaut, und das bisher keiner so recht versteht. Aber immerhin, das Problem wird gesehen.

Das war in den letzten Jahren und Jahrzehnten oft nicht so.

Erstaunlich ist, dass Arbeitnehmer und -geber bisher eher an einem Strang ziehen. Das ist in Deutschland unüblich. Sonst gibt es unterschiedliche Auffassungen bei Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden über wirtschaftspolitische Maßnahmen.

Bereits das „9-Euro-Ticket“ im Sommer war eine klassische Maßnahme zur Nachfragestärkung. Die Leute sollten durch finanzielle Anreize dazu gebracht werden, das Auto stehen zu lassen.  Aus wirtschaftlichen und klimapolitischen Überlegungen heraus. Auch Menschen, die sonst nicht in der Lage gewesen wären, den ÖPNV zu nutzen, hat das geholfen. SPD und Grüne hatten das Ticket durchgedrückt. Die FDP war naturgemäß eher dagegen. Aber sie koalieren, und ein Folgeticket ist schon in Planung.

Auch die geplanten Energiezahlungen des Staates an Alleinstehende wie Familien sind im Prinzip ein Faktor der Nachfragebelebung. Auch, wenn sie eigentlich eine Notlage verhindern sollen. Auch, wenn noch nicht klar ist, ob sie nur an Geringverdiener und Bedürftige gehen sollen, oder auch an die Mittelschicht.

Unter Gerhard Schröder wurden die Steuern gesenkt und die Sozialleistungen eingeschränkt. Merkel hat dann nicht mehr viel verändert, weil die Konjunktur gut lief, und hat nur noch Einzelmaßnahmen beschlossen.

Seit Anfang des Jahres 2022 haben wir eine völlig neue Situation.

Dagegen erscheint der Streit zwischen Regierung und Opposition um den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken fast klein. Wir hatten mal 17 Atommeiler. Jetzt sind es noch drei. Ob das die erhoffte Energiesicherheit bringt, wenn man diese verbliebenen länger laufen lässt, das ist zu bezweifeln. Aber das ist nicht der Punkt.

Die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik muss in dieser Situation wieder aus dem Hut gezaubert werden. Hoffentlich schaffen die Deutschen, schaffen die Europäer und die westliche Welt es, diese bevorstehende Krise zu überwinden.

„TV Europe, Teil 5“: Das TV der Niederländer

Einen hab‘ ich noch. Unsere Nachbarn.

Es gibt drei öffentlich-rechtliche Sender. NPO („Nederlandse Publieke Omroep“) 1, 2 und 3.

Die Sender hießen auch mal einfach „Nederland 1“, „Nederland 2“ und "Nederland 3“.

Als DXer freute ich mich früher immer auf heiße Sommernächte und eisige Wintertage. Denn dann gab es Überreichweiten, und man konnte sie empfangen. Das Bild der Holländer war damals, zu Analogzeiten, schärfer und brillanter als das der deutschen Sender. Im Kabel waren alle drei Sender vertreten. Heute gibt es dort nur noch das 2. Programm.

Die Struktur der Sender ist, wie das Land, säulenartig. Es gibt KRO-NCRV (christlich), VPRO (progressiv), AVROTROS, BNNVARA (Unterhaltung), MAX (für Ältere), und so weiter. Das gilt für TV, wie fürs Radio.

Die Radiosender der Niederländer gingen immer, wie ich bereits schrieb. Vormittags, wenn mal keine Schule war, hörte ich „Arbeidsvitaminen“ auf 3FM. Die spielten Songs, die im deutschen Radio damals nicht (mehr) liefen. Nena, beispielsweise, war in den Neunzigern bei uns zwischenzeitig total abgemeldet – 3FM spielte die 80er-Klassiker „99 Luftballons“ und „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“. Die privaten Radiostationen basieren zum Teil immer noch auf den legendären Piratensendern der 1960-er und 1970er-Jahre. „Radio 538“ und „Radio Veronica“ stammen etwa vom damaligen Veronica-Spruch (heute würde man "Claim" sagen) „538 op volle kracht – Radio Veronica!“. „Skyradio“ gehörte tatsächlich mal zu Murdochs „Sky“.

Zurück zum TV.

Im Kabel und mittlerweile auch über Antenne (!) gibt es in Holland BBC One und BBC Two. ARD und ZDF sind ebenfalls überall im Kabel. RTL Nederland hat die Ableger RTL4, RTL5, RTL7 und RTL8. „Dazwischen“ sendet SBS6 („Scandinavian Broadcasting System“), das aber mittlerweile, glaube ich, nicht mehr Schibsted aus Schweden gehört. Natürlich zudem die üblichen US-Ableger wie Discovery Channel und MTV.

Zeitungsmäßig erscheinen alle großen Blätter, wie ich mal irgendwo las, in einer Art großen Art Einheitsverlag. So groß ist das Land nicht, aber es gibt das „NRC Handelsblad“ (wirtschaftsliberal), „Trouw“ (links), „De Volkskrant“ (links), „De Telegraaf“ (Boulevard), „Het Parool“ (stammt, glaub‘, noch aus Kriegszeiten), und wenn ich eins vergessen habe, mailt mir. Ganze Menge.

"TV Europe, Teil 4": Das TV der Franzosen

Und jetzt gehen wir nach Frankreich. Das habe ich aber nicht alles aus der "Süddeutschen"...;-).

Ich möchte nicht zu weit ins Politikwissenschaftliche abgleiten, aber ähnlich wie in Italien 1992 nach dem Korruptionsskandal "tangentopoli" ist auch die Parteienlandschaft in Frankreich - wenn auch später als dort - förmlich implodiert. Die klassischen Parteien, Konservative und Sozialisten, spielen praktisch keine Rolle mehr. Doch auch vorher hatte sich die Parteienlandschaft mehrfach umstrukturiert.

Zurück zu den Medien.

Das öffentlich-rechtliche "France Télévisions" sendet die landesweiten "France 2" und "France 3". Das Dritte wird regionalisiert. Kann man über Satellit sehr schön erkennen. Daneben gibt es noch Ableger wie "France 5" und natürlich "arte". Präsident Macron will die Rundfunkgebühren übrigens abschaffen. Deshalb sendeten die Öffentlichen neulich aus Protest nur ein Notprogramm.

Das erste Programm "TF1" war mal öffentlich-rechtlich, heute kommerziell. 1987 wurde es unter einer konservativen Regierung privatisiert. 

Das war eine Reaktion auf die Einführung kommerziellen Rundfunks unter dem Sozialisten Francois Mitterrand Anfang der 1980er. Der ließ neben TV-Sendern auch Radiostationen wie "NRJ" ("Nouvelle Radio Jeunesse") zu, die ihm politisch nahe standen. "NRJ" gibt es unter dem Namen "Energy" bekanntermaßen auch bei uns. Die großen Radiostationen sind in Ketten zusammen gefasst und senden landesweit.

Neben der bekannten Sportzeitung "L'Équipe" sind es die großen Zeitungen "Le Monde" (liberal) und "Le Figaro" (konservativ), die linke "Libération" sowie das Klatschblatt "Paris Match", welche hauptsächlich gelesen werden.

(NACHTRAG, 23.9.22: Ich habe den Privatsender "M6", sowie den Pay-TV-Sender "Canal+" vergessen. Dessen Nachrichten-Ableger "CNews" steht politisch weit rechts, dort moderiert u. a. Éric Zemmour. Der ist bekanntlich bei den letzten französischen Präsidentschaftswahlen angetreten, allerdings schon in der ersten Runde gescheitert.

Übrigens: Die Bezeichnungen "rechts" für Konservative und "links" für Progressive stammen aus der französischen Nationalversammlung, weil dort früher die Sitzordnung der jeweiligen politischen Kräfte so war.).

 

"TV Europe, Teil 3": Das TV der Italiener

Jetzt bin ich gerade so schön dabei...da schreibe ich noch über Italien.

Die öffentlich-rechtliche "RAI" hat drei Programme. RAI Uno, Due und Tre. Das erste Programm war - im alten Parteiensystem - christdemokratisch kontrolliert, das zweite sozialdemokratisch, das dritte kommunistisch.

Stand so in den 1990ern in der "Süddeutschen". Um eine Quelle zu nennen.

Silvio Berlusconis "Mediaset" sendet landesweit ebenfalls drei Programme. Und hat damit fast ein Monopol: "Canale 5", "Rete 4" und "Italia 1". Er besitzt auch mehrere landesweite Radiosender wie "Radio 101".

Daneben gibt es "La 7" und unzählige lokale Programme. Was es natürlich auch gibt - wie bei uns und in anderen europäischen Ländern -, sind Ableger großer US-Sender wie etwa "MTV Italia". Als Pay-TV "Sky Italia", das mit der Serie "1994" übrigens Berlusconis Weg zur Macht mehr oder weniger satirisch nachzeichnete. Lief auch bei uns im Pay-TV. (ERGÄNZUNG: "Mediaset" ist mittlerweile auch bei "Pro7Sat1" eingestiegen.)

Seriöse Zeitungen sind etwa "La Repubblica" und "Corriere della Sera". Natürlich dazu noch die oft zitierten Sportzeitungen, die es bei uns nicht gibt ("La Gazzetta dello Sport", zum Beispiel).





"TV Europe, Teil 2": Das TV der Spanier

Ich schrieb ja im vorherigen Post, dass ich kürzlich in Spanien war. Nehme ich als Anlass, über die dortigen Medien zu schreiben.

Fangen wir mit der Presse an. 

Vorweg, Spanien war bis 1975 unter Franco faschistisch regiert. Danach wurde es eine Demokratie. 

Die beiden großen Zeitungen sind "El Mundo" (konservativ) und "El Pais" (linksliberal, Medienkonzern "Prisa", dem auch ein landesweiter Radiosender gehört).  Daneben die großen Sportzeitungen "Marca" und "AS", sowie regionale Zeitungen.

Das öffentliche Fernsehen ist RTVE mit seinen zwei Hauptprogrammen ("La Primera" und "La Segunda"). Soweit ich weiß, gibt es in Spanien keine Rundfunkgebühren. Daher wird viel Werbung gesendet. Wie ich einmal las, beginnt eigentlich - außer Nachrichten und Stierkampf - nichts pünktlich. RTVE war natürlich während der Diktatur staatlich gelenkt.

Die beiden großen Privatsender sind "Antena 3" (gehörte mal - oder immer noch? - einem deutschen Konzern) sowie "Tele Cinco". Das gehört zu "Mediaset Espana", also Silvio Berlusconi aus Italien. 

Fun Fact: Berlusconi hat in allen Ländern, in denen er einstieg, seine Sender "Tele 5" genannt. In Deutschland gehörte ihm mal "Tele 5", in Frankreich das - mittlerweile eingestellte - "La Cinq". Und in Italien heißt einer seiner drei Sender "Canale 5".

Bleiben wir bei Italien. Dazu in einem der nächsten Posts mehr.



Neue Serie: "TV Europe, Teil 1": Das TV der Briten

Queen Elizabeth II. ist gestorben. Großbritannien trauert.

Wie ich im Internet gelesen habe, hat die BBC daraufhin ihre fünf Radioprogramme zusammengeschaltet. TV sendet Sonderprogramme. Die Premier-League-Spiele wurden abgesagt.

Ich erinnere mich an meine GB-Aufenthalte. Bin dort mehrere Monate zur Schule gegangen.

Die Briten lieben ihre Seifenopern. „Coronation Street“ auf ITV, zum Beispiel. „Das gab es schon in den 50er-Jahren, als ich Kind war“, sagte meine Gastmutter damals. „Corrie“ war auch Vorbild für die mittlerweile eingestellte „Lindenstraße“.

„Eastenders“ auf BBC One. Entstanden in den 1980ern, porträtiert das Arbeitermilieu im Londoner Osten.

Und noch weitere.

Privat-TV gibt es mit ITV („Independent Television“, also von der BBC „unabhängiges Fernsehen) bereits seit den 1950ern. Im Gegensatz zu uns, wo kommerzielles Fernsehen erst in den 80ern eingeführt wurde. Damit ist ITV einer der ältesten Privatsender Europas. Nur "Tele Montecarlo" (TMC) in Frankreich und ein finnischer TV-Sender sind ähnlich alt. 

„Channel 4“ startete als vierter Sender Anfang der 80er. Ein „Privatsender mit öffentlichem Auftrag“. Er sendet und finanziert sich also durch Werbung, muss aber Inhalte mit gesellschaftlich/bildender Relevanz ausstrahlen. So etwas gibt es in Deutschland nicht. Soweit ich weiß, gibt es in Dänemark ein ähnlich geartetes „TV2“.

„Channel 5“ begann dann irgendwann in den 90ern. Ein reiner Privatsender, eine Zeit lang im Besitz eines deutschen Unternehmens. Ich erinnere mich, dass bei meinen Gasteltern der „Channel 5“-Empfang nur verrauscht möglich war (damals war terrestrisches Fernsehen noch analog).

Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, habe ich auf dem Dach unseres Hauses eine Satellitenschüssel mit GB-Empfang installieren lassen. Endlich konnte ich auch britisches Fernsehen zu Hause empfangen. Auch US-Sender haben dort GB-Ableger platziert. Natürlich CNN, CNBC, Bloomberg und – verschlüsselt – Fox News. MSNBC, glaube ich, nicht. Auch das öffentliche „PBS America“ („Public Broadcasting System“), das meist Dokumentationen mit Werbung ausstrahlt. „Sky“ gehört, wie bei uns, zum US-Kabelunternehmen ComCast, war lange Zeit im Besitz von Rupert Murdochs NewsCorp. Hat er verkauft. Neulich war ich in Spanien, wo ich erstaunt war, dass auch dort GB-Sat-Empfang möglich war. Denn eigentlich hat der Satellit seinen „Fußabdruck“, also sein Empfangsgebiet, nur über dem Großraum der Insel.

Ein spezieller Fall sind Sender wie etwa das mittlerweile abgeschaltete RT aus Moskau oder TRT World aus der Türkei. Sie kopieren das Sendekonzept der westlichen Nachrichtensender, sind aber natürlich staatlich gelenkt, und senden das auf Englisch, was die jeweiligen Regierungen hören wollen.

Die Presselandschaft – darauf will ich noch kurz eingehen – ist etwas anders strukturiert als bei uns.

Bedingt durch die Tatsache als Zentralstaat, erscheinen die meisten Zeitungen landesweit, und nicht lokal wie bei uns. Neben den seriösen „broadsheets“ wie „Guardian“ (linksliberal), die „Times“ (Murdoch), „Daily Telegraph“ (war mal im Besitz des Kanadiers Conrad Black) haben dort mehrere große Boulevardzeitungen die Meinungsführerschaft. „The Sun“ (Murdoch), „Daily Mail“, „Daily Express“, „Daily Star“, alle konservativ. Das eigentlich einzige linke „tabloid“ ist der „Daily Mirror“.

Soweit dazu. 

26.8.22

An dieser Stelle stand eine zynische Satire, die ich aus einer Frustlaune heraus geschrieben habe.

Ich fand sie unpassend für mein Blog.

Deshalb habe ich sie wieder gelöscht.

4.8.22

Denglisch, oder: Wenn man kein Englisch kann, und es trotzdem versucht…

Regelmäßig bei Fußball-EMs und-WMs stolpere ich über den Begriff „public viewing“.

Die meisten wissen nicht, was das im Original eigentlich bedeutet. Nämlich die „öffentliche Zurschaustellung einer Leiche“.

Wie kann man Begriffe so falsch verwenden?

Wir sind durch die Nachkriegszeit geprägt vom US-Englisch. Sagen zu Kartoffelchips eben „Chips“ wie die Amerikaner. Die Briten nennen sie „crisps“. Und die Briten nennen „chips“, was wir Pommes Frites nennen. Die Amis sagen „french fries“. Obwohl die aus Belgien stammen. [ERGÄNZUNG, 1.3.22: Weiteres Beispiel: Wir nennen einen LKW "truck" wie die Amis. Die Britten nennen ihn "lorry".  ERGÄNZUNG, 9.3.22: Wir nennen "talk shows" eben auch Talkshows wie die USA. Die Briten sagen dazu "chat show".]

Vorhin stolperte ich beim Surfen über den „Head of governmental relations“ bei einem Lebensmittel-Lieferdienst. Ziemlich lustig. Als hätte ein Lieferdienst-Start-Up Beziehungen zur Regierung notwendig. Und, als würde sich die Regierung für ein Lieferdienst-Start-Up interessieren.  

Als ich mal ein Praktikum bei einem TV-Sender machte, gab es dort den „content pool“.
Ja, was macht ein TV-Redakteur denn sonst, außer „content“ zu produzieren?

Jeden Morgen, wenn ich aus dem Bett steige, und vor dem Spiegel stehe, sage ich erst mal „Business, baby!“. Um mich auf einen neuen Tag einzustimmen mit Menschen, die keine Fremdsprachen können.

(ERGÄNZUNG, 11.4.24: Ich bin auf eine ziemlich lustige, falsche Denglisch-Phrase gestoßen:

Business-Leute sagen gern Sätze wie: "Letztes Jahr habe ich round about fünf Millionen gemacht."

Allerdings heißt "roundabout" im Englischen nur "Kreisverkehr". Und nichts anderes...)

2.8.22

Zum Start des ersten landesweiten UKW-Radioprogramms „NRW1“

Ich beobachte die NRW-Radiolandschaft (wenn man sie jahrzehntelang überhaupt so nennen konnte) als Hörer, Interessierter und auch zeitweise Mitmacher seit 1995.

Und stelle mir die Frage, da jetzt, wo sich eben diese Radiolandschaft innerhalb kurzer Zeit derart geändert hat (und immer noch ändern wird), wie der herkömmliche NRW-Lokalfunk darauf reagieren wird.

Es gibt durch DAB+ und Internet jetzt unheimlich viel Auswahl im Radio. Das wollte die Politik bis vor wenigen Jahren verhindern. Daher die traditionell geringe Auswahl im Äther im Land.

Offenbar hat es einen Sinneswandel gegeben. Die Verantwortlichen sahen wohl ein, dass mittlerweile viele Menschen nicht nur internetfähige (Auto-) Radios haben. Sondern es sendet auch die Konkurrenz von NRJ, Antenne Bayern etc. mittlerweile über NRW-Sendemasten.

Da wurden nicht nur flugs Sender aus anderen Bundesländern mit NRW-Fenster zugelassen.

Nein, man brach auch das Tabu, dass es keinen eigenen, landesweiten Privatsender geben durfte. Deshalb läuft ab 1. September 2022 Radio „NRW1“ über viele UKW-Frequenzen im Land.

Wie will und wird der seit Jahrzehnten vieldiskutierte, gesetzlich derart in ein Korsett gepackte „2-Säulen-Mantelprogramm-Bürgerfunk“-Lokalfunk darauf reagieren?

Wird er die neue Konkurrenz überhaupt überleben?

Es wird Aufgabe der neuen Landesregierung sein, den Lokalfunk gründlich zu reformieren und zukunftsfest zu machen.

Sonst gibt es ihn in einigen Jahren nicht mehr.

26.7.22

Rockpalast-Jubiläum

Um diese Sendung live gesehen zu haben, dafür bin ich zu jung.

Sie wurde 1986 eingestellt, da war ich fünf Jahre alt, und wohnte erst ein Jahr in Essen.

Lediglich die Wiederholungen zeugten noch von der damaligen Atmosphäre. TV-Ton war mono, so sagen es die Gurus, also schaltete man parallel das Radio ein, da war es stereo.

Danach, bis zur Wiedereinführung der Sendung Mitte der Neunziger, lief „Rocklife“ mit „In the Midnight hour“ von Wilson Pickett als Titelsong.

Nächte habe ich vorm TV verbracht, auch wenn die Sendung nicht mehr ausschließlich aus der Grugahalle kam.

Die Bands, die heute gelegentlich präsentiert werden, kenne ich nicht mehr wirklich. 

Aber in den ÖR-Mediatheken kann man noch diverse Perlen aus den 70er und 80er Jahren nachsehen.

Besonders an ein Konzert von „Huey Lewis and the News“ aus Köln 1991 erinnere ich mich gut.

24.7.22

Die Gesellschaft

Ich empfinde diese Gesellschaft als kalt, rauh und egoistisch. Jeglicher Zusammenhalt scheint verloren gegangen zu sein. Solidarität ist ein Fremdwort. Wenn ich nachts durch unser Ausgehviertel gehe, ist dort wenig los. There is no such thing as society, dieser Satz von Margaret Thatcher, den ich schon einmal zitiert habe, scheint sich zu bewahrheiten.

Natürlich, Schwächeren wird geholfen. Natürlich, es werden Flüchtlinge aufgenommen.

Aber es fehlt ein Grundkonsens, wohin sich dieses Land entwickeln soll.

Die Politik(er)verdrossenheit hat sich inzwischen zu einer Politik(er)verachtung ausgeweitet.

Wenn das Land noch einmal in einen Lockdown gehen sollte, sehe ich schwarz. Dann werden zwar die Intensivstationen leer sein. Dafür werden sich die Kinderheime, Männerhäuser, Frauenhäuser, Psychiatrien, Polizeistationen und Gefängnisse füllen. Ist das besser?

Menschliche Beziehungen werden oberflächlich geführt. Man trifft sich vorwiegend digital. Per Videochat. Im Prinzip bräuchten Schüler, Studenten und Azubis ihre Lehranstalten gar nicht mehr zu betreten. Kann man ja alles online lernen.

Wozu noch Sprachen lernen? Gibt ja Google Translate. Wozu Rechtschreibung? Darauf kommt es am Smartphone nicht an. Wozu telefonieren, wenn es WhatsApp, Twitter, Telegram, Signal etc. gibt?  Wozu, wozu, wozu…

Kulturpessimismus.

21.7.22

Die EZB-Zinserhöhung

Nun hat sie es doch getan.

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main hat die Zinsen moderat erhöht. Das wird Sparer, vor allem in Deutschland, freuen. Und es wird Schuldnern - ob privat, ob Staat - in der gesamten Eurozone Kopfzerbrechen bereiten. Vor allem die überschuldeten südeuropäischen Länder dürften schlaflose Nächte bekommen.

Dass die Medien, die noch zu Nullzinszeiten vielerorts vehement eine Zinserhöhung forderten, jetzt plötzlich die armen Häuslebauer entdecken, die ja nun für teurer Geld oder gar nicht mehr bauen können, zeigt die Bizarrheit der Berichterstattung.

Auch der deutsche Staat musste in den letzten Jahren kaum Schuldzinsen zahlen. Das war gut für uns alle, gut fürs Investieren. Wurde aber nirgendwo erwähnt. Nur, dass die Schuldenbremse ausgesetzt war, wurde immer wieder thematisiert. Die steht bekanntlich im Grundgesetz. Genau in jenem Gesetz, das eigentlich nur (!) unsere Grundrechte regeln soll.

Plötzlich ist genau jene Zinserhöhung, die viele gewünscht hatten, ein Problem. Die Medaille hat immer zwei Seiten. Jede Maßnahme hat ihre Vor- und Nachteile. Das hört man in den Medien aber selten bis nie.

19.7.22

My favourite (sorry: favorite) radio station

When I was in New York, I mostly listened to CBS-FM on 101.1 FM.

It broadcasts with a power of 4 kilowatts from the Empire State Building, and it plays classic hits and oldies. Nowadays it isn’t that much fun to listen to as they play the same 70s and 80s over and over again without all the great DJs that were around in the past. But on YouTube and Soundcloud you can find great airchecks from then.

I think it used to be CBS’s flagship station in New York („owned and operated“), but as it happens so often, CBS Radio has been sold. The other big networks NBC and ABC have sold their radio business years ago. Does Fox have radio stations? I don’t know.

Hot97 (hip hop, urban) and Z100 (current hits) are the other stations I liked. When I was there, WPLJ on 95.5 played adult contemporary. I think they now moved to a somewhat christian music format. I remember a station called Jammin‘ 105 which doesn’t exist any more, as well.

If you wanna know about powerful men and women in the North American radio business, you’ve got to listen to Kid Kelly on Z100 from the 90s. Scott Shannon’s syndicated show Rockin America can be listened to online again, as well. Rosalie Trombley from CKLW Windsor, Ontario (Canada) is portrayed in the 1973 song „Rosalie“ by Bob Seger. She was the station manager there broadcasting over the border to Detroit where people like Seger would listen to her unique choice of hits.

7.7.22

Die Funkes

Ich wohne in Essen. Essen ist Sitz der Funke Mediengruppe.

Die frühere WAZ-Gruppe hat sich vor einigen Jahren vergrößert. Sie hat Zeitungen, Zeitschriften und die entsprechenden Online-Ausgaben dazugekauft.

Andere große Medienhäuser haben verkauft.

Nun kaufen Jüngere keine Zeitungen am Kiosk mehr. Sie gehen auch nicht ins Internet gezielt auf die Seiten der lokalen Medien, sondern informieren sich über die sozialen Netzwerke. Auch Radio und TV konsumieren sie nicht mehr auf den klassischen Wegen.

Daher verstehe ich den Schritt, sich ein Portfolio an klassischen Medien zuzulegen, nicht.
Das ist Medienkonzernpolitik der Achtziger (ERGÄNZUNG: und Neunziger) - Immer größer werden.

Andere große Medienhäuser setzen rein aufs Digitale.

Kann mir einer deren Strategie erklären?

6.7.22

Being a news junkie

Ich bin einer. Ein Nachrichten-Süchtiger.

Früher, als Jugendlicher, habe ich per Kassette (für die Jüngeren: Googeln!) die Titelmelodien der einzelnen TV-Nachrichtensendungen aufgenommen.

Ich liebte die Dramatik der Sounds. Die Nachrichten selbst fand ich nicht so spannend.

Deshalb bin ich auch später für „NBC Nightly News“ nachts aufgestanden. Das war damals die einzige US-Newsshow, die man in Deutschland live sehen konnte. Halt, ich glaube auch, „ABC World News Tonight“ liefen bei RTL 2 – als man den Sender noch anschauen konnte. In Großbritannien schaute ich vorwiegend „News at Ten“ mit Trevor McDonald. Der ist längst in Rente. Auch hier bei uns konnte man via BFBS-TV britisches Fernsehen sehen. Aber nur sehen, es gab keinen Ton…

Das ist alles lange her.

Jedenfalls macht es heute keinen Spaß mehr, Nachrichten zu verfolgen.

Man wird schon beim Einschalten des internetfähigen Geräts, das man bedient, mit Nachrichten überflutet. Deswegen gehen mittlerweile viele Menschen Nachrichten generell aus dem Weg.

Es kann sehr gefährlich sein, ein News-Junkie zu sein.

Ich musste lernen, mich vor den Gefahren zu schützen. Und lerne es täglich immer noch.

5.7.22

Die Songs meines Lebens - Und noch einer. Herbert Grönemeyer – Mit Gott, 1988

Die Songs meines Lebens - Und noch einer.

 

Herbert Grönemeyer – Mit Gott, 1988

 

Ich hatte mir als Schüler immer erträumt, dass dieser Song beim Abistreich unserer Schule gespielt wird.

Wurde er nicht.

Stattdessen lief Bon Jovi.

 

Grönemeyer rechnet in „Mit Gott“ mit der Regierung der Achtziger ab.

 

„Sind aus Gnade zu spät geboren“ – Kohls Aussage.

„Einer ging leider baden“ – Das war Barschel.

„Unsere Freunde / Sind’s auch Folterknechte“ – Strauß?

„Querdenker“ – Darunter versteht man heute etwas Anderes.

 

Und so weiter.

 

Listen to it. Auch, wenn’s mehr als dreißig Jahre her ist.

4.7.22

Gender vs. Sex – Oder: Geist gegen Natur

Ich bin Sozialwissenschaftler.

Das heißt aber nicht, dass ich nur das glaube und vertrete, was man dort mal mitbekommen hat. Albert Einstein hat mal gesagt, er habe Jahrzehnte gebraucht, um den Unsinn, den er an der Universität gelernt habe, zu vergessen.

Einstein war Naturwissenschaftler.

An der Humboldt-Uni in Berlin wollte eine Naturwissenschaftlerin, eine Biologin, etwas anderes behaupten, als die Geisteswissenschaftler und „kritischen Juristen“.

Sie sagt, es gebe biologisch nur zwei Geschlechter. Die Gegenseite behauptet, das sei genderfeindlich. Proteste folgten.

Es ist immer das gleiche Problem. Gender gegen Sex. Natur- gegen Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler. Links gegen Rechts. Wir gegen die. Und so weiter.  

Dass Wissenschaftler sich nicht einig sind, ist normal. Es gibt nicht DIE EINE Wahrheit in der Wissenschaft.

Anderes Beispiel. Vor Jahren habe ich im Internet einen Beitrag eines Mathematikprofessors gelesen, der die Verwendung von Mathematik in der Ökonomie kritisierte. Der Einsatz von mathematischen Modellen in den Wirtschaftswissenschaften sei „unwissenschaftlich“.

Auch hier: Natur gegen Gesellschaft/Geist.

Das ist völlig normal. Und dass an Unis protestiert wird, und dass die einen sich mit den anderen in die Haare kriegen, ist auch normal. Wir leben in einer freien Gesellschaft, in der jeder seine Meinung kundtun darf. Auch in der Wissenschaft. 


ERGÄNZUNG, 5.7.2022: Der Anfang dieses Posts soll natürlich nicht implizieren, dass ich mich mit Einstein vergleichen möchte. 

Ich wollte damit nur den Antagonismus zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften heraus stellen.

19.6.22

Songtext-Satiren TEIL 1

Weil heute Sonntag und Superwetter ist, starte ich etwas Lustiges.

Eine Serie mit meinen selbst geschriebenen Songtext-Veräppelungen.

Ich beginne mit

 

Karat – Über sieben Brücken, 1981

 

Ich weiß, es gibt dazu schon eine Satire der EAV. Aber ich schwöre: Ich kannte die nicht, als ich meine „Version“ schrieb!


Manchmal fahr ich meine Straßen ohne Blick

Manchmal wünsch' ich mir den Fahrlehrer zurück

Manchmal leg ich mich um viere erst zur Ruh

Manchmal schließ ich nicht mal meinen Trabi zu

 

Manchmal fährt der Trabi, manchmal fährt er nicht

Manchmal steh ich wegen Saufens vor Gericht

Manchmal schlaf ich hinterm Steuer ein

Und dann fahr ich einem hinten rein

 

Refrain:

Auf sieben Krücken musst du gehen

Sieben Brüche musst du überstehn

Sieben Mal musst du in den OP

Und beim achten Mal tut’s noch mehr weh…

Männer und Frauen – das alte Thema

Gerade habe ich auf YouTube eine Doku gefunden, in der eine 87-jährige Frau porträtiert wird.

Sie hat sich nach jahrzehntelanger Ehe von ihrem Mann getrennt und lebt jetzt alleine. Er hatte sich nach anderen Frauen im Internet umgesehen, das hatte sie genervt, und sie wollte wieder auf eigenen Füßen stehen.

So weit, so gut.

Das Problematische an derart geframten Darstellungen in den klassischen Medien ist Folgendes:

Der Mann ist der Täter. Die Frau ist das Opfer. Per se.

Um es klar zu sagen: Ich bin in meinem Leben immer von tollen, starken Frauen umgeben gewesen. Meine Mutter hat eine Zeit lang mehr Geld verdient als mein Vater und die Familie durchgebracht. Meine Tante war Schulsprecherin und ist für ihren Job durch die Republik gefahren.

Meine Schwester zieht zwei Kinder auf. Meine Oma hat als Witwe zwei Kinder bis zum Abitur und Studium gebracht.

Eine meiner besten Freundinnen hat ebenfalls in der Wirtschaft gut verdient

Alles Frauen, die ich bewundere. Ich habe, aus meinem Umfeld heraus, keinen Anlass, frauenfeindlich zu sein.

Was ich allerdings problematisch an heutigen Darstellungen von Geschlechterverhältnissen in den klassischen Medien finde, ist, dass sie Klischees befördern, wo sie welche abbauen wollen.

Wir hatten gerade sechzehn Jahre eine Frau als Bundeskanzlerin. Gleichzeitig ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft und Politik noch immer zu gering. Ein Widerspruch.

Das heißt aber nicht, dass Männer – wie viele Medien sie darstellen - deshalb alle Machos, Fremdgänger, Prügler, Säufer und, ja, dann am Ende doch das schwächere Geschlecht wären.

Es geht um Parität.

16.6.22

Greetings to my readers

Hello world.

As I've seen that my blog has been clicked even by people from the English speaking world and other countries, I wanted to say "hello" to all my international readers.

My name is Stefan, I'm 41 years old, living in Essen, Germany. 

I started my blog in January 2022, as I had to stay in corona quarantine for one week. It had been my plan to start a blog long ago, but then I had time and thought I could give it a go.

I live in the state of Northrhine-Westphalia, where I was born in the city of Neuss in 1980. 
("NRW" is the largest of 16 states in Germany with around 18 million inhabitants, larger than Bavaria, and I already wrote an article about its prime ministers, if you haven't already read it.)

In 1985 I moved to my current home town. Well, Essen is not a town, it's actually a city of round about 600,000 inhabitants, located in the Ruhr area. Around 5 million people live in that area which is the greatest agglomeration in western Europe, I think. The Ruhr area, or Ruhr region, has therefore more inhabitants than our capital Berlin. It was, for centuries, dominated by industry, pits and steel factories, but now most of the industry is gone, and it's quite a nice spot to live.

I blog about politics, media, society and other stuff like my favourite songs, for example. Mostly seriously, sometimes satirically. 

I passed my "Abitur"(highest final school exam in Germany, comparable to the GCSE/A-levels in Britain, I think) in 2000. A year before, I spent three months in Britain and am very interested in British society and politics, as you've probably realised. But I also like to write about the EU and ECB issues, for example.

From 2001 on, I studied politics, sociology and modern history at the University of Duisburg-Essen, and at Goethe University Frankfurt am Main, finishing it in 2008 with a Magister's Degree. You probably won't know what a "Magister" is, it's the same as the old German "Diploma". 

These old degrees, in the meantime, have been replaced by the academic bachelor's and master's degrees that you probably know. (It was the so-called "Bologna process" of the European Union that decided in 1999 to introduce the anglosaxon degrees in the whole EU, replacing the old ones. We, as students, were always told that we were the last ones of the "old" generation.)

My hobbies. Well, I like reading, cooking, traveling and dealing with electronic media. Especially radio is my favourite object there, I used to be a DXer for years and worked for some radio stations and other media in Germany, as you can read in my blog.

If you have any questions, please leave a comment.
I look forward to hear from you, wherever you may come from.





15.6.22

Die 90er

Ich wollte meinen Blogeinträgen zum Thema Radio und Internet noch etwas hinzufügen.

Hatte ich vergessen.

Ich muss dazu vorweg sagen, mit Computern habe ich vor Internet-Zeiten nie viel am Hut gehabt. Ein Schulfreund hatte schon in den Achtzigern einen C64. Etwas später besaßen viele einen Game Boy.

Hatte ich alles nicht.

Allerdings habe ich das auch nicht vermisst. Ich hatte aber Mitschüler, die Computer besaßen und sich darüber unterhielten. Insbesondere über das Programm „Norton Commander“ und das „Jump'n Run“- Game „Sam and Max“. Da konnte ich nicht mitreden. Ich könnte beide Programme allerdings heute noch bedienen, wenn es sie noch gäbe. Nur wegen der Gespräche.

Aber zurück zum Thema.

Der WDR sendete die Radio-Nachtshow „ARD-Popnacht“ nicht. Das war aber eine meiner Lieblingssendungen.

Also saß ich Freitags nachts vor dem PC und hörte die Sendung online. Kabel und Satellit hatten wir nicht. Die Sendung kam aus Stuttgart. Hier konnte man Faxe mit Grüßen und Musikwünschen hinschicken.

Ein Fax hatte ich.

Und - die Moderatoren lasen meine Faxe regelmäßig vor. Was mich begeisterte und gleichzeitig traurig machte, weil niemand meiner Freunde das hören konnte.

Später war mir das peinlich. Wahrscheinlich haben sich die Moderatoren darüber kaputt gelacht, dass ein Teenie aus dem Ruhrpott nachts Faxe in den Südwesten versendet.

Vielleicht hat jemand Aufzeichnungen von der „ARD-Popnacht“ aus Stuttgart aus den Jahren 1997 und 1998 mit meinen Grüßen?

Ich würde das heute doch gerne noch einmal hören.

Die Songs meines Lebens: Roxette – The Look, 1988

Die Geschichte des raketenartigen Aufstiegs dieser Single und der Platte „Look Sharp“, auf der sie erschien, ist allgemein bekannt. Da war jener US-Student aus Minneapolis, der die Platte von einer Schwedenreise mit nach Hause nahm und sie der örtlichen Radiostation KDWB schickte.

Ja, und die Scheibe blieb erst liegen, dann wurde sie doch gespielt, und wenige Wochen später war sie Nummer Eins in Amerika. Allgemein bekannt.

Per Gessle wollte seine Gitarre auf „The Look“ so klingen lassen wie ZZ Top. Das ist ihm zwar hörbar misslungen, aber der Song wurde dennoch zum Hit. Unter anderem deshalb, weil solcher Rock-Pop-Sound in den USA damals gerade nicht en vogue war.

Gessle nannte in einem Interview das Beispiel Richard Marx, der mit seinem Schmuse-Softpop („Right here waiting“) Ende der 1980er in Amerika sehr viele Platten verkaufte (und heute vergessen ist).

Ich erinnere mich, dass ich glaubte, im Song „Dangerous“ auf "Look Sharp" das Wort „Hitler“ vernommen zu haben. Natürlich singen Marie und Per nicht „Hitler“, sondern „hit like [heat]“, und natürlich kam das auch in den diversen „Hitverhörern“ der deutschen Privatradios vor, die in den 00er-Jahren dort dauernd liefen.

Die Songs meines Lebens – Weiter geht's: Barry McGuire – Eve of destruction, 1965

Mitte der Neunzehn-Sechziger tobte der Vietnamkrieg. Die Jugend und die Studenten in der westlichen Welt begehrten auf gegen ihre Elterngeneration. In Deutschland kam die Dauerherrschaft der Nachkriegselite ins Wanken mit der Regierungsbeteiligung der SPD.

In den USA tobte vielerorts ein erbitterter Kampf zwischen Weißen und Schwarzen. Schwarze forderten ihre Rechte ein und protestierten, zumeist friedlich, gegen Gewalt und Misshandlungen. Die Kennedy-Administration hatte zuvor schon viele gesetzliche Benachteiligungen der schwarzen Bevölkerung abgeschafft. Doch viele Weiße, vor allem in den Südstaaten, wollten das nicht hinnehmen. Der Konflikt kulminierte unter Anderem im Mord an Martin Luther King.

Vor diesem Hintergrund schrieb ein gewisser P. F. Sloan dieses Antikriegs- und Anti-Gewaltlied, das von Barry McGuire interpretiert wurde. Es geht um die Vorfälle in „Selma, Alabama“ und den Hass in „Rotchina“.

McGuire singt: „you may leave here / for four days in space / but when you return / it's the same old place“.Womit er auf das damalige US-Raumfahrtprogramm und den geplanten Start zum Mond anspielt. (Die Lehre: Die Zukunft war das Weltall, doch auf der Erde herrschten teils noch Zustände wie im tiefsten Mittelalter.)

Der Song ist ähnlich verzweifelt und traurig wie „Behind blue eyes“ von The Who, aber hochpolitisch. McGuires Stimme klingt brüchig, fast heiser, als habe er den Song nach dem Konsum diverser Rauschmittel und Zigaretten mitten in der Nacht aufgenommen.

Angesichts der diversen Kriege und Krisen dieser Welt ist der Song so aktuell wie damals.

Man beachte die Kommentare unter ihm bei YouTube.


ERGÄNZUNG, 1.9.22: Es gibt Coverversionen der "Turtles" und der Band "The Pretty Things". Letztere stammt aus Ende der 1980er-Jahre. Klingt aber eher nach "kölschem Karneval" als nach Protest.

14.5.22

Neoklassik vs. Keynes – zwei Wirtschaftstheorien in der Betrachtung

Stimmt es, dass angehende Ökonomen heute nur noch die Neoklassik lernen, und andere Theorien einfach weggelassen werden?

Ich weiß es nicht genau, denn ich habe nicht Ökonomie studiert. Mit den Grundzügen beider Theorien bin ich aber vertraut.

Wenn man politikwissenschaftliche Maßstäbe auf beide Theorien anwenden würde, könnte man die Neoklassik als „rechts“ und Keynes als „links“ verorten. Aber so einfach ist es nicht.

Keynes selbst sah seine Theorie als eine Art Ergänzung, „Weiterdenkung“ zur Neoklassik. So muss man sein 1936 erschienenes Werk auch verstehen.

Mein Vater sagte mir einmal, in den 1970er-Jahren habe man fast ausschließlich Keynes als Grundlage im Ökonomie-Studium gelernt. Kein Wunder, denn das war die Hoch-Zeit der Theorie: Konjunkturprogramme, Nachfragestärkung, „deficit spending“, Ausbau des Sozialstaates etc.

Mit der Stagflation Ende der 1970er begann die Renaissance der Neoklassik – zu dem, was Sozialwissenschaftler als „neoliberal“ klassifizieren: Rückbau des Staates, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, Steuersenkungen, Deregulierungen etc.

Sinnbildlich dafür standen Thatcher und Reagan. Letzter hatte einen Vizepräsidenten, George H. W. Bush, der die „trickle-down-theory“ seines Chefs als „voodoo economics“ verspottete – und doch als Präsident diese Politik fortführte. 

In Deutschland war dieser Trend nicht so stark zu verspüren. Doch mit Maßnahmen wie BaföG-Kürzungen, Privatisierungen und Haushaltsdefizitbegrenzungen wurde auch hierzulande neoklassische Theorie angewendet.

Welche der beiden Theorien hat nun „recht“? Nun, das hängt immer von der Zeit ab, in der sie angewendet werden. Die Maßnahmen, die Gerhard Schröder Anfang der 2000-er Jahre den Deutschen verordnete („Agenda 2010“), lagen alle schon seit Jahren in den Schubladen von Wirtschaft und Politik. Sie wären auch viel früher herausgeholt worden, wenn nicht die deutsche Einheit dazwischen gekommen wäre.

(ERGÄNZUNG, 16.6.22: Ich habe den Text gestrafft und gekürzt)

20.2.22

Erfahrungen – Wenn man von sich auf alle anderen schließt

In vielen Online-Foren fragen Leute anonym andere Leute irgendwas.

Die antworten dann – ebenfalls anonym – Sachen wie:

„Bei mir war es so…“.

Oder „In unserer Firma…“, „in meinem Studium…“, „in meiner Familie…“.

Oder auch: „Bei einem Bekannten…“, „ich kenne jemanden, der…“ etc.

Oder, ganz selbstbewusst: „(Eigentlich) ist es so…“

 

Mal ehrlich, hat sich der Erkenntnisgewinn durch Internetberatung seit der Erfindung derselbigen innerhalb der Menschheit wirklich erhöht?

Sind die Leute wirklich besser informiert als vor der Massenverbreitung des Internets?

Ich habe da so meine Zweifel.

Natürlich, es gibt Online-Sprechstunden von Ärzten oder Psychotherapeuten, die sind seriös.

Aber da weiß man auch, mit wem man es zu tun hat. Und, dass einem ein Fachmann am anderen Ende gegenübersitzt.

Als ich vor Jahren anfing, mich mit der Frage auseinander zu setzen, was ich studieren will, gab es das Internet auch schon. Aber ich habe noch diverse Ratgeberbroschüren durchforstet, immer mit der Hoffnung auf Erkenntnisgewinn.

Rückblickend muss ich sagen, hat mir die ganze Beratung wenig bis gar nicht geholfen. Ausschlaggebend für meine Studienwahl waren dann ganz andere Faktoren.

Jedem, der heute ein Studium oder eine Ausbildung beginnen will, würde ich sagen:

Hör bloß nicht allein auf das, was dir das Internet sagt! Oder Ratgeber, oder Eltern!

Kopfschüttelnd fällt mir dazu eine Doku über zwei Berufseinsteiger ein, die man heute noch auf YouTube findet. Da sagte ein Personaler einer frisch gebackenen, 23-Jährigen BWL-Absolventin, vor laufender Kamera allen Ernstes ins Gesicht, na, in ihrem Lebenslauf, da fehle doch der rote Faden.

Sie könne er nicht einstellen.

(NACHTRÄGLICHE ERGÄNZUNG: Habe mir das Video noch mal angeschaut: Derselbe Personaler attestierte einem 25-jährigen Politikabsolventen obendrauf noch, er könne gleich gar nichts)

Das Leben ist ein Prozess. Es ist keine gerade Linie. 

Einen roten Faden in dem, was dir passiert, gibt es nicht. Auch, wenn Personaler diesen roten Faden oftmals einfordern mögen:

ES GIBT IHN NICHT! ES IST DAS LEBEN!

 

Dat war dat Wort zum Sonntach!

18.2.22

Heimat – Was ist das?

Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, wurde in den Dritten Programmen die Serie „Heimat“ von Edgar Reitz wiederholt.

Gedreht und erstausgestrahlt wurde sie Anfang der 1980-er Jahre. Ich fand das „Panorama aus der Provinz“ faszinierend. Wie sich Menschen und Landschaften im Hunsrück im Laufe der Jahrzehnte entwickeln und verändern. Die Nachfolgeserien „Die zweite Heimat“ etc. habe ich dann schon nicht mehr so verfolgt.

Heute spielt das Thema Heimat in meinem Gedanken eine große Rolle. Wo gehöre ich hin? Der Engländer sagt, „home is where the heart is“. Heimat kann sein, wo die Familie ist, kann auf dem Land, in der Stadt oder in der Einsamkeit sein. Oder da, wo man schon immer war, oder wo man gerne sein will.

Ich bin mit vier Jahren aus dem Rheinland ins Ruhrgebiet gezogen. Mit zehn Jahren ging es dann nach Hessen, zwei Jahre später wieder zurück an die Ruhr. Meine Familie wohnt im Rheinland und in Norddeutschland, einige auch verstreut quer durch die Republik.

Rechte und Linke definieren Heimat unterschiedlich. In den USA wurde, so weit ich mich erinnere, nach 2001 ein Heimatschutzministerium eingerichtet. Auch ein deutsches Ministerium trägt – zumindest war das bisher so – unter anderem den Titel „Heimat“. Viele Linke halten nichts von dem Begriff, weil er exkludiere und ausgrenze. Das kann sein, muss aber nicht.

Die Corona-Pandemie zwingt uns, den Begriff neu zu denken. Während die Elite früher die ganze Welt bereiste und auf die provinziellen Heimatbezogenen herabschaute, wird das wohl in Zukunft so nicht mehr gelten. Denn wer reist, belastet auch die Umwelt, daher wird das mittlerweile kritischer gesehen.

Fühle ich mich da, wo ich bin, zu Hause? Ich weiß es nicht.

Kann ich mir vorstellen, woanders zu leben? Ja. Oder?

15.2.22

Mal Sport: Die 50+1-Regelung in der Bundesliga – wird sie fallen?

Seit gefühlt fünfzig Jahren heißt der Deutsche Meister am Ende einer Bundesligasaison Bayern München.

Die Liga ist langweilig geworden.

Ich habe unser Magenta-Sport-Abo daher zum September gekündigt. Ist einfach nicht mehr so spannend.

Jetzt die Frage: Wie könnte sich das ändern?

Nun gibt es in der Bundesliga bei den einzelnen Vereinen, darauf hat man sich, so weit ich weiß geeinigt, die 50+1-Regelung.

Diese besagt, soweit ich weiß, dass bei einem Einstieg eines auswärtigen Kapitalgebers der Verein 50 Prozent Anteil plus eine Aktie behält. Behalten muss.

Vor allem die Fans haben darauf gedrängt. Um Traditionen zu bewahren.

In England, Spanien, Frankreich gibt es bekannterweise diese Regelung nicht. Gerade auf der Insel haben sich reiche Scheichs, Russen und Amerikaner eingekauft. Sie bringen mächtig Geld mit. Den Fans dort ist es recht. Gut, ein Bier im Stadion gibt es nicht mehr für ein paar Pfund. Da muss man schon mehr hinblättern.

Aber immerhin ist die Liga spannend. Ein unwahrscheinlicher Meister wie der Underdog Leicester City vor einigen Jahren, das wäre bei uns momentan kaum denkbar.  

Deswegen ist meine Vermutung: Auch in Deutschland werden Vereine und Fans bald sehen, dass die 50+1-Regelung so nicht haltbar ist. Das Interesse an der Liga lässt schon jetzt langsam nach. Corona tut ein Übriges.

Und die Tradition? Tja, es sind ja schon jetzt schon Konzerne wie Bayer, SAP und VW aktiv. Da wird man, so vermute ich, auch irgendwann akzeptieren, dass Geld aus dem Ausland kommt. GAZPROM ist ja schon länger beim Zweitligisten Schalke aktiv…

Meine Meinung.

8.2.22

Gedanken zu Corona

Letzte Woche war ich für vier Tage in der Eifel.

Nun ist die Eifel ohnehin sehr dünnbesiedelt. Aber dort hatte ich das Gefühl, ich sei teilweise der einzige Mensch.

Ich fuhr stundenlang über leere Landstraßen und wollte am Nürburgring die Motorsportausstellung besuchen. Parkhäuser und Gebäude waren völlig verlassen. Als ich am Empfang ankam, erklärte mir eine verständnislose Dame, außerhalb der Saison habe das Museum und auch der Ring unter der Woche geschlossen. Ich aß in einem ebenso menschenleeren Imbiss noch etwas, bevor ich wieder fuhr. Gespenstisch.

Corona wird der Grund dafür sein, dass unsere Gesellschaft nach dem Ende der Pandemie nicht mehr die alte sein wird. 

Was wird anders sein? Werden viele Arbeitnehmer ab dann nur noch von daheim arbeiten? Werden manche Arbeitnehmer ihre Kollegen gar nicht mehr zu Gesicht bekommen? Wird es ein Ausufern von Partys und Zusammenkünften geben, um zu feiern, dass das überhaupt wieder möglich sein wird?

Niemand weiß, was nach Ende der Pandemie passieren wird. Ob das Leben wieder in bekannte Bahnen zurück kehrt.

Lassen wir uns überraschen.

30.1.22

Songs of my life - Die Songs meines Lebens: TEIL 6: Boston – „More than a feeling“, 1976

Auch diesen Song lernte ich kennen, weil meine Eltern die Platte im Regal stehen hatte. Es geht um einen Typen, dessen Freundin Marianne hieß, und die sich von ihm getrennt hat („I see my Marianne walking away“).

Immer, wenn er diesen einen, alten Song („When I hear that old song they used to play“) im Radio hört, träumt er sich zurück zu ihr. Welcher Song es ist, bleibt unklar.

Der Titel ist einer der meistgespielten auf US-Classic-Rock-Stationen. Ein ähnliches Thema hat die 1986 erschienene Nummer „Amanda“ von Boston („I’m gonna tell you right away / I can’t wait another day / Amanda“).

 

LETZTE FOLGE - TO BE CONTINUED 

29.1.22

Mein Studium: TEIL 2

Die Studienbedingungen in Frankfurt waren…nun...schwierig. Frankfurt ist eine tolle, wenn auch sehr teure Stadt. Aber die Uni war -damals zumindest- zum Teil in einem baulich sehr verwahrlosten Zustand.

Ich habe den Großteil meines Studiums im Uniturm (offiziell: AfE-Turm) absolviert. Dieser wurde vor etwa zehn Jahren gesprengt, um einem neuen Hochhaus Platz zu machen. Die Sprengung wurde deutschlandweit im TV übertragen, vielleicht erinnert sich der eine oder andere.

Seit ´68 hatte man offenbar an diesem Turm (und leider auch an vielen anderen Gebäuden) nicht viel verändert. Gut, es gab natürlich W-LAN und reichlich Bibliotheken. Aber die Flure, Gänge und Seminarräume waren mit Parolen vollgeschmiert (ich erinnere mich z. B. an: „Randale, Bambule, Frankfurter Schule“), und dementsprechend verströmten viele Dozenten den Eindruck, als hätten sie hier auf Lehre auch keine große Lust.

Jedenfalls verstand ich manche Seminare gar nicht, andere wiederum waren auf Volkshochschulniveau, in wieder anderen erzählten die Dozenten vorwiegend Anekdötchen (das hatte ich aber auch im Ruhrgebiet so erlebt, wo man das „Dönekes erzählen“ nennt).

Ich kämpfte mich so von Semester zu Semester, immer mit der Tendenz, Seminare im Uni-Turm möglichst zu vermeiden. Mein Nebenfach Geschichte lernte ich jedoch im ehemaligen IG-Farben-Haus im schicken Westend, das, frisch saniert, kurz vor meinem Studienbeginn der Goethe-Uni übergeben worden war. An diesem Campus fühlte ich mich ausgesprochen wohl. Alles war neu und modern, wenn auch das, was ich dort lernte, Themen von früher waren.

Leider war das Studentenleben nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Im Wohnheim ging jeder so seines Weges. Die Bewohner kamen aus ganz Deutschland, viele auch mit Migrationshintergrund (darf man das noch so sagen? Ich hoffe.). Alle waren sehr nett, aber außer einem zweimal jährlich stattfindenden Flurkochen gab es eigentlich wenig Gemeinsamkeiten. Was ich sehr schade fand.

In meiner Freizeit fuhr ich oft die paar Bahnstationen zum Hauptbahnhof und Flughafen, und mietete mir einen Kleinwagen, oder stieg in den Zug. Dann fuhr ich die Städte in der Umgebung ab, die mich interessierten. Ich war in Mannheim, Heidelberg, Würzburg, Mainz und Marburg, wenn auch natürlich nur für ein paar Stunden. Leider fand sich kaum jemand, mit dem ich das hätte zusammen machen können.

Jedenfalls zog ich bald vom Studentenhochhaus in der Ginnheimer Landstraße um in ein Wohnheim in der Ludwig-Landmann-Straße. Im Hochhaus hatte ich ein 11-Quadratmeter-großes Zimmer gehabt, Nasszelle und Küche teilte ich mir mit einem Mitstudenten. Weil mir das zu klein war, erhielt ich ein 18-Quadratmeter-großes Zimmer, die Küche und Toiletten/Duschen teilte ich mir mit den Kommilitonen. Immerhin musste hier nicht geputzt werden, das übernahmen Reinigungsteams.

Irgendwann hatte ich, nach vielen Irrungen und Wirrungen, die ich hier nicht aufzählen will, dann alle Scheine zusammen. Zum Schreiben meiner Magisterarbeit wollte ich bei Dozent H. das Thema „Europapolitik der Regierung Schröder am Beispiel der Debatte um die EU-Verfassung“ bearbeiten. Das ging jedoch nicht, weil ich bei Dozent H. kein Seminar belegt hatte. Schließlich landete ich bei Professor S., einem Volkswirt, bei dem ich mich für das Thema „Arbeitsmarktvergleich Deutschland, Großbritannien, Niederlande in Bezug auf Deregulierung“ entschied.

To put a long story short… mit der Note für die Abschlussarbeit war ich nicht zufrieden. Am Ende erhielt ich ein „befriedigend“ als Gesamtnote. Im Januar 2008 dann war die „Herumstudiererei“ dann final beendet – gottseidank.

26.1.22

Songs of my life – Die Songs meines Lebens: TEIL 5: The Who - „Behind blue eyes“, 1971

Diesen Song habe ich erst recht spät entdeckt. Obwohl ich The Who natürlich kannte.

Jürgen Herrmann spielte ihn im Sommer 2001 spät abends auf „Bayern 3“ anlässlich des 30. Sendergeburtstags. Ich war sofort geflasht.

Im Herbst des gleichen Jahres, nach den Anschlägen vom 11. September, traten The Who beim „Concert for New York City“ auf. Ihre Performance, inklusive dieses Songs, war einer der Höhepunkte. Ich erinnere mich, dass sie von Schauspieler John Cusack angesagt wurden. Wenige Wochen später starb Bassist John Entwistle.

Der Song ist so verzweifelt, so traurig. Roger Daltrey schreit seine Angst und Einsamkeit heraus: „No one knows what it's like / To be the bad man / To be the sad man / Behind blue eyes“. Keith Moon an den Drums: wie immer umwerfend agil.

Es soll eine Coverversion aus den 2000ern von einer Band geben, die mit „Limp“ anfängt, und mit „Bizkit“ aufhört. Aber die ist zu vernachlässigen.

Immer, wenn es mir nicht gut geht, höre ich „Behind blue eyes“. Wenn es mir gut geht, dann nicht. 

25.1.22

Mein Studium: TEIL 1

Heute möchte ich von meinem Studium berichten. Ich habe im Wintersemester 2001/2002 angefangen, und meinen Abschluss im Januar 2008 gemacht. Ist also schon eine Zeit her.

Mein Studium lässt sich in einem Wort zusammen fassen: chaotisch. Ich habe insgesamt 13 Semester gebraucht, also länger als die damalige Regelstudienzeit von neun Semestern.

Das lag nicht nur an mir, es lag auch an den Studienbedingungen. Man muss wissen, ich habe einen Magisterabschluss. Ich habe also noch vor den Zeiten von Bachelor/Master studiert.

Aber der Reihe nach.

Nach Abitur und Zivildienst wusste ich zunächst nicht, was ich studieren wollte. Ich wusste nur: Später willste was mit Medien machen. Naturwissenschaften lagen mir nicht. Entschied mich schließlich für Anglistik und Informatik. Informatik war damals schon „das heiße Ding“ auf dem Arbeitsmarkt. Ich dachte, damit kannste nichts falsch machen.

Ich merkte aber schon nach wenigen Seminarsitzungen, dass mir beide Fächer nicht lagen. In Info verstand ich gar nichts, und in Anglistik machten wir so etwas Langweiliges wie Morphologie - Wortstammkunde!

Also ließ ich das Studieren erst einmal sein. Überlegte wochenlang, wie es weiter gehen könnte, und geriet darüber auch in eine Krise. Ich jobbte beim damaligen „Hören und Lesen“-Geschäft einer großen Kaufhauskette, aber mein Wunsch nach einer Übernahme wurde abgelehnt.

Schließlich besann ich mich meines Berufswunsches „Was mit Medien“. Ich machte Praktika beim Lokalfunk in Düsseldorf und Essen. Die gefielen mir auch. Aber trotz Nachfragens war danach auch hier keine Stelle als freier Mitarbeiter für mich frei.

Also musste ich mich wohl oder übel wieder mit dem Studium arrangieren. Ich entschied mich für Praktische Sozialwissenschaften und Neuere Geschichte. Die Sozialwissenschaften bestanden aus Politikwissenschaften, Soziologie und Statistik. Geschichte hatte ich schon im Abitur als Leistungskurs belegt.

Es gab in Sowi ein Einführungsseminar, das ich zweimal machen musste, weil ich beim ersten Durchgang nicht alle Teilnahmescheine abgeräumt hatte. Auch das Einführungsseminar in Geschichte verlief chaotisch. Mein Prof kam aus dem Südwesten und mokierte sich regelmäßig über die Ausdrucksweise seiner Studenten. So bemängelte er etwa, dass einige Studenten in ihren Hausarbeiten „Anziehsachen“ statt „Kleidung“ schrieben, und noch etliches mehr.

Ich machte ein oder zwei Beiträge für das Unimagazin im Bürgerfunk und besuchte auch ein entsprechendes Seminar, das mir jedoch keine neuen Erkenntnisse brachte. Bereits als Schüler hatte ich mir vorgenommen, zum Studium zurück nach Frankfurt am Main zu gehen. Etwas verspätet, setzte ich dieses Vorhaben zum Wintersemester 2004/2005 um.

Vorher arbeitete ich noch ein Semester lang für das Uniradio der Ruhr-Uni Bochum. Doch bereits währenddessen suchte ich einen Wohnheimplatz in Frankfurt. Was mir auch gelang – heute wäre das wohl wesentlich schwieriger.

Weiter geht’s demnächst in TEIL 2

23.1.22

Songs of my life – Die Songs meines Lebens: TEIL 4: Spider Murphy Gang - „Skandal im Sperrbezirk“, 1981

Diesen Titel kenne ich fast so lang, wie er existiert. Mein Vater hatte die Platte „Dolce Vita“ gekauft, auf der er erschien.

Wie bei den Songs zuvor, wusste ich auch hier früher nicht, worum es ging. Ich hörte das Wort „Nutten“, wusste die Wortbedeutung nicht, und meinte ernsthaft, sie singen über „Nonnen“.

Bis heute darf die Nummer auf keiner 80er-Party fehlen. Natürlich auch nicht beim Münchner Oktoberfest. Sie war eine der ersten, und zugleich erfolgreichsten, Nummern der „Neuen Deutschen Welle“.

Dass Schlagzeuger Franz Trojan, der bei „Sperrbezirk“ derbe reinhaut, ein so trauriges Ende nahm, tat mir leid, als ich es in den Medien hörte.

22.1.22

Songs of my life – Die Songs meines Lebens: TEIL 3: ABBA - „Me and I“, 1980

Worum es in „Me and I“ geht, habe ich Jahrzehnte nicht verstanden. Ich mochte das Lied nur sehr.

Es geht um ein eigentlich ABBA-untypisches Thema: Gespaltene Persönlichkeit. Sonst sind sie ja eher für leichte Kost bekannt. Der Song war, soweit ich mich erinnere, der letzte Titel auf der A-Seite des Albums „Super Trouper“.

Das „Lyrische Ich“ spielt mit Ideen von Siegmund Freud, und betont zugleich, damit offene Türen einzurennen („Sometimes I have toyed / With ideas that I got / From good old Dr Freud // Nothing new, of course / It may seem to you / I try to break through open doors“).

 Der Song ist leichtfüßig, und ermutigt Menschen, dass wir doch eigentlich „alle Freaks sind“ („Everyone's a freak“). Gleichzeitig singt Frida, dass sie zu sich selbst ist wie Dr. Jekyll zu Mister Hyde. Stilistisch weist die Nummer den musikalischen Weg in die 1980er-Jahre.

Drums

Ich habe es bisher noch nicht geschrieben, aber: ich lerne jetzt ein Instrument. Und zwar Schlagzeug.

Als ich kleiner war, habe ich – in der Reihenfolge – Glockenspiel, Blockflöte und Klavier gelernt. Lernen müssen.

Schlagzeug wollte ich schon damals können. Aber ich durfte nicht. Es war meinen Eltern zu laut, zu groß und zu teuer. Einer unserer Nachbarn hatte ein Schlagzeug. Ich war immer neidisch auf ihn.

Jetzt, mit über 40, dachte ich mir: Mach‘, was du immer machen wolltest. Und habe nach Drum-Lehrern gegoogelt. Ich fand D. im Essener Norden. Seit einigen Monaten nun lerne ich bei ihm. Und es macht richtig Fun.

Eigentlich benötigt man, wenn man ein Instrument erlernt, dieses Instrument auch zu Hause. Bei einer Gitarre oder, sagen wir, einer Flöte, ist das auch kein Problem.

Anders verhält es sich, wenn man ein Schlagzeug benötigt. Das braucht Platz und geduldige Nachbarn. Es gibt auch elektronische Schlagzeuge. Die sind leiser und nehmen weniger Platz weg.

Ob ich mir so ein Instrument besorgen werde, weiß ich noch nicht. Ich möchte erst einmal checken, ob ich auch dranbleibe. Bisher jedoch sieht es so aus.

20.1.22

Songs of my life – Die Songs meines Lebens: TEIL 2: Electric Light Orchestra - „Telephone Line“, 1976

Wie bereits geschrieben, „verfolgt“ mich das ELO seit meiner Kindheit.

In „Telephone Line“ singt Jeff Lynne über einen Anruf bei – ich vermute - seiner Ex. Die nimmt den Hörer jedoch nicht ab.

Seinen ganzen Weltschmerz packt er in den Song („Telephone line / Give me some time / I'm living in twilight“). Die Nummer beginnt ganz leise mit Wählgeräuschen, und steigert sich dann immer mehr und mehr.

Eigentlich gefällt mir das ganze Album „A new world record“. Auch die anderen Titel wie „Do Ya“ oder „Shangri-La“. In Letzterem geht es auch um eine Trennung („My Shangri-La has gone away / Faded like The Beatles on Hey Jude“).

Song meines Lebens Nummer Zwei.

19.1.22

Radio – My passion: TEIL 5 – LETZTER TEIL

2008 kam ich nach dem Abschluss zurück nach Hause. Bald hatten wir auch hier schnelles Internet. Inzwischen hatte so ziemlich jede Radiostation auf der Welt ein Potpourri an Online-Zusatzstreams gestartet, etwa „80er“, „Lovesongs“, „Rock“ etc.

Immer öfter las man im Netz, dass bald im Äther eine Digital-Revolution stattfinden würde: Die Einführung von DAB+. 2011 dann startete der erste Bundesmultiplex mit Sendern wie „Radio Bob“ und Absolut Radio. Ich überlegte hin und her, und entschied am Ende, mir so ein Gerät zu kaufen.

Doch auch im Auto wollte ich nun mehr Auswahl. Ich fand im Internet ein DAB+-Radio, welches man mit dem herkömmlichen UKW-Autoradio verknüpfen konnte. Das Senderangebot war zwar noch recht dürftig, aber immerhin, ein Anfang. Es sollte allerdings noch fast 10 Jahre dauern, bis sich die Sendervielfalt signifikant erhöhte.

ENDE


Das war der letzte Teil meiner Serie. Ihr denkt jetzt sicher: „Oh, was für ein Nerd!“

Nun, die einen sammeln Briefmarken, die anderen gehen auf Antiquitätenmärkte. Wieder andere....Egal. Ich lasse mir mein Hobby nicht nehmen.

Danken möchte ich in Bezug auf mein Hobby vor allem meinem ehemaligen Schulfreund M. Er hat meine Begeisterung für das Medium erweckt, und arbeitet heute selbst dort.

Und danken möchte ich meinem Vater.

Neue Serie: Songs of my life – Die Songs meines Lebens

Als ich klein war, hatten meine Eltern in ihrem orangefarbenen Opel Kadett genau eine Kassette. Die lief immer wieder, bis sie total abgenudelt war. Darauf waren drei Bands: ABBA, die Beach Boys und das Electric Light Orchestra.

Ich nannte die Kassette, warum auch immer, „Oberbeiti“.

Die Songs darauf habe ich bis heute im Ohr. Drei davon sollen die ersten „Songs meines Lebens“ in dieser Reihe sein.

TEIL 1

Beach Boys: „Sloop John B“, 1965

Alles, was ich über diesen Song weiß, habe ich erst später heraus gefunden. Ich versuche, es zu reproduzieren.

„Sloop John B“ stammt im Original weitestgehend vom „Kingston Trio“. Das hat Brian Wilson selbst auch so gesagt. Der Song handelt von einer Fahrt mit der Slup („sloop“) John B, auf der Fahrt rund um „Nassau Town“. Der Koch aß den ganzen Mais auf, und es war eine furchtbare Reise.

Am Ende heißt die line: „This here is the worst trip / I've ever been on“. Das Wort „trip“ ist hier doppeldeutig. Es geht nicht nur um den Trip auf dem Schiff, sondern auch um einen Drogentrip.

Auf YouTube findet man eine recht neue Studioversion mit Wilson, Al Jardine und dessen Sohn, in der sie die Zeile zur Entschärfung in „This here is the best trip / I've ever been on“ umtexten.

Vgl. dazu auch die nächsten beiden Folgen meiner „songs of my life“. 

18.1.22

Weil heute Dienstag ist, und ich mich wieder frei fühle, schon mal das hier: Radio – My passion TEIL 4

2002 machte ich meine ersten Praktika beim Lokalfunk. Ich musste natürlich langweilige Sachen machen wie die Hotline betreuen, durfte aber auch im Studio live dabei sein, Interviews und Umfragen machen, und kleine Anmods selber schreiben. Später beim Uniradio durfte ich dann auch eigene Beiträge produzieren, die gesendet wurden.

Im Jahr 2004 ging ich zum Studium nach Frankfurt am Main. Was man da über Antenne empfangen konnte, wusste ich ja schon grob aus der Jugendzeit. Ich erinnere mich an die Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004, von der ich zuerst bei SWR3 hörte. Und an ein Feature auf SWR2 über die Chemie-Katastrophe 1984 im indischen Bhopal, das bei mir Gänsehaut verursachte.

2005 daheim dann der nächste Quantensprung: Ich tauschte LNB und Receiver an der Sat-Anlage, um Digitalempfang zu ermöglichen. Bald verließ die BBC zwar den Astra-Satelliten, doch das Programmangebot blieb ähnlich hoch. Jetzt auch mit allen französischen und niederländischen Sendern.

Fasziniert war ich, als ich einmal die Nachtsendung „Les Nocturnes“ im französischen RTL-Radio entdeckte. Moderator Georges Lang spielte englischsprachige Jingles einfach so hintereinander ab. (Wie ich beim Radio gelernt habe, heißt das „abfeuern“). Habe ich geliebt und teils auf Kassette.

In meinem Studentenzimmer im Frankfurter Wohnheim hatte ich erstmals High-Speed-Internet. Daheim, in Essen, war ich noch per Analog-Modem online gegangen. Ich surfte mich durch die Medienwelt. Facebook und YouTube gab es noch nicht, bzw. standen erst in den Startlöchern. DAS soziale Netzwerk war damals „studiVZ“ - die Älteren werden sich erinnern.

Ich hörte online alte BFBS-Sendungen nach, die mich an meine Heimat erinnerten. Einmal lauschte ich (natürlich verrauscht) Eins Live, und war erstaunt, als ich da alte Kollegen vom Bochumer Uniradio hörte. Nachts lauschte ich der „Nightline“, dem YOU-FM-Talkradio mit Holger Klein vom hr.

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TEASER: Demnächst hier eine Serie über die "songs of my life" Freut euch drauf.

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Mein Corona-Tagebuch

10.20 Uhr: Anruf beim Hausarzt.

Das PCR-Testergebnis ist...tadaaa...NEGATIV!!!!

Habe ich also sechs Tage umsonst in der Quarantäne verbracht. Stichwort: überforderte Labore...

Heißt aber nicht, dass die Seuche harmlos ist. Lasst euch trotzdem impfen und testen. Ich bin geimpft und geboostert. Und würde mich auch ein viertes Mal impfen lassen, wenn das notwendig wäre.

Immerhin, jetzt kann ich wieder raus.

Und in diesem Blog geht's weiter. Bleibt dran.

Übrigens: warum heißt das Blog "Gardings Gold", wurde ich gefragt? Nun, das ist eine schöne Alliteration. Kann man sich gut merken.


15 Uhr: Ich besuche erstmals ein Englisch-Konversationstraining bei Frau B. in meiner Nähe. Sie hatte eine Anzeige geschaltet, und ich hatte reagiert. Sie meint, ich beherrschte die Sprache doch gut genug. Möchte trotzdem mal wieder 'ne Fremdsprache parlieren.

Wir vereinbaren, dass wir telefonieren, um weitere Termine auszumachen.

17.50 Uhr: Zurück in meiner Bude. Heute morgen, nach der Bestätigung, dass ich kein Corona habe, bin ich erstmal 'ne halbe Stunde an die frische Luft gegangen. Werde ich heute Abend, vor dem Zubettgehen, wieder tun.




Radio – My passion TEIL 3

1999 verbrachte ich drei Monate in England. Auch hier hörte ich viel Radio. Der Ort lag an der äußeren Themsemündung, und hier kriegte man fantastischerweise alle Londoner Privatradios wie Capital FM, Heart und Magic FM rein. Aber auch die örtlichen Sender wie Invicta FM waren gut.

Vor allem liebte ich das - aus dem Thanet stammende und heute nicht mehr existente - TLR FM mit DJs wie Johnny Lewis. Der, wie ich später aus dem Internet erfuhr, beim Piratensender Radio Caroline angefangen hatte. An sein „pop down the pub“-Quiz kann ich mich noch gut erinnern. Die Kassette mit der Aufzeichnung der „Brit Awards '99“ von BBC Radio 1 habe ich heute noch.

(Dass Radiofreaks wie ich in England „anoraks“ genannt werden, lernte ich auch hier.)

Als ich dann im Frühjahr aus England zurück kam, hatte ein Freund seine eigene Satellitenanlage aufgebaut. Ich dachte: „Das kannst du auch“. Fuhr in einen Baumarkt und kam mit Schüssel, Receiver und Mast zurück. Ich baute alles auf, und drehte so lange an dem Ding im Garten rum, bis ich Empfang hatte. Endlich! Endlich Auswahl in TV und Radio!

Radiomäßig konnte ich damit neben der BBC nun auch Sender wie Antenne Bayern oder NDR 2 dauerhaft hören. Doch das genügte mir nicht. Zu meinem 20. Geburtstag im Jahr 2000 kaufte ich mir einen Astra-Digitalradio-Receiver. Diesen schloss ich an die Satschüssel an und hatte damit auf einmal alle ARD-Programme, und nach Jahren auch wieder Sender wie hr3 und Hit Radio FFH.

17.1.22

Mein Corona-Tagebuch

Tag 6 in Quarantäne

8.45 Uhr: Leichte Kopfschmerzen nach dem Aufwachen. Sonst aber alles fit. Laut TV wieder neue Höchststände, was die Inzidenz betrifft. Wann hört Corona endlich auf? Wann wird die Welt diesen Mist besiegt haben?

11 Uhr: Versuche, jemanden zu finden, der doch noch für mich einkauft.

13.30 Uhr: Meine Vermieterin ruft an, sagt, ein Monteur sei da, der die Gartentür reparieren will. Sage ihr zwangsläufig, dass momentan keiner zu mir darf. Beide müssen wieder gehen.

15.30 Uhr: Anruf beim Hausarzt, ob er schon mehr vom Labor weiß. Geht keiner ran. Mist. Werde es nochmal in ein paar Stunden versuchen. Dafür habe ich jetzt wieder genug zu essen.

18.1.22, 2 Uhr: Kann nicht schlafen. Schreibe einen Blog-Beitrag für die kommenden Tage und Wochen, nach dem anderen. Freut euch auf das, was da noch kommt!



Radio – My passion TEIL 2

Als wir 1991 nach Hessen zogen, bekam ich eine Stereoanlage. Damit hörte ich meistens, wie meine Eltern, hr3. Samstags hr1, mit der Bundesligakonferenz. Aber auch mal Radio FFH und die angrenzenden Sender aus Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Auch WDR 2 konnte man, wenn auch nur schwach, im Kreis Offenbach hören. Ich zählte mal nach und kam auf um die 30 empfangbaren UKW-Stationen. Viel mehr als in Essen.

Meine Schwester hörte Sonntags „Max und Musik“, eine Kindersendung auf hr1. Ich erinnere mich dunkel, dienstags abends, nach dem Judo-Training, auch mal „Die Deutsche Schlagerparade“ auf Bayern 1 gehört zu haben, die mich an den „Pop-Report“ vom WDR erinnerte.

Was mich heute wundert: Dass ich den AFN damals nicht hörte. War mir wohl zu wild...

1993 ging es dann zurück nach Essen.

Meine Klassenkameraden hörten zumeist den Lokalfunk, den ich ziemlich gräßlich fand. Ich hörte lieber WDR 1 mit Sendungen wie „Eins Live“ (nach der der Nachfolgesender benannt wurde), „Hit Chips“ oder dem nachmittäglichen „Riff – Der Wellenbrecher“. Das war eine Wortsendung mit ernsten Themen, die um 15.05 Uhr begann, und für mich als Jugendlicher, der ich um die Zeit lieber Popmusik gehört hätte, ziemlich grausam war.

Samstags dann „Top Hits Deutschland“ mit Achim Preikschat, wo die Deutschen Charts allerdings nur hintereinander abgenudelt wurden. Was ich im Gegensatz zum „hr3-Hitclip“ in Hessen recht langweilig fand.

1994 war ich das erste Mal mit meinem Vater in Berlin. Ich hatte einen kleinen Radio-Walkman mit Analogskala dabei. Und was ich dabei auf die Ohren bekam, war geradezu eine Offenbarung: Fritz, Radio B Zwei, RTL,...die Masse an Sendern in Berlin überforderte und begeisterte mich zugleich.

1995 startete als Nachfolger von WDR 1 in NRW „Eins Live“. Ein Sender, den ich sehnsüchtig erwartet hatte, und der am Anfang für NRW-Verhältnisse ziemlich revolutionär war. Als Vorbild für Eins Live diente unter anderem „Fritz“ vom ORB aus Berlin/Brandenburg. Das wurde in einer der letzten „Riff“-Sendungen nachmittags so auch offen gesagt.

Doch im gleichen Jahr kaufte ich mir eine neue Stereoanlage mit Digitalanzeige und RDS und eine gute Antenne. Wochenlang drehte ich an dem Ding rum, bis ich den ganzen Äther abgehört hatte. Damit bekam ich SWF3 und die Niederländer rein. Von denen war Radio 3, heute 3FM, eine Offenbarung im Vergleich zu deutschen Stationen. Der Sender klang viel lauter, mit irren Jingles und DJs, und spielte einem Hit nach dem anderen. Das gab es zu der Zeit in NRW nicht.

Bei Überreichweiten gab's NDR 2, Antenne - Das Radio aus Niedersachsen und „Skyradio“ aus Holland. Auch mal „Hansawelle Bremen“. Alles Sender, die ich liebte.

16.1.22

NRW im Lauf der Jahre

Gerade sehe ich in „Berlin direkt“ einen Beitrag über die CSU und Markus Söder.

Das nehme ich mal als Anlass, über die politische Entwicklung „meines“ Heimat-Bundeslandes, NRW, zu schreiben.

Alles, so wie ich es aus dem Kopf weiß, und auch mal gelernt habe.


Von 1966 bis 1998 hatte NRW lediglich zwei Ministerpräsidenten:

Heinz Kühn (66-78) und Johannes Rau (78-98), beide SPD.

Also eine sehr, wie soll man sagen, stabile und konstante Entwicklung.

Besonders die 20-jährige Regierungszeit Raus hat das Land geprägt. Vor allem, was die politische Kultur angeht. Raus Motto war „Versöhnen statt spalten“, und das hat lange funktioniert. Auch die CDU-Ministerpräsidenten, die ihm folgten, vermieden eine harte Rhetorik.

Rau, der auch „Bruder Johannes“ genannt wurde, konnte die wirtschaftlichen Verwerfungen an der Ruhr lange durch Subventionen zudecken. An Rhein und Ruhr siedelten sich seit den 1960er, 1970er-Jahren neue Hochschulen an, die den Wegfall der klassischen Industriearbeitsplätze kompensieren sollten. Doch auch im Rest des Landes kam seine Art – ich will nicht sagen, Masche – an. So sicherte er seiner Partei mehr als10 Jahre absolute Mehrheiten.

1995 verlor die SPD die Mehrheit in NRW.

Ich erinnere mich an den Tag der Landtagswahl, weil ich genau an dem Tag Konfirmation feierte. Wir verfolgten die Wahl so nebenbei am Fernseher. Ich war gespannt, ob die rechte NRW-SPD sich nun mit den als sektiererisch geltenden Grünen zusammen raufen würde.

Sie tat es.

Konfliktherd war in den ersten Jahren vor allem der Braunkohletagebau im Rheinischen Revier.

Die neue Umweltministerin Höhn von den Grünen musste die Erweiterung genehmigen, setzte aber Umweltauflagen durch.

Später, im Studium, habe ich ein Buch des als „Beton-Sozis“ geltenden, langjährigen Düsseldorfer Fraktionschefs Friedhelm Farthmann gelesen. Darin schrieb er allen Ernstes, die Leute hätten das Wahlergebnis nicht gewollt. Sie hätten Rau seine absolute Mehrheit eigentlich behalten lassen wollen. So etwas kann man eigentlich nur Missachtung des Wählerwillens nennen. Aber Farthmann war nach 1995 nicht mehr im Amt.

Die rot-grüne Regierung hielt bis 2005, auch unter den Rau-Nachfolgern Clement und Steinbrück. Sie musste auch halten, um den Fortbestand der gleichfarbigen Bundesregierung von Gerhard Schröder zu garantieren. Mit der Wahlniederlage 2005 in NRW endete auch Schröders Rückhalt, was bekanntermaßen im Bund zu Neuwahlen führte.

Seit diesem Jahr, 2005, ist NRW ein „swing state“. Mal haben die einen, mal die anderen die Mehrheit.

Die Regierung Rüttgers (CDU/FDP) hielt fünf Jahre. Die folgende, wieder Rot-grüne unter Hannelore Kraft, immerhin sieben. Seit 2017 regiert wieder die Union mit den Liberalen, mittlerweile unter dem zweiten Regierungschef.

Wie die Wahlen im kommenden Frühjahr 2022 ausgehen, ist unklar. In Umfragen, die ich in den letzten Wochen gesehen habe, liegen beide große Parteien gleichauf.

Auffällig ist: Wie bereits zu Anfang geschrieben, hatte NRW bis 1998 in 32 Jahren nur zwei Regierungschefs. Seit 24 Jahren sind es nun schon deren sechs. Die stabilen Verhältnisse von einst sind Geschichte.

Das muss jedoch kein Nachteil sein. Regierungswechsel bringen einen „frischen Wind“, zumindest in der Theorie. Praktisch jedoch, so meine Beobachtung, macht es wenig Unterschied, welche Partei gerade regiert. Kontinuität ist in Deutschland ein hohes Gebot.

Vielleicht wäre etwas mehr politischer Diskurs manchmal besser? Entscheidet der Wähler. Im Mai.

Corona & Society

Höre gerade in den Nachrichten, dass die Inzidenz mittlerweile bei 516 komma irgendwas liegt.

Manche Eltern bedrohen Lehrer und laden vorgefertigte Anwaltsschreiben aus dem Netz runter, die sie dann an Lehrer ihrer Kinder verschicken.

Was ist bloß mit der Gesellschaft los? Das bringt mich zu grundsätzlichen Überlegungen:

Margaret Thatcher, britische Premierministerin von 1979 bis 1990, hat mal in einem Interview mit einer Frauenzeitschrift in ihrer Amtszeit gesagt, so etwas wie eine Gesellschaft gebe es gar nicht.

Es gebe nur Individuen.

Mehr als 30 Jahre nach dem Ende ihrer Amtszeit muss man konstatieren: Sie hat sich mit ihrer Ansicht durchgesetzt.

Den „Todesstoß“ für das Gemeinwesen, das schon vorher angeschlagen war, hat meiner Meinung das Internet mit seinen „sozialen Medien“ geliefert.

(Genau DAS Internet, in dem ihr auch gerade mein Blog lest).

Jeder liest nur noch das, was ihm passt. Andere Meinungen werden zunehmend egal.

Die berühmte „bubble“.

Früher gaben Kirchen, Gewerkschaften und Parteien für viele Menschen so etwas wie Heimat.
Das ist vorbei. Kollektive Organisationen verlieren an Mitgliedern.

Hoffentlich zerreißt Corona die Gesellschaften in Deutschland, Europa und der Welt nicht...das ist eine meiner größten Ängste.

Aber ich bin optimistisch, dass das Gute siegen wird. Und Corona wird verlieren.